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No Angels: „In uns brennt ein Feuer“
Panorama 3 6 Min. 03.06.2021

No Angels: „In uns brennt ein Feuer“

Lucy, Nadja, Sandy und Jessica (v.l.n.r.) vor wenigen Tagen beim Finale der 14. Staffel der RTL-Show „Let's Dance“.

No Angels: „In uns brennt ein Feuer“

Lucy, Nadja, Sandy und Jessica (v.l.n.r.) vor wenigen Tagen beim Finale der 14. Staffel der RTL-Show „Let's Dance“.
Foto: Andreas Renz/Getty/POOL/dpa
Panorama 3 6 Min. 03.06.2021

No Angels: „In uns brennt ein Feuer“

Die No Angels sind zurück! Wir sprachen mit den Bandmitgliedern Sandy Mölling und Nadja Benaissa über vergangene Zeiten und ihr Comeback.

Interview: Olaf Neumann

Sie sind das Produkt der ersten Staffel der legendären Castingshow „Popstars“ und sorgten vor 20 Jahren für frischen Wind in den Charts: die No Angels. Die erfolgreichste Girlband aller Zeiten im deutschsprachigen Raum verkaufte Millionen Tonträger und begeisterte die Fans über viele Jahre. Lediglich das schlechte Abschneiden beim „Eurovision Song Contest“ im Jahr 2008 war ein herber Rückschlag für die Gruppe, die bereits mehrfach ihre Auflösung verkündete. Nun, nach langjähriger Pause, melden sich die vier verbliebenen Engel mit dem Jubiläumsalbum „20“ zurück. Das „Luxemburger Wort“ sprach mit den Sängerinnen Sandy Mölling (40) und Nadja Benaissa (39).

Sandy Mölling und Nadja Benaissa, angeblich hat der Tod von Lucys Mutter die No Angels wieder zusammengeführt. Ist das wahr?

Nadja: Es war auf jeden Fall ein Auslöser, dass wir vier wieder miteinander in Kontakt gekommen sind. Allerdings waren wir das teilweise auch schon vorher. Ich denke aber, dass es für Lucy persönlich eine große Rolle für dieses Comeback gespielt hat. Sie ist gerade sehr glücklich, dass an die Stelle des weggebrochenen Stücks Familie ein anderes getreten ist.

Wie war Ihr erstes Treffen nach der Bandpause?

Sandy: Alle zusammen haben sich fast zehn Jahre nicht gesehen. Beim ersten Treffen waren wir natürlich sehr aufgeregt. Man weiß ja nicht, wie es nach so langer Zeit auf einem Haufen sein wird. Hat man sofort wieder dieses vertraute Gefühl? Und das war Gott sei Dank auch der Fall. Nach fünf Minuten schien alles wieder beim Alten zu sein.

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War es ein Online-Meeting?

Nadja: Online haben wir uns auch schon vor unserem ersten persönlichen Wiedersehen getroffen. Das erste Treffen war tatsächlich im Fernsehen bei Frauke Ludowig. Sehr aufregend!

Ein gängiges Klischee lautet, Freundschaft hält eine Band zusammen. Wie eng waren Sie wirklich hinter den Kulissen?

Sandy: (lacht) Wir waren wirklich sehr eng! Wir sind alle sehr offene Menschen. Das ist eine Gottesgabe. Wir interessieren uns für andere. Das ist dringend notwendig, wenn man in einer Band ist. Wir waren anfangs wie ein Hühnerhaufen und sind heute wie eine Familie. Bei uns gab es auch Meinungsverschiedenheiten, aber das macht eine Band aus. Dadurch, dass wir so viel und so nah zusammen waren, haben wir uns sehr gut kennengelernt. Wir sind definitiv die besten Freundinnen, die man haben kann.


ARMY OF THE DEAD (L to R) OMARI HARDWICK as VANDEROHE and MATTHIAS SCHWEIGHÖFER as DIETER in ARMY OF THE DEAD. Cr. CLAY ENOS/NETFLIX © 2021
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Vanessa Petruo, die die Band 2003 verließ und auch nicht beim Comeback dabei ist, doziert und forscht heute an einer Universität in Los Angeles. Haben Sie auch mit ihr gesprochen?

Nadja: Vanessa hat in den letzten Jahren eine Wahnsinnskarriere hingelegt. Sie ist ja schon ziemlich früh aus der Band ausgestiegen und wollte auch schon bei unserer ersten Reunion nicht mehr dabei sein. Wir haben mit ihr mal mehr, mal weniger Kontakt. Wir vermissen sie, ihr Charisma und ihre Klangfarbe manchmal, aber wir respektieren, dass sie sich für einen anderen Weg entschieden hat. Es scheint ihr dabei sehr gutzugehen.

Zum 20-jährigen Bandjubiläum veröffentlichen Sie das Comebackalbum „20“ mit neuen Versionen Ihrer Songs ...

Sandy: Die Songs sind inzwischen bis zu 20 Jahre alt. Sie klingen aus heutiger Sicht natürlich anders, wir sind ja erwachsener, reifer und lebenserfahrener geworden. Ich fand es spannend, sie noch einmal in einem neuen Gewandt kennenzulernen. Sie lösen heute ganz andere Dinge in einem aus. Man kann hören, was da an Erfahrungen und Emotionen drinsteckt. Uns war wichtig, dass wir uns auch an ein paar neuen Songs ausprobieren.

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Diese Produktion war für mich die abenteuerlichste meines Lebens!“, sagt Ihr Produzent und Manager Christian Geller. Können Sie das unterschreiben?

Sandy: Ja! Es war halt ein bisschen anders aufgestellt. Eine von uns sitzt heute in Amerika, eine in Bulgarien und zwei in Deutschland. Und das noch in Zeiten der Pandemie, wo es eh nicht möglich gewesen wäre, gemeinsam ins Studio zu gehen. Es war schon eine andere Erfahrung. Aber wir haben uns durch die Songs und gemeinsamen Erinnerungen verbunden gefühlt. Ich habe bei den Balladen auch immer das Licht ausgeschaltet. Dann sind mir die Tränen gekommen und ich habe gelacht. Total verrückt! Dass es auch für Christian abenteuerlich war, kann ich verstehen, denn er musste schließlich die ganzen Gesangsspuren in kurzer Zeit zusammenbauen.

Welches musikalische Lebensgefühl hat Ihre Musik damals transportiert?

Nadja: Ich würde uns in den europäischen Pop einordnen. Wir haben unseren Erfolg damals hauptsächlich im deutschsprachigen Raum wahrgenommen, tatsächlich waren die No Angels aber auch in Brasilien sehr bekannt, wo wir auf der Eins waren. Wir waren einmal in England auf Tournee und haben in Deutschland im Vorprogramm von Westlife gespielt. Aber eigentlich hatten wir gar keine Zeit, in andere Länder zu gehen.

Sie setzten sich 2000 bei den Castings für die RTL2-Show „Popstars“ gegen rund 5.000 andere Teilnehmerinnen durch. Wie haben Sie als blutjunge Amateure die Jury überzeugt?

Nadja: Na ja, mit unserem Talent, unserer Ausstrahlung, unseren Charakteren halt. Die waren in der Show eine wichtige Facette. Wir waren zwar jung, aber keine richtigen Amateure. Jede von uns hatte damals schon Erfahrung mit Musik gesammelt, sei es als Musicaldarstellerin oder Bandmitglied. Wir kannten alle bereits die Bühne, aber das, was da passiert ist, hatten wir noch nicht erlebt. Solch ein Glück haben nicht viele Menschen.

Heute gelten die No Angels als Trendsetter. Im ersten Jahr Ihres Bestehens wurden Sie jedoch als Retortenband bezeichnet, Ihnen wurde mangelndes Talent vorgeworfen und es wurde Ihnen unterstellt, Ihr Erfolg liegt am medialen Hype und nicht an der Qualität Ihrer Musik und Ihrer musikalischen Begabung. Wie sind Sie damit umgegangen?

Sandy: Am Anfang haben wir immer wieder bewiesen, dass wir doch live singen können. Im ersten Jahr ging es extrem darum, einfach zu zeigen, dass wir das verdient haben und dass da Substanz vorhanden ist. Erst nach und nach wurde es besser. Aber es war ein ziemlicher Weg.

Nadja: Für viele Menschen war es skandalös, weil sie durch uns das erste Mal vor Augen geführt bekamen, dass es solche Castings gibt. Aber in Wahrheit sind viele Bands, die man toll und cool findet, auch in dieser Art gecastet worden. Nicht alle Musiker sitzen ja seit ihrer Kindheit zusammen im Proberaum, sondern haben über irgendwelche Ausschreibungen oder Castings zusammengefunden. Bei „Popstars“ wurde sowas das erste Mal deutlich im deutschen Fernsehen gezeigt. In der Kunst ist es gang und gäbe, dass man sich die Besten ausguckt. Heutzutage wird das auch als normal wahrgenommen.

Wie würde Ihre Bühnenshow aussehen, wenn Sie jetzt vor Publikum auftreten dürften?

Nadja: Wenn es dann mal wirklich erlaubt sein sollte und überhaupt möglich wäre, dann haben wir ein tolles Team, das mit uns eine Show erarbeiten wird. Ideen gibt es viele. Wir wollen niemandem etwas beweisen, aber in uns brennt schon ein Feuer. Wenn wir etwas machen, möchten wir mindestens 100 Prozent geben.

Sandy: Wie es „Dee“ (Choreograf Detlef D! Soost, Anm. d. Red.) damals gesagt hat: Es wird knallen!

Wie man hört, arbeiten Sie mit Helene Fischers Choreografen zusammen. Und Sie, Sandy, bringen dann einen Schuss amerikanisches Entertainment mit in die Show hinein?

Sandy: Na ja, ich bin ja doch ein deutsches Mädchen. Natürlich bin ich hier an der Quelle und mittendrin, aber eigentlich sind wir alle auf dem gleichen Stand. Es ist heute sehr einfach, überall und nirgendwo zu sein. Zu wissen, was Trend ist und gut ankommt. Ich glaube, ich habe durch Los Angeles keinen Vorteil. Einen Nachteil habe ich definitiv, weil ich langsam aber sicher nach deutschen Worten fische.

Noch eine letzte Frage: Drei von Ihnen sind inzwischen Mutter. Leben Sie heute ein eher bürgerliches Leben?

Sandy: Ich war schon immer relativ bürgerlich und bescheiden. Ich kann nicht sagen, dass ich richtig wilde Jahre hinter mir habe. Aber tolle und spannende waren es auf jeden Fall. 

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