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"Niemand wollte sich eingestehen, dass Karl krank war"
Panorama 7 3 Min. 19.02.2019 Aus unserem online-Archiv

"Niemand wollte sich eingestehen, dass Karl krank war"

Karl Lagerfeld steht bei einer Vernissage für seinen Fotokalender im Palazzo Italia an einer Zeichnung seiner Birma-Katze.

"Niemand wollte sich eingestehen, dass Karl krank war"

Karl Lagerfeld steht bei einer Vernissage für seinen Fotokalender im Palazzo Italia an einer Zeichnung seiner Birma-Katze.
Foto:Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Panorama 7 3 Min. 19.02.2019 Aus unserem online-Archiv

"Niemand wollte sich eingestehen, dass Karl krank war"

Karl Lagerfeld ist am Dienstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Mit dem Tod des Hamburgers endet eine Ära – bereits vergangenes Jahr hatte sich der Maestro aus der Modewelt zurückgezogen.

Von Christine Longin 

Dass es Karl Lagerfeld nicht gut ging, wusste die Öffentlichkeit seit dem 22. Januar. Erstmals seit mehr als 30 Jahren hatte sich der Modezar an jenem Tag nicht wie üblich am Ende des Chanel-Defilées auf dem Laufsteg gezeigt. „Herr Lagerfeld fühlt sich erschöpft“, teilte das legendäre Modehaus lediglich mit, für das der Hamburger seit 1983 Chefdesigner war. 


(FILES) In this file photo taken on January 28, 2013 Italian fashion house Fendi's designer Karl Lagerfeld reacts during a press conference announcing Fendi would finance a renovation of the Trevi Fountain in Rome at the Capitoline museums in Rome. - German fashion designer Karl Lagerfeld has died at the age of 85, it was announced on February 19, 2019. (Photo by Gabriel BOUYS / AFP)
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Wer den arbeitswütigen 85-Jährigen kannte, wusste, dass sich dahinter etwas Ernstes verbarg. „Niemand wollte sich eingestehen, dass Karl Lagerfeld krank war“, sagte die Chefredakteurin des Klatschmagazins „Paris Match“, Elisabeth Lazaroo, im Fernsehsender BFMTV. Die Welt der Mode schien ohne seine knabenhaft schmale Figur, den weiß gepuderten Zopf, die Sonnenbrille, den hohen weißen Kragen und die schwarze Krawatte nicht denkbar. Am Dienstag ist „Kaiser Karl“ im amerikanischen Krankenhaus des Pariser Nobelvorortes Neuilly gestorben.

Seinen Abschied aus der Modewelt hatte Lagerfeld schon im Herbst vollzogen, als er nach der Präsentation der Sommermode von Chanel von einem imitierten Landungssteg aus ungewöhnlich lange ins Publikum grüßte. Es war einer der letzten öffentlichen Auftritte des Unternehmersohns, der mit 19 Jahren zusammen mit seiner Mutter in seine Traumstadt Paris gekommen war. Wie richtig die Entscheidung war, zeigte sich bereits zwei Jahre später, als er zusammen mit Yves Saint Laurent den berühmten Woolmark-Preis gewann: Lagerfeld für einen Mantel und Saint Laurent für ein Abendkleid. Jahrzehntelang verband die beiden Modemacher eine legendäre Rivalität, die sich auch aus der Beziehung beider zum Pariser Jetsetter Jacques de Bascher speiste. 

Vor dem Chanel-Haus in Paris wurden Blumen zu Ehren von Karl Lagerfeld niedergelegt.
Vor dem Chanel-Haus in Paris wurden Blumen zu Ehren von Karl Lagerfeld niedergelegt.
Foto: AFP/Geoffroy van der Hasselt

Der Preis öffnete Lagerfeld die Türen zu einer Schneiderlehre bei Balmain, der eine Karriere in verschiedenen renommierten Modehäusern folgte. 1983 wurde er Chefdesigner bei Chanel und machte nebenbei weiter Mode für renommierte Marken wie Chloé und Fendi. „Chanel ist eine Idee, die man unendlich oft neu interpretieren kann“, sagte der Kreativdirektor über das Erbe von Coco Chanel. Mit überraschenden Elementen hauchte er den eher hausbackenen Kreationen der Modeschöpferin neues Leben ein. Inspiriert wurde er dabei von Supermodels wie Claudia Schiffer oder Inès de la Fressange, die zu seinen Musen zählten. „Für mich ist er einfach ein Genie, ein Andy Warhol der Mode“, sagte Schiffer zum 85. Geburtstag des Designers, der aus seinem Alter immer ein Geheimnis gemacht hatte. 


Das Rätsel hinter der Sonnenbrille 

Lagerfeld verstand es, sich mit seiner Mode auch selbst in Szene zu setzen. Seine eigene Marke, für die er mit seiner unverwechselbaren Silhouette warb, verkaufte sich in der ganzen Welt. „Kaiser Karl“ war damit mehr als nur ein Modeschöpfer - er wurde zum Superstar. Als er vor fast zwei Jahrzehnten 40 Kilo abnahm, um in die schmal geschnittenen Anzüge seines Kollegen Hedi Slimane zu passen, veröffentlichte er hinterher einen Bestseller über seine Diät. 2004 entwarf er eine Kollektion für H&M, die die Verkaufszahlen der schwedischen Billigmarke im ersten Monat um 24 Prozent nach oben trieb. Vier Jahre später zog er sich - lange vor der Gelbwesten-Bewegung – für Werbezwecke eine Rettungsweste über. „Sie ist gelb, sie ist hässlich, sie passt zu nichts, aber sie kann Leben retten“, lautete sein Rat. 

Bei allem Kultstatus blieb der Modeschöpfer bewusst rätselhaft. So lebte er zurückgezogen mit seiner weißen Katze Choupette in seiner Pariser Luxuswohnung. Auf die Frage, warum er seine Augen hinter einer Sonnenbrille verstecke, antwortete er der Zeitung „Le Monde“ im vergangenen Jahr: „Die Kurzsichtigen haben immer den Blick einen braven Hundes und ich will meinen nicht dem Pöbel zeigen.“ 

Überhaupt liebte es „Karl der Große“, mit seinen Sprüchen zu provozieren. „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, lautet einer seiner bekanntesten Sätze. Dem französischen Nachrichtenmagazin „Le Point“ sagte er im vergangenen Jahr, er „hasse“ Angela Merkel für ihre Flüchtlingspolitik. Sie habe damit den Aufstieg der AfD befördert „und 100 dieser Neonazis“ ins Parlament gebracht. Lagerfeld drohte sogar damit, die deutsche Staatsbürgerschaft aufzugeben, ohne aber Franzose werden zu wollen. „Ich bin hanseatisch.“ Auf zurückgezogen-hanseatische Art will Lagerfeld auch beigesetzt werden: Seine Asche soll zusammen mit der seiner Mutter verstreut werden.



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