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Neue Vortragsreihe „Let’s talk about history!“: Klein, aber oho
Der Finanzplatz Luxemburg.

Neue Vortragsreihe „Let’s talk about history!“: Klein, aber oho

Foto: LW-Archiv/Ronny Wolff
Der Finanzplatz Luxemburg.
Panorama 2 Min. 14.04.2016

Neue Vortragsreihe „Let’s talk about history!“: Klein, aber oho

In Zusammenarbeit mit etika, der Studentenorganisation historic.UL und der ALEH haben Doktoranden des Historischen Instituts der Uni Luxemburg die Vortragsreihe „Let’s talk about history!“ ins Leben gerufen.

von Nicole Schreiner

Ziel der Serie ist es, ein breites Publikum mit spannenden Geschichtsthemen rund um Luxemburg und Europa zu erreichen. Geplant ist die Organisation von ein bis zwei Veranstaltungen pro Semester.

Am vergangenen Mittwoch fand auf dem Campus Limpertsberg der Auftakt der Vortragsreihe statt. Der Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Christopher Kopper der Universität Bielefeld hielt einen Vortrag über das Thema „The internationalization of saving investments“ am Beispiel der Bankgeschichte Luxemburgs.

Von der Stahlhochburg zum Finanzplatz

Die heutige Freiheit des Kapitalverkehrs, so Christopher Kopper, sei keineswegs selbstverständlich, sondern eine Errungenschaft der letzten vierzig Jahre. Bis 1975 dominierte die Stahlindustrie die luxemburgische Wirtschaft, kam jedoch durch die Ölpreiskrise von 1973 in Schwierigkeiten.

Die Lage verbesserte sich durch die Einführung von Investitionsbeihilfen. Luxemburg verwandelte sich zum drittgrößten Platz für Euromarkt-Aktivitäten hinter London und Paris. Durch den freien Zugang zum Euromarkt in Luxemburg begannen deutsche Banken, zahlreiche Filialen in Luxemburg zu eröffnen, so dass sich Luxemburg immer mehr zum Bankenzentrum entwickelte.

In den Achtzigern nahm die Relevanz privater Investoren und des Private Wealth Management zu. So waren 1989 57 % der Anlagen bei deutschen Banken in Luxemburg nicht-institutionelle Anlagen. Heute erwirtschaftet der Finanzsektor über 25 % der Luxemburger Bruttowertschöpfung, die Stahlindustrie dagegen unter 3 %.

Ein attraktiver Standort

Diese Entwicklung beruht auf der Attraktivität Luxemburgs als Finanzstandort. So gab es von Anfang an weder Zugangsbarrieren für ausländische Banken, noch Einschränkungen für Anlagen in ausländischen Währungen. Zudem erarbeiteten sich die Luxemburger Filialen der deutschen Banken einen guten Ruf.

Die politische und wirtschaftliche Stabilität machte die Banken zu einem sicheren Hafen für die Anlagen wohlhabender Privatkunden. Außerdem können luxemburgische Banken durch die gesetzlichen Bedingungen wie Universalbanken handeln, also national und international eine breite Palette an Bankdienstleistungen anbieten.

Einer der wichtigsten Vorteile ist die attraktive Steuerpolitik Luxemburgs, die das Land zur Steueroase für Unternehmen macht. Das Gesetz von 1979 zum Bankgeheimnis war laut Kopper dabei Luxemburgs Unique Selling Point. Dies kann sich jedoch auch nachteilig auswirken, wie die im November 2014 im Rahmen der LuxLeaks veröffentlichten Dokumente zur Steuervermeidung globaler Konzerne gezeigt haben.

Heute, so Prof. Dr. Kopper, bestehe der Vorteil des Finanzplatzes Luxemburg nicht mehr in den niedrigen Steuern und dem Bankgeheimnis, sondern in der Kompetenz und Expertise der Banken.

Weitere Termine der Universität Luxemburg finden Sie unter www.uni.lu.


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