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„Wir haben Russisch Roulette gespielt“
Panorama 1 6 Min. 06.09.2021
Nicole Kidman im Interview

„Wir haben Russisch Roulette gespielt“

Will aus ihren neun Gästen eines New Age-Wellness-Tempels neue Menschen machen: Masha (Nicole Kidman) in der Serie „Nine Perfect Strangers“.
Nicole Kidman im Interview

„Wir haben Russisch Roulette gespielt“

Will aus ihren neun Gästen eines New Age-Wellness-Tempels neue Menschen machen: Masha (Nicole Kidman) in der Serie „Nine Perfect Strangers“.
Foto: Hulu
Panorama 1 6 Min. 06.09.2021
Nicole Kidman im Interview

„Wir haben Russisch Roulette gespielt“

Nicole Kidman über die Finanzierung ihrer neuen Serie „Nine Perfect Strangers“, Hobbys und ihre Familie.

Streamingdienste wie Netflix, Amazon und Co. produzieren mehr und mehr Prestige-Serien mit hochkarätigen Publikumsmagneten – wie jetzt die gerade gestartete Amazon Prime-Serie „Nine Perfect Strangers“ mit Nicole Kidman, die die Serie mit produziert. Im Zoom-Interview verriet sie dem „Luxemburger Wort“, wie sie die Serie rettete und massive Logistikdilemmata löste, vor die sie der Lockdown in den USA gestellt hatte.

Interview: Mariam Schaghaghi

Nicole Kidman, vor welche Herausforderungen hat der Dreh von „Nine Perfect Strangers“ Sie gestellt?

Wir hatten großes Glück, überhaupt drehen zu können. Wir haben im Juli 2020 mit den Dreharbeiten angefangen und bis Weihnachten durchgearbeitet. Ich konnte kaum glauben, dass wir es mit den extremen Sicherheitsvorkehrungen überhaupt schaffen, eine Serie in den Kasten zu kriegen. Ich kenne so viele Kollegen, die seit Beginn der Pandemie arbeitslos sind.

Wie erging es Ihnen in dieser Zeit?

Das ganze Desaster ging ja im März 2020 los, damals habe ich einen Film gedreht und die Produktion wurde gestoppt. Alle Schauspieler und die gesamte Crew wurden nach Hause geschickt, nachdem verkündet wurde, dass die Dreharbeiten komplett abgebrochen werden. Keiner wusste so genau, wie lange das so weitergehen wird, da kamen für viele natürlich existenzielle Sorgen hoch.

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Sie waren bei „Nine Perfect Strangers“ auch Ausführende Produzentin. Für manche ist das nur ein hübscher Titel, der rechtfertigt, dass sie mehr Geld verdienen. Wie war es bei Ihnen, in einer Produktion, die wirklich von Anfang an in einer Krisenzeit landete? Wie konnten Sie durchsetzen, dass diese Dreharbeiten in Australien stattfinden?

Ich habe dafür eng mit meiner Freundin und Produktionspartnerin Bruna Papandrea zusammengearbeitet. Wir haben auch schon „The Undoing“ und „Big Little Lies“ zusammen auf die Beine gestellt. Wir haben Ende Juni 2020 miteinander telefoniert und uns gefragt, wie es jetzt weiter gehen soll. Uns war schnell klar, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder wir stoppen das gesamte Projekt oder aber wir verlegen den gesamten Dreh nach Australien. Wir haben dann alles in Bewegung gesetzt und mit den Verantwortlichen in Australien gesprochen. Wir mussten ja herausfinden, mit welchen konkreten Sicherheitsauflagen wir dort vielleicht doch drehen können. In dem Moment waren wir einfach nicht aufzuhalten, wir haben alles versucht. Rückblickend muss ich sagen, dass wir echt verrückt waren, es überhaupt zu versuchen!

Ich kann bei den Menschen, die ich liebe, wunderbar Energie tanken.

Was war das größte Risiko?

Wir haben eigentlich Russisch Roulette gespielt, denn wenn diese Produktion in Australien auch nur ein einziges Mal gestoppt worden wäre, hätten wir das gesamte Geld verloren. Die Finanzierung war so kompliziert, dass wir das Projekt nicht mehr hätten retten können. Dann wäre alles vorbei gewesen.

Sie starteten ihre Karriere als Teenie in Australien. Ist es Ihnen bis heute vertraut, dort zu arbeiten?

Für diese Serie habe ich mit ein paar Kollegen zusammengearbeitet, die ich noch von meinen ersten Dreharbeiten kannte. Damals war ich 14 Jahre alt, und diese Menschen konnte ich jetzt dazu bekommen, mit uns dieses Projekt zu realisieren. Ohne ein riesiges Netzwerk an Freunden und Kollegen, denen man wirklich vertrauen kann, wäre das alles nicht möglich gewesen. Ist das Leben nicht total verrückt? Nach all den Jahrzehnten sitzen wir wieder zusammen am Set, und das inmitten einer Pandemie.

Sie spielen jetzt eine gurueske Therapeutin mit absonderlichen Methoden, die neun Fremde zu neuen Menschen machen will und ihnen Heilung verspricht. Was machen Sie selbst, wenn Sie sich von stressigen Projekten erholen wollen?

Ich kann bei den Menschen, die ich liebe, wunderbar Energie tanken. Mein Mann und meine Kinder reichen mir, um glücklich zu sein. Wir sitzen dann einfach zusammen, schauen uns irgendwas im Fernsehen an, zum Beispiel die Olympiade, und sind einfach froh, dass wir uns haben. Dann feuern wir wie verrückt einen australischen Läufer an, der dann sogar als Fünfter ins Ziel kam. Davon abgesehen verbringe ich sehr gerne Zeit in der Natur, vor allem mit Pferden.

Seit wann reiten Sie?

Ich hatte im Laufe meines Lebens immer Pferde um mich herum. Schon als kleines Mädchen habe ich es geliebt zu reiten. Diese Tiere sind so wundervoll, ich habe gerade erst ein Pferd gekauft, es heißt Swankie.

Dann sind Sie lieber zuhause als hippe Heilkuren an exotischen Orten zu buchen?

Natürlich vermisse ich es schon auch zu reisen, aber die Zeit wird bestimmt wieder kommen. Ich würde ja so gerne nach Italien fahren. Meine Italienischlehrerin hat mir vor kurzem ein Foto davon geschickt, wie sie mit einem Aperitif auf ihrer Terrasse sitzt. Da hat mich so eine Sehnsucht gepackt – ich hätte mich am liebsten sofort in ein Flugzeug gesetzt. Ich kenne schon ein paar Orte auf der Welt, die mir sehr viel Kraft schenken. Aber jetzt muss ich halt das machen, was Schauspieler am besten können: meine Vorstellungskraft benutzen. In meiner Fantasie bin ich an all diesen Orten, und schon das gibt mir Kraft. Tagträume sind etwas Wunderbares.

Es ist schwer, vor allem, wenn man sehr jung in dieser Branche anfängt, weil man versucht, gut zu sein und keine Schwierigkeiten zu machen.

Gibt es mittlerweile in Hollywood mehr Solidarität unter Frauen, mehr Kollegialität und Einsatz füreinander?

Ja, gerade was die sehr wichtige Weitergabe von Informationen angeht. Wenn ich mit jüngeren Schauspielerinnen arbeite, sage ich: „Fragt mich was auch immer, und ich werde euch ehrlich antworten. Fragt mich nach finanziellen Tipps oder was auch immer- ich kann euch nur sagen, was ich euch rate, und ihr könnt es annehmen oder lassen.“ Aber es ist schön, wenn man erst mal Informationen hat. Es ist schwer, vor allem, wenn man sehr jung in dieser Branche anfängt, weil man versucht, gut zu sein und keine Schwierigkeiten zu machen. Aber es ist schön, einen Haufen Leute zu haben, die sagen: „Komm’ und frag’ uns. Wir haben einige Erfahrung und sind bereit, sie zu teilen.“

Was war der erste wirklich wichtige Ratschlag, den Sie erhalten haben ?

Mir wurde schon sehr früh beigebracht, niemals einen Take von mir aus zu beenden. Nur der Regisseur darf „Cut“ sagen und entscheiden, wann die Szene zu Ende ist. Es kann Gott weiß wohin gehen, ja – aber es kann auch etwas Fantastisches und Unerwartetes dabei herauskommen.


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Spüren Ihre Kinder es, wenn Sie drehen oder Ihr Mann auf Tournee ist?

Kinder von Künstlern spüren es tatsächlich. Meine Kinder haben einen Musiker als Vater und eine Schauspielerin als Mutter, deren Job auch Engagement erfordert ... aber sie werden so geliebt! Wir sind ja alle in derselben Position, jeder Berufstätige mit Kindern. Aber ich finde es enorm schwierig, die richtige Balance zu finden. Dieses Gleichgewicht zu finden, ist so schwer. Denn man kann auch gar nicht zu viel Intimität und Nähe zu seinem Kind haben.

Was ist das beste Feedback, das Sie je von Ihren Kindern bekommen haben?

Ich habe den Film „Aquaman“ für sie gedreht, nach dem harten Dreh von „Destroyer“. Mir war klar: „Den werden sie nie sehen.“ Aber so was wie „Aquaman“ hat sie fast mit Ehrfurcht erfüllt. Ich habe in einer Szene einen Goldfisch aus Gelatine gegessen, und sie fanden einstimmig, das sei bislang meine beste Arbeit gewesen! (lacht)

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