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Puma aus der Asche
Panorama 4 Min. 19.10.2020

Puma aus der Asche

Das vier bis sechs Wochen alte Berglöwen-Baby mit dem Spitznamen „Captain Cal“ wurde mit versengten Schnurrhaaren, Pfoten und verletzten Augen in der Veterinärpraxis des Zoos von Oakland eingeliefert.

Puma aus der Asche

Das vier bis sechs Wochen alte Berglöwen-Baby mit dem Spitznamen „Captain Cal“ wurde mit versengten Schnurrhaaren, Pfoten und verletzten Augen in der Veterinärpraxis des Zoos von Oakland eingeliefert.
Foto: Oakland Zoo/dpa
Panorama 4 Min. 19.10.2020

Puma aus der Asche

Das Berglöwen-Baby „Captain Cal“ wird zur Symbolfigur der verheerenden Waldbrände in Kalifornien.

(dpa) - Das Feuerdrama hat „Captain Cal“ schwer gezeichnet: Die Pfoten des Berglöwen-Babys sind dick bandagiert, seine Schnurrhaare sind bis auf kleine Stummeln abgebrannt, das hellbraune Fell ist an einigen Stellen versengt. Doch die kleine, verwaiste Raubkatze hatte mitten in dem Inferno des sogenannten Zogg-Feuers in Nordkalifornien wohl einen Schutzengel. Ein Feuerwehrmann entdeckte das gerade vier bis sechs Wochen alte schwer verletzte Tierbaby, das nun im Zoo von Oakland aufgepäppelt wird.

Veterinärin Alex Herman und ihr Team kümmern sich um ein in den Waldbränden verletztes Berglöwen-Baby.
Veterinärin Alex Herman und ihr Team kümmern sich um ein in den Waldbränden verletztes Berglöwen-Baby.
Foto: Oakland Zoo/dpa

„Ich dachte nicht, dass es überleben würde“, berichtet die Veterinärin Alex Herman der Deutschen Presse-Agentur. „Es hatte schwere Verbrennungen an allen vier Pfoten, Verletzungen am ganzen Körper, es war dehydriert und kurz davor zu verhungern.

Gerade 1,7 Kilogramm brachte die Baby-Katze Anfang Oktober auf die Waage. Doch nach drei Operationen und täglichen Verbandswechseln unter Betäubung gibt es nun hoffnungsvolle Zeichen. „Der Kleine hat einen Riesenappetit“, freut sich die Tierärztin. In einem Video vor wenigen Tagen tapste „Captain Cal“ – nach dem Maskottchen der kalifornischen Feuerwehr benannt – in seinem Auslauf herum.

Die Berglöwen-Babys "Pink Nose" und "Black Nose" wurden ebenfalls vor den Waldbränden gerettet.
Die Berglöwen-Babys "Pink Nose" und "Black Nose" wurden ebenfalls vor den Waldbränden gerettet.
Foto: Oakland Zoo/dpa

Durch ein Gitter beschnupperte er auch schon die beiden Puma-Schwestern „Pink Nose“ und „Black Nose“. Die etwa fünf Wochen alten Babys – mit rosa und schwarzer Nase – haben ebenfalls ihre Mutter bei dem Waldbrand verloren, sie selbst blieben aber unverletzt. In einem Video fauchen die gefleckten Katzen laut in die Kamera und erkunden ihre neue Umgebung.

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Exciting Captain Cal update! Today Captain Cal finally ventured out of his crate (still bandaged heavily but walking)! He walked up to the partition between himself and the other two orphaned mountain lion cubs (females) that were also rescued from the Zogg Fire. Based on their first meeting, this looks to be a great bond the 3 will form with each other! It’s sad that they ended up in the situation they have because of the devastating fire, but we are so happy that Captain Cal now has these two girls to grow up with for companionship and comfort. Very soon the partition will be removed; it’s part of the introduction process that occurs in two phases. We anesthetized him to change his bandages today and the burned pads are improving daily. We’re very optimistic and happy! Follow Captain's chronicles on our website! (link in bio)

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Regulierung des Wildbestands

Bei den verheerenden Buschbränden in Australien Anfang des Jahres gingen Bilder von verwaisten Kängurubabys und von Koalas mit verbrannten Pfoten um die Welt. Nach den schwersten Flächen- bränden in der jüngeren Geschichte Kaliforniens berührt nun das Schicksal von „Captain Cal“ und seinen Artgenossen.


Den Koalas droht neue Gefahr
Durch das Abholzen von Wäldern verkleinert sich der Lebensraum der seltenen Beuteltiere.

Seit Mitte August toben in dem Westküstenstaat heftige Feuer, mehr als 16.000 Quadratkilometer Wald und Nutzland sind schon abgebrannt, eine Fläche mehr als viermal so groß wie Mallorca.

„Es ist eine massive Krise und die Waldbrandsaison ist noch nicht vorbei“, sagt Herman. „Neben den Berglöwen sind so viele Rehe, Füchse, Bären und andere Tiere betroffen, das ganze Ausmaß können wir noch gar nicht absehen.“

Nach Schätzungen der Mountain Lion Foundation (MLF), einer gemeinnützigen Organisation zum Schutz der Berglöwen, gibt es in den USA rund 30.000 Pumas, die meisten davon in westlichen Bundesstaaten, sowie wenige Hundert in Florida. Als einzige Staaten haben Kalifornien und Florida ein Jagdverbot erlassen. Doch dieser Schutz reiche bei Weitem nicht aus, meint MLF-Leiterin Debra Chase. Neben Waldbränden nennt sie Gefahren wie Wilderei, Kollisionen mit Autos, vergiftete Beute und die Zerstörung ihres Lebensraums.


This undated handout photo released by Aussie Ark on October 1, 2020 shows a Tasmanian devil walking in the wild in mainland Australia. - Tasmanian devils have been released into the wild on Australia's mainland 3,000 years after the feisty marsupials went extinct there, in what conservationists described on October 5 as a "historic" step. (Photo by Handout / Aussie Ark / AFP) / TO GO WITH AFP STORY Australia-environment-animal
RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / Aussie Ark" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS --- NO ARCHIVES ---
Australien: Der Teufel kehrt zurück
Nach 3.000 Jahren ist der Tasmanische Teufel zurück auf dem australischen Festland – er soll die einheimische Flora und Fauna beschützen.

„Pumas sind für das Ökosystem und Biodiversität extrem wichtig“, betont Chase. Zusammen mit anderen Raubtieren wie Wölfen und Kojoten regulierten sie etwa den Wildbestand.

Seltene Angriffe

Doch immer wieder sorgen Vorfälle mit Berglöwen für Schlagzeilen, wie etwa das wenige Tage alte Video eines 26-jährigen Wanderers in Utah, der im Wald einer Puma-Mutter mit Babys begegnete. Sechs Minuten lang folgt die Raubkatze dem Mann, der laut rufend langsam rückwärts läuft. Immer wieder nähert sich das Tier und faucht. „Sie hat ihn nicht als Beute gejagt“, sagt Chase über das Verhalten der Raubkatze. Sie wollte nur ihre Jungen schützen und den Eindringling abschrecken.

Angriffe auf Menschen seien „extrem selten“, beteuert Chase. Die Raubkatzen seien für gewöhnlich sehr scheu. Dennoch hat 2018 ein Berglöwe im US-Staat Washington einen Radfahrer getötet und einen weiteren schwer verletzt. Nach Medienberichten war es der erste tödliche Angriff eines Pumas in Washington in knapp 100 Jahren. Das Tier wurde später von Wildhütern aufgespürt und getötet. Im vorigen Jahr überlebte ein Jogger in Colorado den Angriff eines Jungtiers. Der schwer verletzte Mann setzte sich zur Wehr und erwürgte das Tier.

Auswilderungsprogramm in Planung

Für „Captain Cal“ und die verwaisten Puma-Schwestern gibt es keinen Weg in die Wildnis zurück. Gewöhnlich wachsen sie zwei Jahre lang in der Obhut ihrer Mutter auf und werden dabei zu Jägern erzogen. „Wir arbeiten an einem Auswilderungsprogramm für Puma-Babys, aber sind noch nicht so weit“, erklärt Herman. „In der freien Wildbahn hätten sie keine Chance.“ Für die drei Feueropfer soll später ein geeigneter Zoo oder ein Großkatzenpark gefunden werden.


HANDOUT - 29.09.2020, Australien, Magnetic Island: Die 13-jährige Izzy Bee hält einen ihrer geliebten Koalas im Arm. Sie ist eine Koala-Flüsterin und verbringt den Großteil des Tages mit den putzigen Beuteltieren, die in der Tierklinik ihrer Eltern aufgepäppelt werden. Das macht sie so gut und mit solchem Charme, dass Netflix dem Mädchen aus Magnetic Island vor der Ostküste Australiens eine eigene Serie gewidmet hat. Auch in Deutschland ist die erste Staffel von «Izzy und die Koalas» am Start. (zu dpa Koala-Kuscheln mit Izzy - 13-jährige Tierschützerin wird Netflix-Star) Foto: -/Netflix/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über die Netflix-Serie über Koala-Flüsterin Izzy Bee und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Koala-Kuscheln mit Izzy: Tierschützerin wird Netflix-Star
Koalas sind extrem drollig, aber auch extrem verletzlich. Bei Izzy Bee und ihren Eltern bekommen sie Hilfe. Jetzt gewährt das Mädchen aus Australien auch bei Netflix Einblick in ihre tierisch niedliche Welt.

In den letzten zwei Jahren hat der Zoo von Oakland 13 verwaiste Berglöwen-Babys aufgenommen. In den meisten Fällen waren ihre Mütter von Autos überfahren worden. Der kleine „Captain Cal“ steht wegen des Feuerinfernos in Kalifornien nun besonders im Rampenlicht. „Er ist das Gesicht für die Krise unseres Planeten geworden, für klimabedingte Dürren und Waldbrände“, sagt die Tierärztin. „Ich hoffe, dass er über den Schutz für Pumas hinaus auch einen Anstoß für den Kampf gegen den Klimawandel gibt.“ dpa

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