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„Ozzies“ mit Herz und Haus: Australier adoptieren Backpacker in Not
Panorama 3 Min. 20.01.2021

„Ozzies“ mit Herz und Haus: Australier adoptieren Backpacker in Not

Miguel Fuentes (v.l.n.r.) von den Philippinen und die Holländerin Nikki de Weerd stehen neben ihren "adoptierten Backpackern" Alice und Claire. Um Backpackern aus aller Welt zu helfen, die Corona-Krise möglichst kostensparend zu überstehen, gründeten Miguel und Nikki Ende März 2020 die Plattform "Adopt A Backpacker".

„Ozzies“ mit Herz und Haus: Australier adoptieren Backpacker in Not

Miguel Fuentes (v.l.n.r.) von den Philippinen und die Holländerin Nikki de Weerd stehen neben ihren "adoptierten Backpackern" Alice und Claire. Um Backpackern aus aller Welt zu helfen, die Corona-Krise möglichst kostensparend zu überstehen, gründeten Miguel und Nikki Ende März 2020 die Plattform "Adopt A Backpacker".
Foto: privat/Nikki de Weerd/Miguel Fue
Panorama 3 Min. 20.01.2021

„Ozzies“ mit Herz und Haus: Australier adoptieren Backpacker in Not

Corona hat die Pläne vieler Rucksacktouristen in Australien auf den Kopf gestellt. Damit sie in unsicheren Zeiten gut unterkommen, gründete ein Paar die Plattform „Adopt a Backpacker“.

(dpa) - Nach einigen Monaten auf Reisen quer durch Australien wollte Nicole Pern aus Unna bei Dortmund sich an der Westküste eigentlich Arbeit suchen. Die 20-Jährige war mit einem Working-Holiday-Visum in „Down Under“ - aber dann kam Corona, und mit dem Virus der Lockdown.

„Das hat mich komplett aus dem Nichts getroffen“, sagt Pern. Eine Weile zog sie mit ihrem Freund noch von Campingplatz zu Campingplatz, bis auch die schließen müssen. Dann entdeckte sie auf Facebook zufällig eine Seite namens „Adopt a Backpacker“ (Adoptiere einen Rucksacktouristen) - und kam die nächsten zwei Monate mietfrei bei einem Australier nahe Mandurah unter. „Das war eine so wundervolle Zeit“, schwärmt Nicole.

Nicole Pern war schon eine Weile in Australien, als plötzlich Corona zuschlug und ihre Pläne durcheinanderwirbelte.
Nicole Pern war schon eine Weile in Australien, als plötzlich Corona zuschlug und ihre Pläne durcheinanderwirbelte.
Foto: privat/Nicole Pern/dpa

Wie ihr ging es vielen jungen Menschen, die mit einem Ferien-Arbeits-Visum einen längeren Aufenthalt in Australien geplant hatten. Plötzlich standen sie ohne Geld und Gelegenheitsjobs da. Als eine gute Freundin wegen dieser Situation unvermittelt aus Australien abreisen musste „und all ihre Träume direkt vor unseren Augen zerplatzten“, kam der Holländerin Nikki de Weerd (25) und dem Philippiner Miguel Fuentes (35) eine Idee.

Miguel Fuentes von den Philippinen und die Holländerin Nikki de Weerd helfen mit ihrer Idee Backpackern aus aller Welt
Miguel Fuentes von den Philippinen und die Holländerin Nikki de Weerd helfen mit ihrer Idee Backpackern aus aller Welt
Foto: privat/Nikki de Weerd/Miguel Fue

Um Backpackern aus aller Welt zu helfen, die Krise möglichst kostensparend und sicher zu überstehen, gründeten sie Ende März 2020 die erste „Adopt A Backpacker“-Facebookseite. Nach dem Start in Westaustralien verbreitete sich die Initiative wie ein Lauffeuer: Schon nach einer Woche gab es in jedem australischen Bundesstaat eine eigene Gruppe, wenige Monate später auch in Neuseeland und Kanada, mittlerweile sogar in Frankreich und Großbritannien. „Unser Netzwerk hat mittlerweile 35.000 Mitglieder weltweit“, erzählt Nikki.

Wir schätzen, dass wir seither 10.000 bis 15.000 Menschen helfen konnten.

Miguel Fuentes, Mitgründer

Gestrandete Backpacker und Menschen mit genügend Wohnraum können hier direkt in Kontakt treten - und das tun sie. „Wir schätzen, dass wir seither 10.000 bis 15.000 Menschen helfen konnten“, sagt Miguel. Was „Adopt a Backpacker“ von anderen Plattformen und Couchsurfern unterscheidet: Rucksacktouristen werden ermutigt, als Gegenleistung für die kostenfreie Unterkunft den Gastgebern zu helfen - etwa im Haushalt, bei der Gartenarbeit oder beim Babysitten.

Einblick in die Kultur

Das australische Ehepaar Beth und Denis etwa hat gleich fünf Reisende aufgenommen und zeigt sich auf Instagram begeistert von seinen „großartigen Adoptivkindern“ Arthur, Leah, Harvey, Cameron und Jannik: „Was für enthusiastische und respektvolle junge Leute, die unser unordentliches Anwesen in einen wunderschönen Garten verwandelt haben.“ Ein Pärchen aus Italien dankt seinem Gastgeber Andy, der „ein Vater, ein Bruder und ein Freund“ geworden sei und den beiden die Tierwelt, tolle Strände und traumhafte Berge gezeigt habe. „Besser hätten wir es in dieser wirklich schwierigen Situation so weit weg von zu Hause nicht treffen können.“


HANDOUT - 29.09.2020, Australien, Magnetic Island: Die 13-jährige Izzy Bee hält einen ihrer geliebten Koalas im Arm. Sie ist eine Koala-Flüsterin und verbringt den Großteil des Tages mit den putzigen Beuteltieren, die in der Tierklinik ihrer Eltern aufgepäppelt werden. Das macht sie so gut und mit solchem Charme, dass Netflix dem Mädchen aus Magnetic Island vor der Ostküste Australiens eine eigene Serie gewidmet hat. Auch in Deutschland ist die erste Staffel von «Izzy und die Koalas» am Start. (zu dpa Koala-Kuscheln mit Izzy - 13-jährige Tierschützerin wird Netflix-Star) Foto: -/Netflix/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über die Netflix-Serie über Koala-Flüsterin Izzy Bee und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Koala-Kuscheln mit Izzy: Tierschützerin wird Netflix-Star
Koalas sind extrem drollig, aber auch extrem verletzlich. Bei Izzy Bee und ihren Eltern bekommen sie Hilfe. Jetzt gewährt das Mädchen aus Australien auch bei Netflix Einblick in ihre tierisch niedliche Welt.

Zurück bekommen die meisten Backpacker von ihren Gastgebern einen Einblick in die Kultur des Landes und die Erfahrung, am echten Leben der „Ozzies“ teilzuhaben. Der Austausch stärke die Arbeitsmoral der Backpacker und vermittele ihnen die richtigen Werte für ihre künftigen Reisen, sagen Nikki und Miguel. Die beiden haben selbst auch bereits zwei Mal junge Reisende in Not „adoptiert“. Ziel ihrer Plattform sei es letztlich, „das Reisen so unterhaltsam, sicher und erschwinglich wie möglich zu gestalten“.

Derzeit arbeitet das Paar zusammen mit einem Team an einer nutzerfreundlichen Webseite, die Backpackern rund um die Erde auch nach Corona bei ihren Reisen und Abenteuern helfen soll, gut unterzukommen. Das könne letztlich die ganze Art ändern, wie junge Rucksacktouristen um die Welt ziehen, sind Nikki und Miguel überzeugt: „So bekommen sie eine Chance, von einer netten Familie in sicherer Umgebung “adoptiert„ zu werden. Aber es gibt ihnen auch Möglichkeit, sich stärker in die lokale Kultur zu integrieren und dabei Geld für die Unterbringung zu sparen.“


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