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Papageien erobern deutsche Großstädte
Panorama 1 3 Min. 20.06.2022
Exotische Nachbarn

Papageien erobern deutsche Großstädte

Begrüßen Passanten stets lautstark: Halsbandsittiche an einem Baum am Hauptbahnhof von Heidelberg.
Exotische Nachbarn

Papageien erobern deutsche Großstädte

Begrüßen Passanten stets lautstark: Halsbandsittiche an einem Baum am Hauptbahnhof von Heidelberg.
Foto: Uwe Anspach/dpa
Panorama 1 3 Min. 20.06.2022
Exotische Nachbarn

Papageien erobern deutsche Großstädte

Für die einen sind sie süßes Federvieh, für die anderen Plagegeister: Papageien haben unter anderem in Köln und Heidelberg eine neue Heimat gefunden.

(dpa) - Sie sind bunte Tupfer in der urbanen Vogelwelt: Grüne und gelbe Papageien haben in vielen Großstädten Deutschlands Einzug gehalten. Auf 20.000 Exemplare schätzt der Biologe Michael Braun allein die Population der Halsbandsittiche mit ihrem leuchtend grünen Gefieder und dem schwarzen Kragen der Männchen. „Die Exoten haben eine freie ökologische Nische für sich gefunden“, erläutert Braun, der sich wissenschaftlich mit dem Alexandrinus manillensis beschäftigt hat. Insbesondere am Rhein haben die Vögel optimale Lebensbedingungen gefunden.

Unter anderem Bäume auf der noblen Kö in Düsseldorf haben sich die Vögel als Nachtlager auserkoren – sehr zum Unmut der Einzelhändler. An der Kölner Rheinpromenade sind sie eine Touristenattraktion. „Die Leute fühlen sich wie im Amazonaswald“, sagt Horst Bertram, Chef des Kölner Naturschutzbundes Nabu. In Heidelberg werden Reisende vor dem Hauptbahnhof am Abend vom Kreischen der etwa 1.000 Exemplare auf ihren Schlafbäumen an einer der größten Kreuzungen der Stadt begrüßt. Und in Stuttgart suchen Gelbkopfamazonen im innerstädtischen Rosensteinpark nach Nahrung. 

Kein rein deutsches Phänomen 

„In den Citys ist es noch mal wärmer als in der Umgebung“, sagt Braun, der die Heidelberger Gruppe untersucht hat. Das Phänomen sei nicht auf Deutschland begrenzt, auch in anderen mitteleuropäischen Ländern und in Südeuropa seien Papageien mittlerweile zu Hause. Der Halsbandsittich habe sich von seinem Ursprungsland Indien nach Südostasien und Südamerika ausgebreitet und sei nun weltweit die häufigste Papageienart, sagt Naturschützer Bertram. „Der Halsbandsittich ist quasi der neue Spatz.“

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Die Ursprünge der deutschen Populationen liegen Jahrzehnte zurück. „In den 60er- und 70er-Jahren gab es in Deutschland einen Papageien-Hype“, erzählt Bertram. Die Haltung der Tiere sei damals ein verbreitetes Hobby gewesen. 

Aus der Gefangenschaft geflüchtete Exemplare bildeten die Basis für die einzelnen Bestände. So war das auch in Stuttgart, wo die einzige deutsche Gruppe der Gelbkopfamazonen zu finden ist. Aus dem Zusammentreffen eines entflohenen Männchens mit einem zum Zwecke der Paarung angeschafften Weibchens gingen 1986 drei Jungvögel hervor. 

Der Nachwuchs verhalf einer Spezies zu neuem Schwung, die in ihrer mittelamerikanischen Heimat fast ausgestorben ist. Dort gibt es laut Bund für Umwelt und Naturschutz nur noch etwa 3.500 Exemplare – in Stuttgart leben mittlerweile 60 Tiere.

Aber wie können sich Papageien an Orten aufhalten, die Tausende Kilometer von ihrem natürlichen Lebensraum entfernt sind? Der kräftige, krumme Schnabel ist der Schlüssel zu ihrem Überleben, meint Experte Braun. Damit seien die Einwanderer nicht auf Körner angewiesen und könnten wie mit einer Zange auch Wal- und Haselnüsse knacken. Auf dem Speiseplan der Vegetarier stehen zudem Beeren und Früchte, von denen es dank exotischer Gewächse wie dem Trompetenbaum auch im Winter genug gibt.

Ortstreue Exoten 

Anders als die Nilgänse breiten sich die Papageien nicht stark aus. „Die bleiben einem Ort treu“, sagt Biologe Braun. Auch im Winter in wärmere Gefilde zu fliegen, kommt ihnen nicht in den Sinn. Tiefe Temperaturen können die Tropenvögel durchaus verkraften, wenn auch manchmal mit Erfrierungen an den Krallen. Papageien gehören nicht zu den invasiven Arten, die einheimische Tiere verdrängen. Konkurrenten sind sie lediglich mit Dohlen, Spechten und Hohltauben bei der Suche nach Bruthöhlen in alten Bäumen.

Ganz konfliktfrei ist aber auch das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier nicht. In Heidelberg nisteten Papageien 2003 in der Wärmedämmung eines Seniorenheimes. Brutkästen lösten das Problem. In Köln wollte man schon eine „Vergrämungsbeauftragte“ einsetzen, um die Tiere zu verscheuchen, nachdem Anwohner von Schlafbäumen sich über Lärm und Kot der insgesamt 3.000 Kölner Vögel beschwert hatten – das Problem löste sich schließlich von allein. Und im nahen Düsseldorf war einst sogar im Gespräch, die Sittiche mit Falken von der Flaniermeile zu vertreiben.

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