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Die ewige Monarchin
Panorama 11 4 Min. 21.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Queen Elizabeth II. feiert 90. Geburtstag

Die ewige Monarchin

Panorama 11 4 Min. 21.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Queen Elizabeth II. feiert 90. Geburtstag

Die ewige Monarchin

Die Queen ist schon so lange auf dem Thron, dass sie kaum jemand missen will. Die Briten lieben sie – und kritisieren sie unerbittlich. Heute wird Elizabeth II. 90 Jahre alt.

(dpa/NW) - Queen Elizabeth II. liebt Kleider in leuchtenden Farben, sperrige Handtaschen und geht nie ohne Hut aus dem Haus. In die Politik mischt sich die Königin nicht ein. Ihre Reden sind wenig mitreißend. Doch im Palast heißt es über das britische Staatsoberhaupt: „She is very much at the helm“ – sie hat das Steuer fest in der Hand.

Am heutigen 21. April wird die Queen 90 Jahre – sie ist die älteste Königin der Welt, nie zuvor hat ein britischer Monarch ein solches Alter erreicht. Und eines steht fest: Für 90 ist die alte Dame noch verdammt gut in Form. Jetzt soll gefeiert werden – königlich!

Besuch von Barack Obama

Gemeinhin gehen 90-Jährige ihre Feiern eher etwas ruhiger an – nicht so die Queen. Kein Geringerer als US-Präsident Barack Obama macht nach ihrem eigentlichen Geburtstag, am 22. oder 23. April, seine Aufwartung in Schloss Windsor. Worüber die beiden wohl reden – über Donald Trump, das Enfant terrible der US-Politik, über das Brexit-Referendum in Großbritannien? Der Haken ist: Die Queen gibt keine Interviews, niemals.

Apropos Brexit: Bei dem Thema ist die Queen jüngst übel in die Schlagzeilen gerutscht. Das Massenblatt „The Sun“ wollte erfahren haben, dass die Monarchin den Austritt aus der EU favorisiert. Die Königin, peinlich um politische Neu-tralität bemüht, was not amused.

Und was tat der Palast? Er beschwerte sich beim Presserat. Kaum ein Ereignis demonstriert deutlicher, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. Früher warfen Könige und Königinnen derart Aufmüpfige in den Kerker – heute zieht der Buckingham-Palast vor den Presserat. Freundlich und nett ist die Queen, aber ohne Macht. Ist das der Grund, dass die Briten sie lieben?

Da ist zum Beispiel Mike O'Neill, ein Rentner in London, der sein Einkommen mit Putzen aufbessern muss. „Tief in meinem Herzen bin ich Monarchist“, bekennt der Mann stolz. Geht es um die Queen, kommt er regelrecht ins Schwärmen. „Sie ist schon so lange dabei ... Sie hält alles zusammen.“ Politikern gibt Mike keine guten Noten, der Königin schon. Laut Umfragen denken die meisten Briten ganz ähnlich. Man hat sich an die nette alte Dame gewöhnt, keiner will sie missen.

Gute, alte Tradition

Dann sind da auch noch diese wunderbar unzeitgemäßen Traditionen, diese überkommenen Usancen und Marotten der Royals, die die Briten so lieben. Ein schier unerschöpflicher Fundus ist die königliche Webseite „The British Monarchy“.

Etwa zum Thema „Begrüßung der Queen“: Zwar heißt es, eigentlich gebe es keine feste Regeln, „doch viele Leute wollen die traditionelle Form der Begrüßung einhalten. Für Männer heißt das der Diener (nur der Kopf), die Frauen machen einen Knicks.“ Die korrekte Anrede sei „Your Majesty“, danach möge man bitte schön „Ma'am“ sagen.

Als etwa Michelle Obama vor ein paar Jahren das Tabu brach und die Queen leicht umarmte, löste das eine längere Debatte aus. Bisher galt immer: Berühren verboten!

Ebenfalls amüsant ist, was die Website etwa zum Thema „Interessen der Queen“ zu bieten hat. Da liest man: „Eine Tierliebhaberin von Geburt an.“ Ein tiefes und bemerkenswertes Interesse habe sie an Pferden und Hunden, aber sie wandere auch gerne und interessiere sich für traditionelle schottische Tänze. Ist das alles, für das sich die britische Königin interessiert?

Ein bewegtes Leben

Was hat die Queen nicht schon erlebt, was hat sie nicht schon durchgemacht! Als Kind musste sie wegen der deutschen Bombardierungen London verlassen, die meiste Zeit lebte sie in Windsor. Dafür tanzte sie inkognito auf den Straßen, als die Deutschen im Mai 1945 kapitulierten.

Sie war ein blutjunges Mädchen, als sie „ihren Prinzen“ kennenlernte und ins Schwärmen geriet. Seit ganzen 68 Jahren ist sie mit Prinz Philip verheiratet, einem Spross aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Sie sagt, er sei ihr immer eine Stütze. Er beklagte sich mitunter über seine Rolle als „Mann an ihrer Seite“. Wenn am Freitag, den 10. Juni, in London die große Queen-Feier steigt, wird Philip 95 Jahre alt.

Elizabeth war 23, als ihr Vater starb. Als sie 1953 gekrönt wurde, kauften sich viele Familien eigens einen Fernseher, um mit dabei zu sein. Ein Dutzend Premierminister hat sie erlebt, von Winston Churchill bis David Cameron. Es heißt, am schlechtesten habe sie sich mit Margaret Thatcher vertragen.

Feierlichkeiten im Mai und Juni

Doch trotz aller Sympathie und Liebe der Untertanen – macht die Queen auch nur den kleinsten Fehltritt, sind die Briten unerbittlich mit ihrer Kritik. Zum Beispiel: Zum Abschluss und Höhepunkt der Geburtstagsfeiern lädt die Queen am Sonntag, den 12. Juni, zum Mittagessen auf der Prachtstraße The Mall ein.

10 000 Gäste werden erwartet, an langen Tischen werden sie sitzen, „hamper style“ nennt das der Palast, Essen aus dem Picknickkorb, serviert vom Warenhaus Marks&Spencer. Doch als herauskam, dass die Gäste 150 Pfund für den eher frugalen Lunch zahlen müssen, hagelte es Kritik. „Der 90. Geburtstag der Queen droht, zum royalen PR-Desaster zu werden“, ätzte etwa die Zeitung „The Independent“.

Royal-Fans haben bereits vorher Gelegenheit, den Geburtstag der Queen zu feiern: Dem großen Spektakel voraus geht am Samstag, den 11. Juni, die jährliche Geburtstagsparade „Trooping the Colour“ und am 10. Juni ein feierlicher Gottesdienst in der St. Paul’s Kathedrale.

Die Wartezeit von April bis Juni verkürzt dann noch ein weiteres Event im Mai: Vom 12. bis 15. Mai finden abendliche Geburtstagsparaden vor Schloss Windsor statt. Höhepunkt des ganzen ist ein Konzert am 15. Mai, bei dem unter anderem die Australische Sängerin Kylie Minogue, die bereits beim „Diamond-Jubilee“ auftrat, ein Ständchen für die Queen singt. Ebenfalls angekündigt sind der italienische Tenor Andrea Bocelli und der britische Singer-Songwriter James Blunt.

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