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Protest mal anders
Andy Pardy berichtet von seiner Reise – etwa aus Snåsa in Norwegen – via Facebook und Twitter.

Protest mal anders

Foto: Instagram/Therogueconsultant.com
Andy Pardy berichtet von seiner Reise – etwa aus Snåsa in Norwegen – via Facebook und Twitter.
Panorama 2 Min. 23.08.2018

Protest mal anders

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Der Londoner Andy Pardy ist überzeugter Europäer. Mit einem ausgefallenen Roadtrip protestiert der 28-Jährige nun gegen den Austritt seines Landes aus der Europäischen Union.

45 Jahre europäische Mitgliedschaft – das Vereinigte Königreich hätte 2018 eigentlich allen Grund zum Feiern. Eigentlich ... denn die Zeiten im Staatenverbund sind gezählt: Am 23. Juni 2016 stimmten 51,89 Prozent der Bevölkerung für den Austritt aus der EU. 2019 wird sich damit erstmals ein Mitgliedsland verabschieden. Die endgültigen Folgen sind nach wie vor nicht absehbar – für beide Seiten.

Vor allem die Älteren, die regelrecht an die Wahlurnen stürmten – die Wahlbeteiligung lag bei den über 55-Jährigen über 80 Prozent – wollten der EU den Rücken kehren. Die wenigen Jüngeren, die die Möglichkeit zur Mitbestimmung nutzten, votierten mehrheitlich für einen Verbleib: Bei den 18- bis 24-Jährigen stimmten nur 24 Prozent für den Brexit, bei den 25- bis 49-Jährigen lediglich 39 Prozent.

Protest per GPS

Zu den Brexit-Gegnern zählt auch Andy Pardy. Der 28-Jährige aus London spricht sich für den Verbleib in der EU aus. Da er als gewöhnlicher Bürger – im Alltag verdient er sein Geld als Berater – keinen großen Einfluss auf die Politiker ausüben kann, versucht er dem Austritt des Vereinigten Königsreichs mit einer ungewöhnlichen Aktion entgegenzutreten: Der junge Brite reist drei Monate lang kreuz und quer durch Europa und schreibt mit Hilfe von GPS-Daten "Stop Brexit* über die Landkarte. "Es ist unser letzter Sommer in der EU", erklärt er den Besuchern seiner Homepage. "Ich habe mich daher dazu entschieden, das Konzept des freien Reisens zu nutzen und zu einer Abschiedstour aufzubrechen."

Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Aktion kam ihm beim Joggen. "Ich nutze eine GPS-App, die meine Laufstrecke aufzeichnet", sagt er im Gespräch mit "jetzt.de". "Da kam mir der Einfall, genau das auf einer größeren Skala zu machen und damit auch ein Statement gegen den Brexit abzugeben."

Mit den Streckenkoordinaten auf der GPS-Karte will Andy Pardy während seiner Reise die Botschaft "Stop Brexit" nachzeichnen.
Mit den Streckenkoordinaten auf der GPS-Karte will Andy Pardy während seiner Reise die Botschaft "Stop Brexit" nachzeichnen.
Foto: Instagram/Therogueconsultant.com

Auch ein Stopp in Luxemburg

Pardy will in drei Monaten mit einem VW-Van insgesamt 32 Länder – davon 26 EU-Staaten – bereisen und dabei rund 30 000 Kilometer zurücklegen. Als reine Fahrzeit plant er 335 Stunden ein. Der Startschuss für die Stop-Brexit-Tour fiel am 10. Juli in Schottland. Weiter ging es über Irland, Wales und England nach Schweden, Norwegen und Finnland. Derzeit hält er sich in Polen auf. Spanien und Portugal sollen die letzten Stationen auf seiner Reise sein. In Luxemburg wird der Brite ebenfalls seine Zelte aufschlagen. Das Großherzogtum ist ein Streckenpunkt, der den Buchstaben "E" in "Brexit" formen wird.

Die gesamte Tour, die – so hofft der Brite – im Oktober abgeschlossen sein wird, kostet ihn nach eigenen Einschätzungen rund 6 700 Euro. Einen Verlust sieht er darin aber nicht wirklich. "Ich kann den Van am Ende wieder verkaufen und außerdem sind die Lebenshaltungskosten in London extrem hoch", so Pardy. "Für die Summe hätte ich dort vielleicht sechs Monate leben können. Und ich meine: Ich bin jetzt drei Monate unterwegs – das ist es mir definitiv wert." Auch in Sachen Brexit ist der Reisende noch voller Hoffnung: "Wer weiß, vielleicht wird alles nicht so schlimm. Wir wissen ja bis heute nicht, in welcher Form der Brexit umgesetzt wird."

Instagram: @ConsultantRogue

www.therogueconsultant.com


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