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Norbert Rier von den Kastelruther Spatzen im Gespräch: „Es wird einem nichts geschenkt“
Panorama 3 Min. 28.01.2017

Norbert Rier von den Kastelruther Spatzen im Gespräch: „Es wird einem nichts geschenkt“

 Norbert Rier (hinten) ist seit 1979 Teil der Kastelruther Spatzen.

Norbert Rier von den Kastelruther Spatzen im Gespräch: „Es wird einem nichts geschenkt“

Norbert Rier (hinten) ist seit 1979 Teil der Kastelruther Spatzen.
Foto: Christian Brecheis/Electrola
Panorama 3 Min. 28.01.2017

Norbert Rier von den Kastelruther Spatzen im Gespräch: „Es wird einem nichts geschenkt“

Kevin WAMMER
Kevin WAMMER
Erfolgreichste deutschsprachige Volksmusikgruppe aller Zeiten – diesen Titel haben sich die Kastelruther Spatzen hart erarbeitet. Sänger Norbert Rier im Interview.

Von Michael Juchmes

Erfolgreichste deutschsprachige Volksmusikgruppe aller Zeiten – diesen Titel haben sich die Kastelruther Spatzen hart erarbeitet. Die siebenköpfige Gruppe um Sänger Norbert Rier hat in mehr als drei Jahrzehnten nicht nur quasi jährlich ein Album veröffentlicht, sondern auch unzählige Auftritte vor ihren treuen Fans absolviert. Auch 2017 sind die Südtiroler wieder unterwegs. Ein Tourstopp ist am 4. Februar in der Trierer Arena geplant.

Norbert Rier, wie zeitgemäß ist Volksmusik eigentlich noch?

Volksmusik ist immer noch angesagt. Aber es ist eine schwere Zeit für alle Künstler, da viele bekannte Fernsehsendungen abgeschafft wurden, in denen wir auftreten konnten.

Die Kastelruther Spatzen sind ihrem Stil in den vergangenen Jahrzehnten treu geblieben. Versuchen Sie trotzdem, auf die veränderten Geschmäcker einzugehen?

Ja, schließlich darf man nicht stehen bleiben. Man muss aber trotzdem seiner Linie immer treu bleiben und hinter dem stehen, was man macht. Einfach mit dem ganzen Herzen dabei sein.

Die neue Generation von Volksmusikern schlägt eher einen rockigen Weg ein. Käme das auch für die Kastelruther Spatzen in Frage?

Nein, eher nicht. Wir sind mittlerweile in einem Alter, in dem das nicht mehr glaubwürdig rüberkommen würde. Wir legen eher Wert auf die Themen unserer Lieder, auf die Texte und auf schöne Melodien. Es soll Musik sein, in der sich der eine oder andere wiederfinden kann.

Ein wenig über den Tellerrand schauen sie aber schon hinaus: Im Herbst gehen Sie mit dem französischen Pianisten Richard Clayderman auf Tour.

Wir sind äußerst gespannt, wie diese Kollaboration funktionieren und bei den Zuschauern ankommen wird. Ich bin schon seit langer Zeit ein Fan von Richard Clayderman. Er macht sehr gefühlvolle Musik und ist seiner Linie immer treu geblieben. Lassen wir uns einfach überraschen.

Sie haben bisher 37 Alben veröffentlicht. Wie schwer fällt es da, sich immer wieder neue Melodien und Texte einfallen zu lassen?

Zum Glück arbeiten wir mit talentierten Komponisten zusammen, die uns ständig Arrangements vorschlagen. Es bleibt aber natürlich eine Herausforderung, die richtigen Lieder auszusuchen und ein gutes Programm für eine neue Produktion zusammenzustellen. Schließlich sollen unterschiedliche Themen und Melodien vorhanden sein, damit das Album nicht zu eintönig wird.

Sie stehen seit mehr als drei Jahrzehnten regelmäßig auf der Bühne. Gab es nie Beschwerden von Ihrer Frau oder den Kindern, dass Sie zu häufig unterwegs sind?

Das hielt sich glücklicherweise immer in Grenzen. Wie heißt es so schön: Es wird einem nichts geschenkt und es ist auch alles nicht Gold, was glänzt – daher muss man Opfer bringen. Wir mussten alle hart am Erfolg arbeiten.

Sie sind nicht nur Musiker, sondern auch Pferdezüchter. Warum diese Doppelbelastung?

Ich konnte zwei meiner Hobbys zum Beruf machen: die Musik und die Landwirtschaft. Als Kind war es für mich immer klar, dass ich einmal Bauer werde und den Hof übernehme. Inzwischen habe ich mich auf die Haflingerzucht spezialisiert. Ich bearbeite den Hof auch noch selbst. Das ist zwar viel Arbeit, aber der Stress ist positiv, das mache ich gerne. Das mit der Musik hat sich einfach so ergeben. Niemand von uns dachte, dass der Erfolg so lange anhalten würde. Wir hatten einfach Glück, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun.

Der erste Song Ihres aktuellen Albums trägt den Titel „Heimat“. Wie wichtig ist den Kastelruther Spatzen ihre Heimat Südtirol?

Heimat ist nach wie vor etwas ganz Wichtiges für uns, die Verbundenheit, das Traditionelle, die Bodenständigkeit. Das zeichnet uns auch in einer gewissen Weise aus und ist Teil unseres Erfolges. Wir sind auch unserer Tracht treu geblieben, das ist auch ein Zeichen für Heimatverbundenheit. Wenn man wie wir so häufig unterwegs ist, zieht es einen immer wieder nach Hause zurück. Heimat ist einfach da, wo man sich am Wohlsten fühlt, wo man geboren und aufgewachsen ist. Jeder sollte dieses Gefühl kennen. 


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