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Politik und nackte Haut
Panorama 3 Min. 06.08.2019

Politik und nackte Haut

Anfang August: Jennifer Lopez zu Besuch in Jerusalem. Am 8. August tritt sie in Ägypten auf.

Politik und nackte Haut

Anfang August: Jennifer Lopez zu Besuch in Jerusalem. Am 8. August tritt sie in Ägypten auf.
Foto: AFP
Panorama 3 Min. 06.08.2019

Politik und nackte Haut

Der arabische Raum ist für viele Popmusiker ein unbeschriebenes Blatt. Das hat viele Ursachen.

(dpa) - Dass eine Konzerttour durch den Nahen Osten schnell auch politische Dimensionen annehmen kann, erfuhr Jennifer Lopez nach ihrer Ankunft in Israel aus erster Hand. „Das Mutterland“, hatte sie bei Instagram geschrieben, „Ich bin verliebt!!“ Aus dem Nachbarland Ägypten, das sich mit Israel blutige Kriege über Jahrzehnte geliefert hat, kamen verärgerte Reaktionen. Eine Nutzerin schrieb: „Wenn es Dir dort so gut gefällt, dann bleib zum Teufel nochmal da.“

J-Lo erstmals in Ägypten

Die Tour zu ihrem 50. Geburtstag, den Lopez am 24. Juli feierte, wird die New Yorker Sängerin und Schauspielerin sich von solchen Sprüchen nicht verderben lassen. Am kommenden Freitag tritt sie zum ersten Mal in ihrer Karriere in Ägypten auf. Unter dem Motto „It's My Party“ zeigt ein Flyer sie auf einer überdimensionalen Geburtstagstorte, Tickets zum Spektakel in einem schicken Beach Club an der ägyptischen Nordküste gibt es ab umgerechnet 100 Euro. Ihr Israel-Debüt hatte Lopez vor einigen Tagen in Tel Aviv vor rund 57 000 Fans gegeben.


LAS VEGAS, NEVADA - JUNE 15:  Jennifer Lopez performs during a stop of her It's My Party tour at T-Mobile Arena on June 15, 2019 in Las Vegas, Nevada.  (Photo by Ethan Miller/Getty Images for ABA)
Die Party, das bin ich
Ein halbes Jahrhundert und noch lange nicht vom alten Eisen: Jennifer Lopez beweist, dass mit 50 im Showbusiness noch lange nicht Schluss ist.

Bekannte Popmusiker wagen sich zunehmend in den arabischen Raum, aber zum üblichen Stopp auf einer Tournee gehören die Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens bis heute nicht. In einigen sind Auftritte wegen Sicherheitsbedenken schlicht ausgeschlossen. In anderen besteht die Gefahr, dass ein politischer Konflikt (Israel) oder die dramatische Lage der Menschenrechte (Saudi-Arabien, Ägypten) zu Boykottaufrufen führen könnten. Teils fehlt es an Veranstaltungsorten, zudem muss sich eine teuer produzierte Show auch durch Ticketverkäufe rechnen.

Laut Daten der Website Setlist FM, die Musikerauftritte verfolgt, machen Künstler oft einen Bogen um die Region. Sängerin Beyoncé, die alleine in den USA mehr als 240 und in Deutschland über 20 Mal auf der Bühne stand, gab ihre einzigen Konzerte in der Region 2009, davon eines in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Janet Jackson kam bei rund 520 USA-Shows, knapp 30 in Deutschland und etwa 40 in Großbritannien auf zwei VAE-Konzerte und eines in Saudi-Arabien. Bei Justin Bieber, Ed Sheeran, Drake und Kanye West zeigt sich ein ähnlicher Trend. Im Jahresbericht des Verbands IFPI zur Musikbranche weltweit tauchte der Nahe Osten 2018 überhaupt nicht auf.

Warnung vor „Ausschweifungen“

Popmusik dreht sich um Liebe und Herzschmerz, mitunter aber auch um Sex und ausgelassene Feiern. Stars müssen sich deshalb auch fragen, ob sie sich in einem religiös-konservativ geprägten Land mit einer freizügigen Show womöglich mehr Feinde machen als dass sie Fans gewinnen. Islamistische Kritiker warnten 2009 vor Beyoncés Auftritt in Ägypten etwa vor einer „anmaßenden Sexparty“ und einem „Nacktkonzert“, das menschliche „Laster und Ausschweifungen“ fördere. Tausende versuchten, die Show mit einer Online-Petition zu stoppen. Beyoncé trat auf – wiedergekommen ist sie seitdem nicht.

Superstar Nicki Minaj zeigt auf der Bühne gerne, was unter ihren pompösen Outfits steckt. Einen Auftritt in Saudi-Arabien sagte die 36-Jährige wegen Bedenken zu Menschenrechtsverletzungen kürzlich ab. Als Ersatz für die Rapperin wurden Janet Jackson und 50 Cent engagiert.
Superstar Nicki Minaj zeigt auf der Bühne gerne, was unter ihren pompösen Outfits steckt. Einen Auftritt in Saudi-Arabien sagte die 36-Jährige wegen Bedenken zu Menschenrechtsverletzungen kürzlich ab. Als Ersatz für die Rapperin wurden Janet Jackson und 50 Cent engagiert.
Foto: Getty Images

Noch größerer war die Verwunderung, als Nicki Minaj im Programm für ein Kulturfestival in Saudi-Arabien auftauchte. Kaum eine Rapperin ist für schmutzigere Texte, anzüglichere Videos und knappere Outfits bekannt als die 36-Jährige aus Trinidad und Tobago. Zum Eklat kam es nicht, weil Minaj den Auftritt in Dschidda wegen Bedenken zu Menschenrechtsverletzungen kurzfristig absagte. In letzter Minute wurden Janet Jackson und 50 Cent als Ersatz angekündigt, woraufhin die Human Rights Foundation ihnen vorwarf, für einen „siebenstelligen Scheck“ ihre Moral über Bord zu werfen.

Das „Ende der Zivilgesellschaft“

In dem erzkonservativen Königreich seien bei diesen Shows Welten aufeinander geprallt, sagt Mohammed Hammad der Deutschen Presse-Agentur. Er arbeitet in Dschidda als Filmregisseur und war beim arabischen Ableger des Musiksenders MTV angestellt. „Einige Leute dachten, Konzerte sind das Ende der Zivilgesellschaft und wir werden alle zur Hölle fahren.“ Religiöse Gelehrte würden ein „Ende der Moral“ befürchten. Die Konzerte beim Kulturfestival seien aber gut besucht und die Stimmung blendend gewesen, sagt Hammad. „Für viele war es das erste Konzert ihres Lebens.“

Sängerinnen aus den USA und Europa hätten im Nahen Osten außerdem einen Bonus, sagt der aus Kuwait stammende Musiker Plus Aziz, der die Indie-Rockband Kuwaisiana anführt. „Wenn J-Lo, Janet Jackson oder die K-Pop-Typen etwas sexuell Anzügliches machen, ist das okay, weil sie nicht von hier stammen“, sagt Plus Aziz. „Sie können mit dem Arsch wackeln und machen, was sie wollen.“ 


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