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Parfum-Dokumentation aus Luxemburg: Immer der Nase nach
Panorama 1 3 Min. 18.02.2016 Aus unserem online-Archiv

Parfum-Dokumentation aus Luxemburg: Immer der Nase nach

Panorama 1 3 Min. 18.02.2016 Aus unserem online-Archiv

Parfum-Dokumentation aus Luxemburg: Immer der Nase nach

Cyrille Gerhardt liebt Düfte. 2013 hat er das Unternehmen „Smell Marketing“ in Luxemburg gegründet und vertreibt seitdem weltweit Raumdüfte. Jetzt ist der Geschäftsmann unter die Filmemacher gegangen und zeigt in seiner ersten Dokumentation, welch wichtige Rolle das Konzept des Duftmarketings heutzutage spielt.

(miz) - Das Ambiente erinnert ein wenig an ein Apothekenlabor und auch an ein Museum: Überall stehen Glasflaschen, große und kleine, alte und neue Flakons. Bei einigen kann man den Namen auf dem Etikett kaum noch entziffern. Der Zuschauer findet sich in der renommierten Parfümeur-Schule Isipca in Versailles wieder. Hier befindet sich die sogenannte „Osmothèque“ – das größte Duftarchiv der Welt.

Die Sammlung zählt etwa 3 200 Parfums; verloren gegangene Duftkompositionen versucht man zu rekonstruieren, neue Mischungen zu analysieren und alle Informationen in Datenbanken für die Zukunft festzuhalten. Es ist die erste Etappe in Cyrille Gerhardts Dokumentation „Le film sur l'importance des odeurs, le marketing olfactif qui se répand“. Dabei ist der Wahlluxemburger gar kein Regisseur, sondern Duft-Profi.

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Aus Liebe zum Duft

Schon während der ersten Szenen des Films wird klar: Cyrille Gerhardt liebt Parfums, ihre Geschichte, ihre Vielfalt und ihre unterschätzte Macht. Die Protagonisten seines Films sind Parfümeure, Historiker, Professoren – von ihm sorgfältig ausgewählte Experten, die erklären, wie Gerüche Emotionen auslösen, Erinnerungen wecken und Menschen beeinflussen: „Während wir uns nur fünf Prozent von dem, was wir sehen, und 15 Prozent von dem, was wir hören, merken können, prägt sich unser Gedächtnis 35 Prozent der aufgenommenen Gerüche ein“, erklärt der Geschäftsmann. Trotzdem werde der Geruchssinn immer noch unterschätzt und Duftmarketing als Nische betrachtet.

Um den großen Einfluss von Gerüchen auf uns verständlich zu machen, hat sich Cyrille Gerhardt dazu entschieden, eine Dokumentation zum Thema Duftmarketing zu drehen. Als Connaisseur auf diesem Gebiet hatte er bereits mehrmals Anfragen von Marketingstudenten, ihre Abschlussarbeiten zu betreuen. Weil die Nachfrage zu groß wurde, hat er sich schließlich dazu entschieden, einen Film für die Studenten zu machen: „Anhand dieses Films versuche ich, die Geschichte und das Konzept des Duftmarketings zusammenzufassen, und mache die Studenten gleichzeitig mit Experten unseres Gebiets bekannt.“

Der Film soll eine Art Lehrstück sein, er ist aber gleichzeitig Gerhardts Herzensangelegenheit: „Jeder, der sich für das Thema interessiert, soll sich den Film anschauen. Deshalb habe ich ihn auf YouTube veröffentlicht. Hier ist er für wirklich jeden zugänglich.“

Cyrille Gerhardt liebt es sichtlich, über Parfums zu referieren.
Cyrille Gerhardt liebt es sichtlich, über Parfums zu referieren.
Foto:Gerry Huberty

Bloß nicht zu aufdringlich

Der gebürtige Franzose hat sich 2013 mit seiner Firma „Smell Marketing“ in Düdelingen niedergelassen. Der Geschäftsmann konzipiert Raumdüfte für Hotels, Boutiquen, Restaurants – zu seinen Kunden zählen unter anderem der private Club „House 17“ in Luxemburg-Stadt, das Cercle Cité oder auch die luxemburgische Botschaft in Paris. Rund 400 Katalogdüfte hat er in seinem Sortiment – ist die richtige Note nicht dabei, wird eine neue, eigens für den Kunden konzipierte Duftkomposition zusammengestellt.

Die Idee hinter der Marketingstrategie: Wenn der Kunde einen Raum betritt, soll er sich wohlfühlen; das Parfum soll die Atmosphäre eines Raumes aufgreifen und unterstreichen. Dabei ist es Cyrille Gerhardt wichtig, dass die Duftnote dezent bleibt: „Es gibt keinen Grund dafür, warum ein Ort nicht gut riechen soll. Der Geruch darf aber nicht zu aggressiv sein. Es soll ein angenehmes Flair entstehen, in der sich nicht nur die Kunden, sondern auch die Angestellten, die den ganzen Tag dort verbringen, wohlfühlen.“

Als Manipulation sieht er das Konzept des Duftmarketings aber nicht an: „Mir geht es darum, eine Stimmung zu erzeugen. Ein gut abgestimmtes Parfum kann einen Ort oder ein Produkt auf perfekte Art und Weise hervorheben. Wenn aber das Produkt schlecht ist, hilft auch der feinste Raumduft nichts.“ Das Filmprojekt hat dem Unternehmer viel Freude gemacht, aber es gibt noch viel über Düfte zu erzählen – deshalb steht die nächste Dokumentation von Cyrille Gerhardt auch schon in den Startlöchern.


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