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Passivtrinken: Tausende Babys mit Behinderung geboren
Panorama 19.03.2019

Passivtrinken: Tausende Babys mit Behinderung geboren

Alkohol ist schädigend, für ungeborene Kinder genau so wie für ihre Mütter.

Passivtrinken: Tausende Babys mit Behinderung geboren

Alkohol ist schädigend, für ungeborene Kinder genau so wie für ihre Mütter.
Foto: Alexander Heinl/dpa
Panorama 19.03.2019

Passivtrinken: Tausende Babys mit Behinderung geboren

Auch Nicht-Trinker leiden in vielen Fällen unter den Folgen von Alkoholkonsum. Für ungeborene Kinder ist das Rauschmittel besonders gefährlich.

(dpa/SC) - Auch Nicht-Trinker leiden in vielen Fällen unter den Folgen von Alkoholkonsum: Im Straßenverkehr verursachen betrunkene Autofahrer tödliche Unfälle, bei Gewalttaten spielt oft Alkohol eine Rolle - und trinkende Mütter schädigen ihre ungeborenen Kinder.


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Die Wissenschaftler um Ludwig Kraus schätzten auf Grundlage von internationalen Übersichtsstudien, dass im Jahr 2014 in Deutschland 12.650 Babys mit einer Fetalen Alkoholspektrumstörung (FASD) zur Welt kamen, darunter knapp 3.000 mit einem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS) als volle Ausprägung der Störung.

Die Kinder sind teils kleinwüchsig und haben Fehlbildungen im Gesicht. Ihre motorischen Fähigkeiten sind eingeschränkt, sie zeigen Störungen im Verhalten, bei den Gedächtnisfunktionen, bei Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit. Alkoholkonsum stelle auch für unbeteiligte Dritte eine Gefahr dar, folgert Kraus. „Das ist analog zum Passivrauchen.“

Die Forscher hatten neben den internationalen Übersichtsstudien eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts in Berlin ausgewertet, die auf Befragungen von Müttern beruhte. Demnach wurden von 10.000 Kindern 177 mit FASD geboren. Das rechneten die Forscher auf die Zahl von 715.000 Geburten in Deutschland um.

Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Hamm trinkt etwa jede fünfte bis sechste Schwangere zumindest gelegentlich Alkohol während ihrer Schwangerschaft. Vor allem im ersten Trimester der Schwangerschaft können allerdings bereits kleinste Mengen an Alkohol das ungeborene Kind in seiner Entwicklung schädigen.

Die Zahl der Betroffenen ist schwer zu erfassen, da die Entwicklungsschädigungen oft erst später festgestellt werden. Da die Erkrankungen nicht meldepflichtig sind, gibt es keine genauen Statistiken.


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Der Alkoholkonsum von anderen schadet ebenfalls der breiteren Gesellschaft. Tausende Menschen werden Opfer von Straftaten und Unfällen, die unter Alkoholeinfluss passieren. 2015 starben in Deutschland 256 Menschen auf der Straße, weil Fahrer zu viel getrunken hatten. Von den Folgen sind auch Angehörige und Retter betroffen.


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