Wählen Sie Ihre Nachrichten​

„Mütter sind der Grundstein der Zivilisation“
Panorama 1 6 Min. 06.07.2021
Rachel Weisz im Interview

„Mütter sind der Grundstein der Zivilisation“

Die gebürtige Britin Rachel Weisz ist seit fast 30 Jahren als Schauspielerin aktiv. 2016 erhielt sie einen Oscar für ihre Rolle im Filmdrama „The Constant Gardener“ („Der ewige Gärtner“).
Rachel Weisz im Interview

„Mütter sind der Grundstein der Zivilisation“

Die gebürtige Britin Rachel Weisz ist seit fast 30 Jahren als Schauspielerin aktiv. 2016 erhielt sie einen Oscar für ihre Rolle im Filmdrama „The Constant Gardener“ („Der ewige Gärtner“).
Foto: Getty Images
Panorama 1 6 Min. 06.07.2021
Rachel Weisz im Interview

„Mütter sind der Grundstein der Zivilisation“

Schauspielerin Rachel Weisz spricht über Schweine am Set, den Toilettengang im engen Superheldinnen-Kostüm und die Kernfragen des Lebens.

Interview: Mariam Schaghaghi

Auch Marvel meldet sich mit „Black Widow“ – ab dem 7. Juli in den Kinos – auf der großen Leinwand zurück. Dieses Mal stellt sich die „Schwarze Witwe“ Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) den dunkleren Seiten ihres bisherigen Lebens und stößt auf eine gefährliche Verschwörung mit Verbindungen zu ihrer Vergangenheit. In der Vorgeschichte tritt Rachel Weisz als ihre vermeintliche Mutter Melina auf – das Marvel-Debüt für die 51-jährige Oscar-Gewinnerin, die mit Bond-Darsteller Daniel Craig verheiratet ist.

Rachel Weisz, man würde Sie eher in einem intellektuellen Drama vermuten als in einem Marvel-Film. Was hat Sie dazu bewogen, unter die Superhelden zu gehen? 

Erstmal ein wirklich unglaublich gut geschriebenes Drehbuch. Die Szenen und Figuren waren auf dem Papier absolut perfekt ausgearbeitet. Neben Scarlett Johansson in der Titelrolle wurden dann noch für die neuen Charaktere fantastische Schauspieler gefunden und – last but not least – mit Cate Shortland so eine gute Regisseurin an Bord geholt. Damit hatte man alles, was man für richtige Leinwand-Magie braucht. 

Waren Sie erstaunt, wie viel Tiefe und Komplexität diese Superheldinnen haben – und wie wenig sie noch mit den Comicfiguren von einst gemein haben? 

Ja – es ist wirklich unglaublich, was für ungewöhnliche, komplexe Figuren Marvel entwickelt hat, und es ist mir eine Ehre, eine spielen zu können. Menschen haben so viele unterschiedliche Facetten, dass ich es schade finde, wenn für bestimmte Rollen viele dieser Facetten einfach weggelassen werden. Die Autoren haben hier das Gegenteil geschafft, sie haben unfassbar viele Facetten in die Figuren geschrieben, und die Regisseurin hat alle diese Facetten am Set und die Zerrissenheit der Figuren herausgearbeitet. In diesem Film steckt deutlich mehr, als man auf den ersten Blick geglaubt hätte. 

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Finden Sie, dass Frauenrollen im Allgemeinen komplexer geworden sind? 

Ich mag es auf jeden Fall, wenn Geschichten über Frauen auch von Regisseurinnen gedreht werden wie jetzt von Cate Shortland. Überhaupt hat dieser Film mit drei zentralen, komplexen, weiblichen Figuren eine unglaublich starke Geschichte erzählt. Als ich das Drehbuch las, fiel mir sofort auf, was für eine ungewöhnliche Rolle mir angeboten wird, Melina ist Agentin, Mutter und Wissenschaftlerin, die für die Forschung das Verhalten von Schweinen manipuliert. 

Waren es diese Schweine oder doch der sexy Superheldinnen-Overall, der es Ihnen am meisten angetan hatte? 

Die Szenen mit den Schweinen hatten es mir sehr angetan. Es sind so wunderbare Tiere, und sie haben mir jedes Mal die Show gestohlen. Ich hatte sogar ein Lieblingsschwein namens Alexej, er war unfassbar süß. Die Arbeit mit den den Tieren werde ich nie vergessen. 

Keiner von uns hat die Kontrolle über das ganze Universum, aber wir können aus allem, was uns passiert, etwas lernen.

Superhelden-Outfits sind eine ganz eigene Kategorie von Kostümen. Es heißt immer wieder, wie unbequem die Anzüge sind, damit sie so gut aussehen können. Traut man sich damit überhaupt auf die Toilette? 

Das ist ja mal eine sehr praxisorientierte Frage. Na ja, Pipi zu machen ist natürlich kompliziert. Erst mal muss man die ganzen Waffen ablegen und dann ziemlich kompliziert den Anzug aufmachen und sich rausschälen. Das kostet alles Zeit, und die hat man am Set oft nicht. Wenn ich gehetzt auf die Toilette gestolpert bin, sah das eher nach Comedy aus als nach Superheldin. (lacht)

Glückwunsch zu Ihren zwei Filmtöchtern und zu einer zweijährigen Tochter im echten Leben. „Schmerz macht dich nur stärker“ lautet die pädagogische Lektion von Ihnen als Leinwandmutter. Würden Sie diese Devise auch Ihren eigenen Kindern mitgeben? 

Das wäre sicher nicht der einzige Rat, den ich meinen Kindern geben würde. Aber es ist eine wichtige Lektion zu verstehen, dass Schmerz unvermeidlich ist, dass er aber auch positiv genutzt werden kann. Keiner von uns hat die Kontrolle über das ganze Universum, aber wir können aus allem, was uns passiert, etwas lernen. Und am meisten lernen wir von den eher unangenehmen Erfahrungen. Selbst Kinder wissen, dass sie nur ungern ihr Spielzeug mit anderen teilen, aber dass sie wunderbare Erfahrungen machen können, wenn sie es doch tun. 

„Was bedeutet Heimat?“, „Was genau macht eine Familie aus?“ – das sind die Kernfragen dieses Films und auch für unser aller Leben. Haben diese Themen sich für Sie persönlich im Laufe Ihres Lebens verändert? 

Definitiv. Wir alle beginnen unser Leben als Kind von jemandem und vielleicht hat man das Glück, irgendwann auch mal selbst Kinder in diese Welt zu setzen. Wahrscheinlich hoffen viele, dass sie selbst bessere Eltern werden als ihre eigenen Eltern. Okay, niemand will bewusst als Mutter oder Vater Fehler machen, aber doch ist es unvermeidlich. 

Die Szenen mit den Schweinen hatten es mir sehr angetan. Sie haben mir jedes Mal die Show gestohlen.

Und welche Bedeutung hat der Begriff Heimat für Sie? 

Die erste Heimat findet man bei seinen Eltern, Jetzt aber ist Heimat für mich der Ort, an dem meine Kinder und mein Ehemann sind. Wo die Familie ist, da fühlt man sich auch zuhause. 

Actionheldinnen sind auch oft Mütter. Black Widow kann keine Kinder bekommen, sogar der Grund dafür wird genau thematisiert. Wie sehen Sie den Zusammenhang zwischen Heldinnen und Mutterfiguren? 

Der Wunsch Mutter zu werden ist sicherlich universell, und Marvel weiß genau, wie man große, archetypische Themen mit mythologischer Kraft auf die Leinwand bringt. Mütter sind der Grundstein der Zivilisation, keine Figur kann wichtiger sein als sie, denn die Mutter ist der Grund, warum wir alle hier sind. Sie ist das Leben. Ohne diesen Aspekt kann man kaum große Geschichten erzählen, auch in Action-Filmen. 


Julianne Moore: „Meine Fans sind sehr angenehm“
Die US-Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin spricht im Interview über ihr neues Serienprojekt, Stephen King und ihre Deutschkenntnisse.

Marvel-Fans haben immer extrem hohe Erwartungen an die Verfilmungen. Wie gehen Sie mit diesem Druck um? 

Scarlett Johanssons Figur steht im Vordergrund und wird seit über einem Jahrzehnt von den Fans abgöttisch geliebt. Ich bin „die Neue“, also spüre ich keine so große Erwartung. Mein Gefühl besagt, dass dieser Film ganz neue Fans an Bord holen wird, weil er so stark ist. Wenn man Geschichten erzählt, darf man sich nicht zu viele Gedanken darüber machen, wie das Publikum reagieren könnte – damit macht man sich nur verrückt. Man konzentriert sich besser auf die Arbeit und kann dann nur hoffen, dass die Fans genau so begeistert sein werden wie man selbst. 

Wie wichtig finden Sie es, dass Frauen und Mädchen überall auf der Welt immer mehr Superheldinnen auf der Leinwand sehen können? 

Mir ist es immens wichtig, dass die verschiedenen Menschen sich alle durch gute Geschichten repräsentiert fühlen. Das gilt nicht nur für Frauen. Bisher wurden Minderheiten in Filmen fast gänzlich ignoriert, aber das ändert sich jetzt. Unsere Besonderheiten treten immer mehr in den Vordergrund. Ich weiß noch genau, wie mich als kleines Mädchen ein Film mit Elizabeth Taylor ungemein beeindruckte, er hieß „National Velvet“. Es geht darin um ein Mädchen, das sich als Junge verkleidet, um bei Pferderennen als Jockey mitzureiten zu können. Das war für mich ein echtes Aha-Erlebnis: Mir wurde bewusst, dass ich als Mädchen alles schaffen kann, was Männer auch schaffen. Im April diesen Jahres hat übrigens zum ersten Mal ein weiblicher Jockey das berühmte englische Pferderennen des „Grand National“ gewonnen. Es ist daher unglaublich wichtig, sich selbst in einer Geschichte wiederfinden zu können. 

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Britney Spears vor Gericht
Per Telefon erhebt die Sängerin im Gericht schwere Vorwürfe. Sie fordert das Ende ihrer fast 13-jährigen Vormundschaft.
ARCHIV - 22.07.2019, USA, Los Angeles: Britney Spears, Sängerin aus den USA, kommt zur Premiere von "Once Upon A Time in Hollywood". (zu dpa "Britney Spears: Weiß nicht, wann ich wieder auf der Bühne stehe") Foto: Kay Blake/ZUMA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++