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Richterin erkennt auf fahrlässige Tötung: Tränen, Wut und Erleichterung nach Pistorius-Urteil
Panorama 2 2 Min. 12.09.2014 Aus unserem online-Archiv

Richterin erkennt auf fahrlässige Tötung: Tränen, Wut und Erleichterung nach Pistorius-Urteil

Panorama 2 2 Min. 12.09.2014 Aus unserem online-Archiv

Richterin erkennt auf fahrlässige Tötung: Tränen, Wut und Erleichterung nach Pistorius-Urteil

Oscar Pistorius kann nicht nachgewiesen werden, dass er seine Freundin aus Wut und mit Vorsatz erschoss - so hat die Richterin entschieden. Ein erster Sieg für den Sportler. Das Strafmaß folgt am 13. Oktober.

(dpa) - Sportstar Oscar Pistorius ist wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin schuldig gesprochen worden. Richterin Thokozile Masipa verkündete ihre Entscheidung am Freitag nach einer rund fünfstündigen Urteilsbegründung. „Das Gericht hat ihn der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden“, sagte sie wörtlich. Das Strafmaß für den beinamputierten Paralympics-Star dürfte erst in einigen Wochen folgen. Die Höchststrafe liegt bei 15 Jahren, doch auch eine Bewährungsstrafe ist möglich.

Bereits am Donnerstag hatte Masipa einen Schuldspruch wegen Mordes ausgeschlossen. Ihre Entscheidung ist eine schwere Niederlage für die Staatsanwaltschaft: Denn aus Sicht der Anklage tötete Pistorius seine Freundin, das Model Reeva Steenkamp (29), absichtlich, als er in der Nacht zum Valentinstag 2013 in seinem Haus durch eine geschlossene Toilettentür schoss.

Richterin Masipa argumentierte, die Anklage habe in dem Prozess nicht widerlegen können, „dass Pistorius wirklich glaubte, es sei ein Einbrecher im Haus“. Der Sportstar hatte schon kurz nach der Tat und während des Prozesses beteuert, aus Angst vor einem Eindringling und in Panik geschossen zu haben. Erst nach den vier Schüssen habe er festgestellt, dass seine Freundin nicht schlafend im gemeinsamen Bett gelegen habe.

Regungsloser Top-Athlet

Pistorius nahm den Schuldspruch mit Fassung auf: Der 27-Jährige zeigte kaum eine Regung, stattdessen schien er sich leicht vor Richterin Masipa zu verbeugen. Am Vortag war er im Gerichtssaal wiederholt von Weinkrämpfen geschüttelt worden. Nach dem Urteil saß Pistorius - einst ein weltweites Idol des Behindertensports - still neben seiner Schwester.

Die Mutter der erschossenen Reeva Steenkamp, June, tröstete weinende Familienmitglieder nach der Urteilsverkündung. „Ihr müsst nicht weinen“, hörten Anwesende sie sagen. Vater Barry Steenkamp verließ den Gerichtssaal mit hängenden Schultern.

Die Richterin legte das Strafmaß für Pistorius wie erwartet noch nicht fest. Möglicherweise gibt sie es erst in einigen Wochen bekannt. In der Zwischenzeit können Staatsanwaltschaft und Verteidigung Argumente vorlegen - entweder für ein besonders hartes Urteil oder für mildernde Umstände.

Masipa widmete sich am Freitag auch anderen Waffenvergehen: Schuldig sprach die Richterin ihn wegen eines Schuss-Vorfalls in einem Restaurant. In zwei Fällen wurde Pistorius von den Vorwürfen freigesprochen.

Richterin Thokozile Masipa befand Pistorius der fahrlässigen Tötung für schuldig.
Richterin Thokozile Masipa befand Pistorius der fahrlässigen Tötung für schuldig.
Alon Skuy

Auf Kaution in Freiheit

Nach seiner Verurteilung verließ Oscar Pistorius das Gericht in Pretoria. Er darf bis zur Verkündung des Strafmaßes gegen Kaution in Freiheit bleiben. Dies entschied Richterin Thokozile Masipa am Freitag in Pretoria. Das Strafmaß soll ab dem 13. Oktober verkündet werden.

Nach der Verkündung des Strafmaßes in wenigen Wochen könnte Pistorius laut südafrikanischen Rechtsexperten sofort in ein Gefängnis kommen. Ein mögliches Berufungsverfahren könnte rund ein Jahr dauern.

Pistorius gewann einst mit seinen Hightech-Karbon-Prothesen Goldmedaillen bei Paralympischen Spielen, auch bei den Olympischen Spielen 2012 trat er an. Er stand seit dem 3. März 2014 vor Gericht - es war einer der spektakulärsten Prozesse in der südafrikanischen Geschichte.

Die möglichen Abläufe in der Tatnacht zeigt dieses Video auf:


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