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Neuer Pearl-Lehrstuhl für digitale Geschichte
Panorama 2 Min. 15.07.2019

Neuer Pearl-Lehrstuhl für digitale Geschichte

Am Tag der Einweihung des Instituts für Zeitgenössische Geschichte mit dem Leiter Andreas Fickers.

Neuer Pearl-Lehrstuhl für digitale Geschichte

Am Tag der Einweihung des Instituts für Zeitgenössische Geschichte mit dem Leiter Andreas Fickers.
Foto: Lex Kleren
Panorama 2 Min. 15.07.2019

Neuer Pearl-Lehrstuhl für digitale Geschichte

Führender Wissenschaftler in ‘Digital History’-Software und Infrastruktur tritt dem neuen Zentrum für zeitgenössische und digitale Geschichte bei. Professor Sean Takats erhält den begehrten PEARL-Lehrstuhl des Fonds national de la Recherche.

(C./chl) Professor Dr. Sean Takats zählt zu den international renommierter Experten für Digitale Geschichte. Der gebürtige Amerikaner, der 1996 einen Bachelor in Yale im Bereich Wirtschaft absolvierte und 2005 seinen PhD in Geschichtswissenschaft in Michigan erlangte, soll im Oktober 2019 am neuen Zentrum für zeitgenössische und digitale Geschichte (Centre for Contemporary and ‚Digital History‘ (C²DH)) seine Arbeit beginnen. Unterstützt wird dabei vom Luxemburger Nationalen Forschungsfonds (FNR) und erhält somit Gelder für seine Forschungs- und Lehrtätigkeit (FNR PEARL Chair).


Vom Entwicklungsland zum Vorreiter. Im Bereich der Forschung hat der FNR Luxemburg zu einem internationalen Spitzenplatz verholfen.
FNR: Fleißig forschen
Seit 20 Jahren ist der Fonds national de la recherche ein führender Akteur im Gebiet der Forschung.

Das von Prof. Takats im Rahmen des PEARL-Programms zu entwickelnde Projekt soll das Potenzial haben, historische Forschungspraktiken zu verändern und so auf die Realitäten und Anforderungen des digitalen Zeitalters zu reagieren. Ziel ist es auch, Luxemburg in die Reihe der weltweit führenden Akteure in der Erforschung und Entwicklung der digitalen Geschichte zu führen. Das "DHARPA-Projekt" (Digital History Advanced Research Projects Accelerator) wird zwei Aspekte umfassen: Es wird die Auswirkungen der Technologie auf die historische Forschung untersuchen und erforschen, wie die Technologie die methodischen Grundlagen der Geschichte als Wissenschaftsdisziplin neu gestalten kann.

"Die Disziplin der Geschichte hat einen kritischen Wendepunkt erreicht: Während Archive und Forscher ihre Artefakte in beispielloser Quantität digitalisieren, ertrinken Historiker in historischen Beweisen. Doch angesichts dieser Unordnung entstehen datenwissenschaftliche Methoden, die helfen können, diesen chaotischen Überfluss zu verstehen. Mein Projekt zielt darauf ab, dieses Potenzial zu erschließen", erklärt Professor Takats in einem Kommuniqué des FNR. "Mit der großzügigen Unterstützung der FNR und der Universität Luxemburg werden ich und ein Team von Historikern und Technikern eine neue kostenlose Softwareplattform für Historiker entwerfen und bauen. Mein Ziel ist es, die Serendipity der traditionellen Geschichtsforschung zu erleichtern, aber in einem digitalen Umfeld, in dem Historiker ihre eigene Fachkompetenz nutzen können, um unerwartete Erkenntnisse zu provozieren und in überzeugende historische Argumente zu verwandeln".

Projekt baut auf  Exzellenz des Luxemburger Instituts für neuere Geschichte auf

Das Projekt baut auf den starken Grundlagen Luxemburgs im Bereich "Digital History" auf, insbesondere bei dem C²DH. Das PEARL-Projekt wird das interne Know-how und die Exzellenz von C²DH ausgleichen, indem es seine Entwicklungskapazität strategisch erhöht. Damit wird DHARPA einen globalen Einfluss auf die ‚Digital History‘ Gemeinschaft haben und die Zukunft der digitalen Forschung und Open-Access-Veröffentlichung in dem Gebiet von Geschichte gestalten.

Professor Sean Takats wird vom Roy Rosenzweig Center for History and New Media nach Luxemburg wechseln. Sein wissenschaftliches Interesse liegt auf der Nutzung digitaler Technologien zur Verbesserung der wissenschaftlichen Forschung, insbesondere im Bereich der Geschichte.
Professor Sean Takats wird vom Roy Rosenzweig Center for History and New Media nach Luxemburg wechseln. Sein wissenschaftliches Interesse liegt auf der Nutzung digitaler Technologien zur Verbesserung der wissenschaftlichen Forschung, insbesondere im Bereich der Geschichte.
Foto: FNR

Er fährt fort: "DHARPA wird das erste ‚Virtual Research Environment‘ im Bereich der digitalen Geschichte und Geisteswissenschaften sein, das alle Forschungsphasen miteinander verbindet und eine strukturelle Wirkung auf die Praktiken der digitalen Geschichte ermöglicht. Durch die Kombination eines generischen Plattformdesigns mit einem hochflexiblen und benutzerzentrierten Interface wird sie dem dringenden Bedarf an Transparenz und Rückverfolgbarkeit der Forschungsergebnisse in der digital basierten geisteswissenschaftlichen Forschung gerecht".

Das Projekt wird digitale Fähigkeiten unter Senior- und Nachwuchsforschern durch Qualifikationstrainings, Online-Tutorials und Roadshows fördern und C²DH als Drehscheibe für praktische digitale Hermeneutik weiter etablieren. Takats soll mit seinem Team dazu beitragen, das C²DH als interdisziplinäre Handelszone zu positionieren, in der Informatiker, Datenwissenschaftler, Historiker, Archivare und Webdesigner ihre Expertise teilen und an der gemeinsamen Entwicklung neuer Werkzeuge zur Produktion von Wissen im Bereich der Geschichte mitwirken.


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