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Prominente Tote 2019: Am Sarg stand die Ehrenwache
Panorama 5 Min. 30.12.2019

Prominente Tote 2019: Am Sarg stand die Ehrenwache

Friseurmeister, Maskenbildner, Berufsschullehrer - erst danach startete Jochen Pützenbacher seine seine Radiokarriere. Im August 2019 starb er.

Prominente Tote 2019: Am Sarg stand die Ehrenwache

Friseurmeister, Maskenbildner, Berufsschullehrer - erst danach startete Jochen Pützenbacher seine seine Radiokarriere. Im August 2019 starb er.
Foto: LW-Archiv
Panorama 5 Min. 30.12.2019

Prominente Tote 2019: Am Sarg stand die Ehrenwache

Rainer HOLBE
Rainer HOLBE
Rainer Holbe erinnert sich an Begegnungen mit in diesem Jahr verstorbene Prominenten aus Film, Fernsehen und Modewelt.

Die Freunde werden weniger, die Einladungen zu Trauerfeiern nehmen zu. Der Tod fordert seinen Tribut. Und das gilt immer häufiger auch für Prominente, denen ich bei meiner Arbeit für Fernsehen und Rundfunk bisweilen begegnet bin:

Hannelore Elsner

Es war zu jenen guten alten Zeiten, als die ARD noch jede Menge Fernsehspiele produzierte, Bildschirmkost, die von Autoren wie Bertolt Brecht oder Friedrich Dürrenmatt stammte. So war es dem Hessischen Rundfunk gelungen, für das Theaterstück "Christoph Kolumbus oder Die Entdeckung Amerikas" von Kurt Tucholsky den berühmten Regisseur Helmut Käutner zu gewinnen.

Zu den Darstellern gehörte die damals 29 Jahre alte Hannelore Elsner, die das Indianermädchen Anacoana verkörperte. Das verabredete Interview fand zunächst einmal nicht statt. Käutner ließ alle Journalisten aus dem Studio werfen, weil die Indianerdame so unschuldig die Szene betreten sollte, wie Gott sie geschaffen hatte. Stunden später traf ich mich mit Frau Elsner im Casino. Elegant im Kostüm. Wir schrieben das Jahr 1969 und ahnten nicht, dass sie bald zu den gefragtesten Darstellerinnen gehören sollte, mit mehr als 200 Fernseh- und Kinorollen.

Schauspielerin Hannelore Elsner.
Schauspielerin Hannelore Elsner.
Foto: Shutterstock

Später bin ich ihr oft in Frankfurt begegnet, wo sie sieben Jahre lang lebte. Der Liebe wegen. Als sie mit 77 Jahren am 21. April starb, versammelte sich fast die gesamte Branche an ihrem Grab. Die Urne wurde in der kleinen bayrischen Stadt Burgenhausen der Erde übergeben, dort wo Hannelore Elsner 1941 geboren wurde. An das Indianermädchen Anacoana dachte in diesem Moment wohl keiner mehr.

Karel Gott

Karel war 20 Jahre alt, als ich ihn kennenlernte. Und 80, als er am 1. Oktober starb. Dazwischen lag sein gesamtes musikalisches Repertoire von der "Biene Maja" bis zu den Songs von Sinatra. Die Originalversionen konnte damals in der Tschechoslowakei niemand kaufen; es gab sie höchstens auf dem Schwarzmarkt. Über Jahrzehnte war Karl Gott der populärste Bürger seines Landes. In der berühmten Schenke "Zum Kelch" erstarrten die Kellner vor Ehrfurcht, wenn er ein Pils bestellte. Die Gäste ringsum applaudierten.

Der tschechische Schlagersänger Karel Gott ist kurz auf dem Malvazinky-Friedhof im Prager Stadtteil Smichov beigesetzt worden.
Der tschechische Schlagersänger Karel Gott ist kurz auf dem Malvazinky-Friedhof im Prager Stadtteil Smichov beigesetzt worden.
Foto: Jens Kalaene/zb/dpa

Der Sänger wohnte lange allein in einem Jugendstilhaus mit Blick auf die Stadt. Vor 15 Jahren heiratete er die um Jahrzehnte jüngere Ivana. Im Juni feierte der Mann mit der samtenen Stimme mit ihr und den Töchtern Charlotte (13) und Nelly (11) seinen letzten Geburtstag. Er war bereits an Leukämie erkrankt, das Sprechen fiel ihm schwer. Als er starb, trauerte ein ganzes Land. Im großen Saal des Sophienpalais hielten Soldaten am mit weißen Blumen bedeckten Sarg die Ehrenwache. Aus versteckten Lautsprechern erklangen leise seine Balladen. Hunderte seiner Landsleute waren bereits in der Nacht eingetroffen, um Abschied zu nehmen. Der Tag danach wurde zum Nationalen Trauertag erklärt, mit einem Gottesdienst im berühmten Veitsdom.

Costa Cordalis

Wo immer wir uns bei einem der vielen Griechen im Land trafen, stets packte er irgendwann seine Gitarre aus. Ungefragt. Auf dem Tisch lag Pita-Brot mit oder ohne Knoblauch, in einer Karaffe funkelte der Wein des Hauses. Costa Cordalis hatte einen deutschen Pass, eine deutsche Frau und deutsche Freunde. Auf Mallorca wollten sie immer "Anita" hören, ein Party-Hit. In den Restaurants auf der Insel aber sang er die Lieder seiner Heimat. Manchmal war ein Sirtaki dabei. Die Männer stellten sich im Kreis auf, um zu singen.

Sänger Costa Cordalis.
Sänger Costa Cordalis.
Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dp

In der Schlagerlandschaft wird man ihn vermissen, den Vorzeige-Griechen aus Elatia, der mit 16 Jahren in den Zug stieg um sich in Deutschland ausbilden zu lassen, Gesang und Klavier studierte und in 25 Sprachen übte. Er trat in unzähligen TV-Shows auf, ging mit Mireille Mathieu auf Tournee und lebte auf Mallorca, dem Touristen-Paradies. Dort ist er an einem Sommertag, am 2. Juli, auch gestorben, in seinem Haus in Santa Ponca und im Kreis der Familie. 

Wo immer ich Costa Cordalis bei einem der vielen Griechen im Land traf, stets packte er irgendwann seine Gitarre aus.

Er wurde 75 Jahre alt. Eine Beerdigung war nicht geplant. Die Urne des Vaters solle bei der Familie bleiben sagt Lucas, der Sohn, der heute auf den Spuren seines großen Vorbilds wandelt.

Jochen Pützenbacher

Bei Radio Luxemburg war er nur der Jochen und in der "Villa Kunterbunt", dem Stammsitz des Teams, wurde er schnell zum Chefsprecher. Jochen Pützenbacher stammte aus Solingen und war erst Friseurmeister, Maskenbildner und Berufsschullehrer, bevor er seine Radiokarriere begann. Seine erfolgreichsten Sendungen "Zwölf Uhr mittags" und "Ein Tag wie kein anderer" sind den Fans noch gut in Erinnerung. Seine größte Herausforderung aber war jährlich die Organisation und Moderation der Löwenverleihung vor 16.000 Menschen in der Dortmunder Westfalenhalle.

Moderator Jochen Pützenbacher.
Moderator Jochen Pützenbacher.
Foto: LW-Archiv

In den Sommermonaten gehörten die von ihm moderierten Sonntagssendungen von der Terrasse des Café de Paris auf dem Place d’Armes zu den Höhepunkten. Hörer von Nah und Fern reisten damals an, um Radio live zu erleben. Jochens Motto war immer: "Radio muss man mit dem Herzen machen". Im Jahr 1986 wurde er dafür mit dem "Chevalier de l’Ordre de Mérite du Grand Duché de Luxembourg" ausgezeichnet. Eine Ehrung die ihm gefiel. Liebte er doch das Land, das seine zweite Heimat wurde. Er lernte Luxemburgisch und war ein gern gesehener Mitbürger.

Mit dem Start des Fernsehprogramms "RTL Plus" 1984 aus einem winzigen Studio in Bartringen änderte sich die deutsche Fernsehlandschaft. Aus Radio-Machern wurden Fernsehnasen, aus Radiosprechern TV-Stars und aus der Garage in Bartringen das größte Medienunternehmen Europas: RTL. Jochen war immer dabei – ob vor dem Mikro und später vor der Kamera. Am 22. August ist er im Alter von 80 Jahren in Düsseldorf gestorben.

Karl Lagerfeld

Zu Lebzeiten bereits eine Legende, musste sich der Modezar Karl Lagerfeld keine Sorgen um seinen Nachruf machen. An einem Februarmorgen starb er im Alter von 85 Jahren in Paris. Und die Modewelt weinte. Erst später spekulierten die französischen Medien darüber, was der Grund für den Tod des Chanel-Modeschöpfers gewesen sein könnte. Als er im Januar davor nicht bei der Haute-Couture-Show von Chanel im Pariser Grand Palais erschien, wurde erstmals darüber spekuliert, dass der Modezar ernstlich krank sein könnte. Denn schon bei seinem letzten Auftritt machte er keinen gesunden Eindruck.

Designer Karl Lagerfeld.
Designer Karl Lagerfeld.
Foto: AFP

Lagerfeld war ein Genie, einer jener selten gewordenen gebildeten Weltbürger, die sich in der Literatur genauso auskennen wie in der Musik. Schönheit faszinierte ihn, ob von Männern wie von Frauen. Er war reich. Bereits 2016 wurden die Bruttoeinkünfte von Lagerfeld vom französischen Staat auf 40 Millionen Euro im Jahr taxiert und sein Vermögen auf 350 Millionen Euro geschätzt. Er besaß ein Stadtpalais in Paris sowie Wohnungen in Monte Carlo, Rom, New York und Vermont.


Große Trauer um Karl Lagerfeld
Der deutsche Stardesigner Karl Lagerfeld ist am Dienstagmorgen im Alter von 85 Jahren gestorben. Dies teilte das Modelabel Chanel am Mittag in seiner Geburtsstadt Hamburg mit. Eine Nachfolgerin steht bereits fest.

Für Journalisten war der exzentrisch-elegante Mann mit dem weißen Haarzopf ein schwieriger Gesprächspartner. Erst recht, wenn es um die sogenannten "letzten Dinge" ging. Der Tod war ihm verhasst, Beerdigungen fand er furchtbar. "Bei mir gibt es keine Beerdigung," sagte er Anfang des Jahres in einem Interview. "Eher sterbe ich!"


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