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Restaurierter R4: Mit Liebe zum Detail
Panorama 3 Min. 21.02.2020

Restaurierter R4: Mit Liebe zum Detail

Die vier stolzen Kumpel vor ihrem Meisterwerk: Marc Weyer, Olivier Helminger, Pierre Weins und Claude Schmitz. (v.l.n.r.)

Restaurierter R4: Mit Liebe zum Detail

Die vier stolzen Kumpel vor ihrem Meisterwerk: Marc Weyer, Olivier Helminger, Pierre Weins und Claude Schmitz. (v.l.n.r.)
Foto: Frank Weyrich
Panorama 3 Min. 21.02.2020

Restaurierter R4: Mit Liebe zum Detail

Frank WEYRICH
Frank WEYRICH
Eine Gruppe Fahrzeugfans aus Luxemburg hat fast zehn Jahre Arbeit investiert - und versteigert nun einen restaurierten Renault R4 für einen guten Zweck.

Dies ist die Geschichte von vier Männern, die bis vor zehn Jahren nichts  voneinander wussten und durch eine gemeinsame Leidenschaft zu einer Gruppe von Freunden geworden sind. Angefangen hat alles mit drei Autofans: Marc Weyer, Pierre Weins und Olivier Helminger waren Besitzer von englischen Oldtimerfahrzeugen. Um in ihrer Freizeit selbst Hand anlegen zu können, hatten sich alle drei unabhängig voneinander entschlossen, sich in Abendkursen des CNFPC (Centre national de formation professionnelle continue) für Automechanik einzuschreiben.

Ein Renault R4 Fourgonnette von 1969

Zusammen mit weiteren Autobegeisterten wurden sie unter der Leitung von Jos Schwind in die Geheimnisse der Technik eingeweiht. Nach drei Jahren war die Ausbildung abgeschlossen, und bis dahin hatte sich die Begeisterung an der Arbeit so hochgeschaukelt, dass die Gruppe gemeinsam entschied, sich ein Projekt auszusuchen, bei dem sie ihre neuen Fähigkeiten anwenden konnten. Wie der Zufall es wollte, wusste eine Teilnehmerin von einem alten Fahrzeug, das irgendwo in Zolver in einer Garage vor sich hin rostete. Damit war das weiterführende Projekt für die nächsten Jahre gefunden.

In diesem beklagenswerten Zustand war das Auto vor der Renovierung.
In diesem beklagenswerten Zustand war das Auto vor der Renovierung.
foto: privat

Es handelte sich dabei um einen Renault R4 Fourgonnette. Vor genau 51 Jahren, am 21. Februar 1969, wurde das Auto in Esch/Alzette für den öffentlichen Verkehr zugelassen. Als Eigentümer war ein Schreiner aus Zolver eingetragen. Laut Tachometer hat das Fahrzeug etwas mehr als 49.000 Kilometer zurückgelegt. Allerdings ist nicht klar, ob es deren nicht 149.000 sind, da damals die Anzeigen nach 100.000 Kilometern wieder bei Null anfingen. Von Anfang an war klar, dass der Oldtimer nach abgeschlossener Renovierung für einen guten Zweck verkauft werden sollte.

Aus 40 Stunden wurden mehrere Jahre

Die Renault R4 genießen fast den gleichen Kultstatus wie die 2CV oder die VW Käfer. Ihre Revolverschaltung in der Mitte des Armaturenbretts ist eines ihrer unverkennbaren Merkmale. Eine Anekdote zu einem anderen besonderen Exemplar unterstreicht die Stellung dieses Autos: Der italienische Priester Renzo Zocca hatte 1984 einen R4 vom lokalen Fußballverein Verona geschenkt bekommen. Als im Jahr 2013 der neue Papst Franziskus geweiht worden war, entschied sich Zocca dazu, dem Papst sein Fahrzeug zu schenken. In den fast 30 Jahren seines Priesteramtes hatte er mit seinem Auto immerhin mehr als 300.000 Kilometer zurückgelegt. Heute steht das Modell, das die gleiche Farbe hat wie das Fahrzeug der luxemburgischen Bastler, im vatikanischen Museum. 

Unter der Anleitung ihres angestammten "Lehrers" Jos Schwind machten sich die Gruppenmitglieder an die Arbeit, um das arg heruntergekommene Fahrzeug wieder auf Vordermann zu bringen. Als es dann darum ging, die Karosserie zu erneuern, konnte man in den Räumlichkeiten in Esch nicht weitermachen, weil dazu die notwendige Ausrüstung fehlte. Als Ausweichmöglichkeit bot sich das CNFPC in Ettelbrück an. 

Die vier stolzen Kumpel mit ihrem Meisterwerk.
Die vier stolzen Kumpel mit ihrem Meisterwerk.
Foto: Frank Weyrich

Das war der Augenblick, in dem Claude Schmitz, Ausbilder in Ettelbrück, mit in das Projekt einstieg. "Als mein Kollege aus Esch mich damals angerufen hat, meinte er, das Projekt würde etwa 40 Stunden Arbeit in Anspruch nehmen", erzählt Schmitz mit einem Lachen. Wie die Geschichte zeigt, wurden mehrere hundert Stunden und einige Jahre daraus. Bis zum Ende der Renovierung haben noch drei Mitglieder der ursprünglichen Gruppe durchgehalten. Weyer, Weins, Helminger sowie Schmitz sind im Laufe der Jahre zu einer eingeschworenen Truppe zusammengewachsen.

Jetzt, wo das Projekt zu Ende gebracht ist, sind seit dem ersten Treffen rund zehn Jahre vergangen. Auch das Auto ist ihnen ans Herz gewachsen. Mit viel Liebe zum Detail wurden sämtliche Arbeiten erledigt. Nicht nur die Mechanik wurde von Grund auf erneuert, sogar neue gepolsterte Sitzbänke und Reifen gehören dazu, ebenso wie die neu gestaltete Karosserie.

Versteigerung für einen guten Zweck

Und dann gibt es da noch ein Detail, das den vier Männern ganz besonders am Herzen liegt, wie Marc Weyer erklärt: "Das Auto besitzt immer noch seine Erstzulassung von 1969 mit dem Originalnummernschild T 2200. Es wurde nie abgemeldet." Somit kann sich der zukünftige Eigentümer freuen, ein Auto aus erster Hand zu erstehen.

Ein Auszug aus den Originalpapieren des Renault R4.
Ein Auszug aus den Originalpapieren des Renault R4.
Foto: Frank Weyrich



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