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Paarforschung: Dem Partnerlook auf der Spur
Panorama 4 Min. 14.02.2020

Paarforschung: Dem Partnerlook auf der Spur

Paare gleichen sich mit der Zeit immer weiter an – nicht nur psychisch, sondern auch physisch.

Paarforschung: Dem Partnerlook auf der Spur

Paare gleichen sich mit der Zeit immer weiter an – nicht nur psychisch, sondern auch physisch.
Foto: Shutterstock
Panorama 4 Min. 14.02.2020

Paarforschung: Dem Partnerlook auf der Spur

Christian SATORIUS
Christian SATORIUS
Gleich und gleich gesellt sich gern, heißt es im Volksmund. Und auch Forscher gehen längst der Frage nach, warum sich langjährige Lebensgefährten häufig ähneln.

Manche Paare ähneln sich nicht nur optisch so sehr, dass man sie glatt für Geschwister halten könnte. Einige von ihnen gleichen sich sogar bis aufs Haar oder besser gesagt bis auf die Mikrobe. Das hat zumindest der Mikrobiologe Remco Kort von der Freien Universität Amsterdam mit seinem Team herausgefunden. Paare, die sich mindestens neunmal am Tag intensiv küssen, übertragen den niederländischen Studien zufolge mit jedem einzelnen Kuss von zehn Sekunden Dauer nicht nur 80 Millionen Bakterien (was übrigens ganz normal und daher nicht weiter verwunderlich ist), sondern sorgen so auch zum Teil dafür, dass sich die Mundflora der beiden Partner angleicht.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass einige dieser Bakterien, die sich die Partner teilen, nur vorübergehend bleiben", resümiert Kort seine Studien. "Andere hingegen finden eine echte Nische auf der Zungenoberfläche, die es ihnen erlaubt, sich dauerhaft anzusiedeln."

Atmung und Herzschlag

Damit nicht genug: Nicht nur die Mundflora kann sich bei Paaren angleichen, sogar die Herzfrequenz und die Atmung können übereinstimmen. Die Psychologen Jonathan Helm und Emilio Ferrer von der Universität von Kalifornien in Davis, USA, setzten die jeweiligen Partner aus insgesamt 32 unterschiedlichen Beziehungen so an einen Tisch, dass sie sich exakt gegenübersaßen. Ihre Aufgabe bestand nun darin, den eigenen Partner so sehr zu imitieren, wie es nur geht – aber ohne dabei zu sprechen. Das erstaunliche Ergebnis: Einigen Versuchspersonen gelang es sogar die Atemfrequenz und den Herzschlag mit dem Partner zu synchronisieren. Allerdings schnitten Frauen dabei besser ab als Männer. "Ich denke, es könnte an einer größeren Empathiefähigkeit der Frauen liegen", meint Psychologe Helm.

Einigen Versuchspersonen gelang es, die Atemfrequenz und den Herzschlag mit dem Partner zu synchronisieren.
Einigen Versuchspersonen gelang es, die Atemfrequenz und den Herzschlag mit dem Partner zu synchronisieren.
Foto: Pixabay

Nun sind Herzschlag und Mikroben ja gewissermaßen innere Werte, aber wie sieht es mit reinen Äußerlichkeiten aus? Kann es sein, dass sich zwei Lebenspartner mit der Zeit auch optisch immer mehr angleichen? Eine gewisse physische Ähnlichkeit ist bei einigen langjährigen Paaren ja schließlich nicht von der Hand zu weisen.

Der US-Sozialpsychologe Robert Zajonc ging dieser Frage schon vor mehr als 30 Jahren an der Universität von Michigan nach. Er legte seinen 110 Versuchsteilnehmern Fotos von Menschen vor, die miteinander verheiratet waren. Die Bilder zeigten jeden Ehepartner einzeln, und zwar einmal zum Zeitpunkt der Hochzeit und dann noch einmal nach 25 Jahren Ehe. Die Versuchspersonen sollten nun die jeweiligen Ehepartner herausfinden und einander zuordnen – und zwar ausschließlich aufgrund der physischen Ähnlichkeit.

Viele Paare ähneln sich auch optisch.
Viele Paare ähneln sich auch optisch.
Foto: Pexels

Das spannende Ergebnis: Die optischen Gemeinsamkeiten der Ehepartner hatten nach 25 Jahren sichtbar zugenommen. Zajonc erklärte sich die Ergebnisse seiner Studie damit, dass das Zusammenleben und die gleiche Lebensweise über einen langen Zeitraum hinweg Spuren im Gesicht der Menschen hinterlassen und sie im wahrsten Sinne des Wortes von der Ehe gezeichnet wären.

Schon von Beginn an ähnlich

Da die Partner viele Jahre lang über dieselben Dinge lachten, weinten oder sich ärgerten, beanspruchten sie die gleichen Gesichtsmuskeln in ähnlicher Häufigkeit sowie Art und Weise, was auf Dauer dazu führen würde, dass sich ihre Gesichtszüge angleichten.

Seit Zajonc seine Studie Ende der 1980er-Jahre veröffentlichte, sind mehr als 30 Jahre vergangen und seitdem hat eine ganze Reihe von anderen Wissenschaftlern eigene Nachforschungen angestellt. Viele von ihnen stimmen mit Zajonc dahingehend überein, dass sich langjährige Partner in der Tat häufig ähneln. In Bezug auf die Persönlichkeitsmerkmale stellt sich den Wissenschaftlern allerdings die Frage: Werden sich die Lebenspartner wirklich im Laufe der Zeit immer ähnlicher oder waren sie sich auch schon ähnlich, als sie sich zum ersten Mal getroffen und zusammengefunden haben?

Einigkeit in wichtigen Punkten

Viele Forscher wie Mikhila Humbad von der Michigan-State-Universität und sein Team, die die Daten von 1.296 Ehepaaren auswerteten, haben keinen Zusammenhang zwischen der Länge der Partnerschaft und der Ähnlichkeit der Charaktere finden können. Den Forschern zufolge waren Partnerschaften immer dann längere Zeit stabil, wenn sich beide Partner in wirklich wichtigen Punkten von vornherein ähnelten, etwa wenn sie die gleichen Werte teilten, ähnliche Interessen hatten, aber auch das Bildungsniveau stimmte.


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Wenn es um den perfekten Partnerlook geht, kommt es also wohl auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale an, haben verschiedene Studien gezeigt. Beatrice Rammstedt vom Gesis-Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Mannheim kommt in ihrer Untersuchung, in der sie und ihr Team 7.000 Paare näher erforscht haben, zu dem Fazit: "Je übereinstimmender die Paare in dem Persönlichkeitsmerkmal der Offenheit waren, umso stabiler war ihre Partnerschaft." Die "Offenheit" ist in der Psychologie als Charaktermerkmal durch Aufgeschlossenheit, Aufmerksamkeit, Neugier, Kreativität und Fantasie gekennzeichnet. Gleich und Gleich gesellt sich also offenbar gern, das sagt auch schon der Volksmund.


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