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Plagiat oder Inspiration
Panorama 2 Min. 16.07.2019

Plagiat oder Inspiration

 Nordmexikos frauentypische „Sarape-Umhänge“ werden gerne von Modelabels kopiert.

Plagiat oder Inspiration

Nordmexikos frauentypische „Sarape-Umhänge“ werden gerne von Modelabels kopiert.
Foto: Shutterstock
Panorama 2 Min. 16.07.2019

Plagiat oder Inspiration

Mexiko wirft mehreren internationalen Mode-Marken „kulturelle Aneignung“ vor. Die Regierung will Rechte der Ureinwohner schützen.

von Klaus Ehringfeld (Mexico City) 

Alejandra Frausto, Mexikos Kulturministerin, eine Vorkämpferin für die Rechte der Ureinwohner des Landes, wirft teuren Designerlabels „kulturelle Aneignung“ der Motive mexikanischer Indigenen vor. Im Juni wandte sie sich in einem Beschwerdebrief an den Chefdesigner des Modelabels Carolina Herrera, und Ende vergangener Woche ging ein ähnliches Schreiben an das französische Haus Louis Vuitton. Dieses, so der Vorwurf der Ministerin, habe sich für einen 14 000 Euro teuren Sessel aus der Kollektion „Dolls by Raw Edge“ bei Textilmustern aus dem zentralmexikanischen Bundesstaat Hidalgo bedient.


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Das Design mit Tier- und Pflanzenmotiven beinhalte Elemente der Stickereien, die in der Ortschaft Tenango de Doria gefertigt werden und zum geistigen Eigentum seiner Hersteller und der Gemeinde gehören, erläuterte Frausto dem Vertreter von Louis Vuitton in Mexiko. Wie die Produkte von Louis Vuitton zeichne sich auch Mexikos Kulturgut durch Originalität und Qualität aus. Frausto fragte das Label daher, ob sie für die „Herstellung des Stuhls die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und ihrer Künstler gesucht und diese auch einbezogen“ hätten und schlug Gespräche zwischen Vuitton, Gemeinde- und Regierungsvertretern vor.

Mitte Juni kritisierte die mexikanische Regierung das US-venezolanische Modelabel Carolina Herrera für die jüngste Kollektion „Resort 2020“, deren Kleider tatsächlich dramatisch dem klassischen „Sarape-Umhang“ ähneln, der aus der nordmexikanischen Stadt Saltillo stammt und den die bunten Blockstreifen auszeichnen.

Mexikos neuer linker Staatschef Andrés Manuel López Obrador ist der erste Präsident, der sich für die Interessen der Ureinwohner einsetzt und dessen Regierung das Thema des Schutzes geistigen Eigentums der indigenen Völker thematisiert. Dabei geht es um die Frage, ob sich die Modehäuser für ihre Kollektionen bei den Motiven lediglich inspiriert haben oder ob es sich schlicht um Plagiat handelt.

Die Unsichtbaren sichtbar machen

Jenseits der rechtlichen Frage hat der Konflikt vor allem eine moralische Dimension. Dementsprechend sieht Ministerin Frausto in der Auseinandersetzung mit den beiden Designerlabeln auch einen grundsätzlichen Aspekt. „Es geht hier um ein ethisches Prinzip, das uns dazu zwingt, ein unaufschiebbares Thema auf den Tisch zu bringen. Wir müssen die Unsichtbaren sichtbar machen.“

Denn schon seit mehr als zehn Jahren kopieren Luxuslabel oder Modeketten mexikanische Motive verschiedenster Ethnien. Betroffen waren Unternehmen wie Hermès, Isabel Marant, Zara und die argentinische Marke Rapsodia.

In den beiden aktuellen Fällen gab es unterschiedliche Reaktionen. Carolina Herrera streitet den mexikanischen Einfluss ihrer Kollektion nicht ab. Aber auf die Frage nach finanzieller Beteiligung der geistigen Urheber geht das Unternehmen in einer Reaktion auf den Brief der Kulturministerin nicht ein. Vuitton hingegen kündigte jetzt an, mit den Kunsthandwerkern aus der Stadt Tenango de Doria gemeinsam einen Stuhl für ihre neue Möbelserie entwickeln zu wollen.

Gesetzesinitiative angekündigt

Das geht der mexikanischen Regierung aber noch nicht weit genug. Ministerin Frausto kündigte eine Gesetzesinitiative an, durch die in Zukunft die indigenen Gemeinden als rechtmäßige Eigentümer ihrer Kultur- und Identitätsmerkmale geschützt werden sollen. So sollen die Urvölker vor der „kulturellen Aneignung“ ihrer Motive durch große Unternehmen zu kommerziellen Zwecken bewahrt werden. 


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