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Pop aus Nordkorea: Die Mädels von Kim Jong Un
Mal treten Moranbong in Uniform mit Militärabzeichen, mal im knappen Glitzerkleid auf.

Pop aus Nordkorea: Die Mädels von Kim Jong Un

Foto: Getty Images
Mal treten Moranbong in Uniform mit Militärabzeichen, mal im knappen Glitzerkleid auf.
Panorama 1 2 Min. 18.01.2018

Pop aus Nordkorea: Die Mädels von Kim Jong Un

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Nordkorea will sich an den Olympischen Winterspielen in Südkorea auch mit Kultur beteiligen. Vor allem auf einer Band liegt der Fokus: Kim Jong Uns handverlesener Girlgroup Moranbong.

von Felix Lee (Peking)

Nordkorea ist vom Rest der Welt zwar abgeschirmt, aber hinter dem Mond leben die Menschen in der isolierten Stalinisten-Diktatur nicht. So sieht es zumindest Machthaber Kim Jong Un. Als Antwort auf Südkoreas legendären K-Pop (Gangnam Style), hat er bereits 2012 die Mädchenband Moranbong gründen lassen.

Wenn sie in ihrer Heimat auftreten, müssen die Menschen jubeln. Im Zuge der jüngsten innerkoreanischen Annäherung wollen Nord- und Südkorea bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele am 9. Februar im südkoreanischen Pyeongchang nicht nur gemeinsam ins Olympiastadion einmarschieren. Nordkorea will, dass auch ihre Mädchenband in Pyeongchang auftritt.

Musik wird mitverhandelt

Nach dem jüngsten Arbeitstreffen zwischen Nord- und Südkorea im Grenzort Panmunjom ist der Bandname Moranbong in der gemeinsamen Erklärung zwar nicht aufgetaucht. Doch da Hyon Song Wol, die Leiterin der Gruppe, Teil der nordkoreanischen Verhandlungsdelegation ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein Auftritt der Girlband Teil der Verhandlungsmasse ist. Sie ist angeblich auch die Ex-Freundin Kims.

400 bis 500 Personen will Nordkorea zu den Spielen in drei Wochen ins verfeindete Südkorea schicken, darunter neben zahlreichen staatlichen Vertretern und Athleten auch Journalisten, Cheerleader und Fans zum Anfeuern der eigenen Mannschaft.

Der Bandname Moranbong heißt übersetzt „Pfingstrosenhügel“ und ist benannt nach einem Hügel im Moranbong-Park, einem Naherholungsgebiet in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang. Der Park ist angeblich Kims Lieblingsort.

Zwischen Pop und Militär

Die Band spielt eine Mischung aus traditioneller koreanischer Volksmusik, Synthie-Pop der 1980er-Jahre, Schlager- und Marschmusik. Für nordkoreanische Verhältnisse gilt ihr Stil als provozierend und aufreizend. Kim hingegen formuliert es so: Er wolle traditionelle Musik und internationalen Pop in einer modernen Form „ausgewogen“ zusammenführen. Die Zahl der Bandmitglieder schwankt und die zumeist jungen Musikerinnen sind schon häufig ausgetauscht worden.

Sie sind aber allesamt handverlesen von Machthaber Kim persönlich. Einige von ihnen hat er auf hohe Offiziersränge befördert. Auftritte gibt es vor allem bei Staatsjubiläen, aber auch wenn Nordkorea mal wieder erfolgreich eine Rakete ins All gefeuert hat. Das Publikum besteht zumeist aus Parteimitgliedern – also älteren Männern. Doch auch ausländische Diplomaten in Pjöngjang sollen schon dazu verdonnert worden sein, ihre Konzerte zu besuchen.

Kim hat die Girlband bereits auf Konzertreise ins Ausland geschickt. Als Moranbong im Dezember 2015 in Peking auftreten sollte, kam es jedoch wenige Stunden vor ihrem Auftritt zu einem bis heute nicht eindeutig geklärten Eklat. Chinesische Medien berichteten von „Kommunikationsproblemen“. Angeblich wollten die Sängerinnen in einem ihrer Lieder die USA verunglimpfen und die Helden des Korea-Kriegs preisen. Das empfand die chinesische Zensur als nicht förderlich für die US-chinesischen Beziehungen – woraufhin die Band abreiste.

Gegen einen Auftritt der Band an sich hat Südkoreas Regierung eigenen Bekundungen zufolge keine Einwände. Sollten die jungen Damen bei den Olympischen Winterspielen jedoch in Militäruniform auftreten wollen, könnte dies nach Ansicht der südkoreanischen Analystin Cheong Seong Chang vom Sejong Institut in Seoul schon zum Problem für die südkoreanischen Gastgeber werden. „Auch ein Bühnenbild, das Raketenabschüsse zeigt oder Kim ehrt, könnte eine Kontroverse verursachen.“


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