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Podcast-Boom: Den Promi im Ohr
Panorama 4 Min. 01.08.2020

Podcast-Boom: Den Promi im Ohr

Verona Pooth plaudert neuerdings in einem Podcast mit ihrem Sohn über ihr Familienleben.

Podcast-Boom: Den Promi im Ohr

Verona Pooth plaudert neuerdings in einem Podcast mit ihrem Sohn über ihr Familienleben.
Foto: Gerald Matzka/dpa-Zentralbild/dp
Panorama 4 Min. 01.08.2020

Podcast-Boom: Den Promi im Ohr

In Corona-Zeiten sind Podcasts zum Massenphänomen geworden. TV-Stars von Thomas Gottschalk bis Barbara Schöneberger mischen munter mit - nicht immer besonders gehaltvoll.

Von Cornelia Wystrichowski

Die einen tun es beim Joggen, die anderen beim Bügeln oder Einkaufen: Podcast hören ist groß in Mode, und seit Beginn der Corona-Krise sind die Audiostücke aus dem Internet endgültig zum Medienphänomen für die Masse geworden. In Zeiten von Quarantäne und Ausgangsbeschränkungen haben viele Menschen Podcasts als Medium für Information und Zeitvertreib entdeckt. 

Die Hörserien der Experten Christian Drosten und Alexander Kekulé zur Pandemie etwa wurden viele Millionen Mal abgerufen. Inzwischen sind etliche TV-Promis auf den Podcast-Zug aufgesprungen – sogar Verona Pooth, die mit dem Werbespruch „Da werden Sie geholfen“ einst mit ihren limitierten technischen Fähigkeiten kokettierte, mischt munter mit. 

Von Gottschalk bis Zervakis 

Egal ob Thomas Gottschalk in „Podschalk“ mit Nicola Müntefering über alles Mögliche plaudert und zum Beispiel sein Rezept für den Cocktail „Appletini“ preisgibt, Quasselstrippe Barbara Schöneberger in „Mit den Waffeln einer Frau“ mit Kollegen wie Anke Engelke klönt und dabei Waffeln serviert, oder „Tagesschau“-Lady Linda Zervakis in „Gute Deutsche“ Prominente mit Migrationshintergrund interviewt: Die meisten Promi-Podcasts funktionieren nach dem Dialog-Prinzip. 

Der Podcast ist für die Stars das akustische Äquivalent zum Bildermedium Instagram in Sachen Selbstdarstellung.

Dabei bleiben die Stars generell ihrem Lieblingsthema treu: Kinofan Steven Gätjen redet in „Süß oder salzig“ mit TV-Kollegen wie Steffen Henssler über Filme. Charlotte Roche, die seit ihrem Roman „Feuchtgebiete“ als Expertin fürs Intime gilt, plaudert in „Paardiologie“ mit ihrem Mann über das gemeinsame Eheleben. In „Klassik drastisch“ stellen die Schauspieler Devid Striesow („Tatort“), der schon mit sechs Jahren Geige gelernt hat, und Klassikfan Axel Ranisch Werke von Mozart oder Schubert vor. Aus den beiden letztgenannten Podcasts sind inzwischen auch Bücher geworden. 

Das Streaming für die Ohren ist längst ein Teil der riesigen Verwertungsmaschine, mit der sich jeder halbwegs bekannte Name zu Geld machen lässt. Der Podcast ist für die Stars das akustische Äquivalent zum Bildermedium Instagram in Sachen Selbstdarstellung – wobei leider nicht alle viel Substanz haben. Verona Pooth etwa plaudert in „Poothcast“ mit ihrem Sohn San Diego und gibt sich in der Auftaktfolge naiv wie ehedem: „Wo ist die Kamera?“ 

In der ersten Corona-Welle im Frühjahr bastelten einige TV-Berühmtheiten aus Langeweile eigene Audioformate. „Tatort“-Star Axel Milberg etwa stellte seine Lieblingsbücher vor, und der an Covid-19 erkrankte Oliver Pocher machte mit Ehefrau Amira während der Quarantäne den Podcast „Die Pochers hier!“ – ein Chartstürmer. 

Alte Hasen sind dagegen Jan Böhmermann und Olli Schulz, deren weltweit populäre Audioserie „Fest und Flauschig“ schon 2016 startete. In ihrem kreativen Kielwasser schwimmen heute zum Beispiel Joko Winterscheidt („Alle Wege führen nach Ruhm“), Klaas Heufer-Umlauf („Baywatch Berlin“) oder Palina Rojinski („Podkinski“): launige bunte Tüten, deren Gemeinsamkeit nicht zuletzt die witzigen Titel sind. 


Das Radio der Zukunft - Podcasts für und nach Corona-Zeiten
Vor 15 Jahren wurden die ersten Podcasts produziert, noch heute sind sie eher ein Nischenmedium. Während der Corona-Krise haben die Shows allerdings einen ordentlichen Boom erlebt.

Doch ob es nun um Plauderstündchen von Promis geht oder ernsthafte Themen wie Politik (Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder: „Die Agenda“): Podcasts gibt es zu allen nur denkbaren Themen. In der gigantischen Fülle liegt aber auch ein Problem: Viele Hörer beklagen die Unübersichtlichkeit und haben Angst, den für sie besten Inhalt zu verpassen. Abhilfe können Podcasts über Podcasts schaffen, zum Beispiel bei Deutschlandfunk Kultur – oder man orientiert sich an den Charts von „Spotify“ oder „iTunes“. 

Kampf um Einnahmen 

Die beiden Internetdienste zählen zu den gängigsten Plattformen in einem boomenden Markt. Gegenwärtig entstehen immer neue Produktionsfirmen und Plattformen, die um Werbeeinnahmen und Nutzer kämpfen. 

Fündig werden Podcast-Fans auch in der ARD-Audiothek, die das Hör-Angebot sämtlicher Fernseh- und Radiostationen des Senderverbunds bündelt. Dort kann man zum Beispiel einen weiteren Promi-Podcast herunterladen: Bastian Pastewkas „Kein Mucks!“. Der Komiker stellt darin Kriminalhörspiele aus den 1950er- und 1960er-Jahren vor – einer Zeit also, in der Podcasts, Internet und Corona noch in weiter Ferne lagen. 

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