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Netflix-Serie „Dark“: „Die Macher haben Mut bewiesen“
Panorama 1 6 Min. 27.06.2020

Netflix-Serie „Dark“: „Die Macher haben Mut bewiesen“

Die dritte Staffel der Serie „Dark“ ist auch gleichzeitig die letzte.

Netflix-Serie „Dark“: „Die Macher haben Mut bewiesen“

Die dritte Staffel der Serie „Dark“ ist auch gleichzeitig die letzte.
Foto: Netflix
Panorama 1 6 Min. 27.06.2020

Netflix-Serie „Dark“: „Die Macher haben Mut bewiesen“

Der deutsche Schauspieler Andreas Pietschmann spricht im Interview über den weltweiten Erfolg der Serie „Dark“ und das Arbeiten nach der Pandemie.

Interview: Patrick Heidmann

Seit mehr als 20 Jahren ist Andreas Pietschmann eine feste Größe in der deutschen Schauspielszene. Langjährige Theater-Engagements in Bochum und Hamburg finden sich in seinem Lebenslauf ebenso wie Kinofilme („Sonnenallee“) und Dutzende Fernsehrollen, von „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ bis „jerks“ und „Ku’damm 59“. Und dann ist da natürlich noch die Netflix-Serie „Dark“, in der der 51-Jährige – der mit seiner Frau, der Schauspielerin Jasmin Tabatabai, und den beiden gemeinsamen Kindern in Berlin lebt – seit 2017 mitspielt. Die dritte und letzte Staffel ist ab sofort abrufbar.

Andreas Pietschmann, mit der dritten Staffel geht „Dark“ nun zu Ende, das wohl größte deutsche Serien-Phänomen der letzten Jahre. Hat die Serie in irgendeiner Form Ihr Leben verändert?

Ja, durchaus. Was das Private betrifft, habe ich neue Freundschaften geknüpft, die mir sehr wertvoll sind. Das bereichert mein Leben, dafür bin ich dankbar. Aber gleichzeitig hat mich diese Arbeit auch in meiner Entwicklung als Schauspieler vorangebracht. Das war ja doch ein ungewöhnliches Projekt von besonderer Komplexität. Schauspielerisch und mental war die Arbeit sehr intensiv und eine außerordentliche Erfahrung.

Vom Kicker zum Schauspieler: Andreas Pietschmann liebte schon immer das Spiel – ob als Jugendlicher auf dem Fußballplatz oder später auf der Theaterbühne.
Vom Kicker zum Schauspieler: Andreas Pietschmann liebte schon immer das Spiel – ob als Jugendlicher auf dem Fußballplatz oder später auf der Theaterbühne.
Foto: GettyImages

„Dark“ war auch im Ausland ein Erfolg. Wie macht sich das bei Ihnen bemerkbar?

Das erleichtert den beruflichen Blick über den Tellerrand, weil man außerhalb Deutschlands wahrgenommen wurde. Das ist natürlich eine Rückkopplung, die etwas Zeit braucht. Aber in der Tat spüre ich schon, dass mehr Anfragen aus dem Ausland kommen. Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich eigentlich schon einen Film in Frankreich gedreht haben und für eine Serie in Italien vor der Kamera stehen, was natürlich in der aktuellen Situation leider alles auf Eis gelegt wurde. Wobei ich noch darauf hoffe, dass da ein neuer Zeitraum gefunden werden kann und die Projekte noch stattfinden.

Wirft man einen Blick auf Ihre Fans bei Instagram, ist ebenfalls nicht zu übersehen, wie groß die Fangemeinde von „Dark“ vor allem international zu sein scheint.

Ja, die Aufmerksamkeit der Zuschauer und ihre Rückmeldungen sind bei „Dark“ tatsächlich umfangreicher als bei anderen deutschen Fernsehproduktionen. Schon nach der zweiten Staffel fiel mir auf Reisen auf, dass mich plötzlich Menschen in Griechenland, Italien oder England erkennen, wo ich früher vollkommen anonym war. Schön ist, dass die Reaktionen fast immer sehr positiv sind.

Vor Beginn der ersten Staffel, 2017, war all das noch nicht abzusehen. Damals war Ihre Rolle ja auch noch verhältnismäßig klein. Welche Erwartungen hatten Sie, als Sie bei „Dark“ anheuerten?

Eigentlich gar keine, denn so etwas kann man nicht hochrechnen. Erwartungen und Wünsche sind in unserem Beruf eine verflixte Sache, da kann man leicht enttäuscht werden. Deswegen habe ich es einfach nur genossen, an „Dark“ mitarbeiten zu können. Als ich damals die ersten Drehbücher las, habe ich allerdings sofort gemerkt, dass das heißes Zeug ist. Und dass ich bei dieser unglaublichen Geschichte in irgendeiner Form unbedingt dabei sein will. Dabei kannte ich da noch nicht einmal das Ende der ersten Staffel und wusste also noch nicht, wo es mit meiner Figur überhaupt hingeht. Nicht einmal ihr großes Geheimnis kannte ich.

„Dark“ war die erste deutsche Produktion des Streamingdienstes Netflix. Wie hat sich die Branche auch für Sie als Schauspieler seither verändert?

Durch diesen und auch andere neue Player hat sich für uns der Markt vergrößert. Es wird mehr und vielschichtiger produziert, nicht mehr nur fürs deutsche Kino und Fernsehen, sondern jetzt auch für ein größeres, internationales Publikum. Ich habe den Eindruck, dass mehr internationale Kooperationen in Gang kommen. Das gefällt mir. Das hat zum einen Einfluss auf unsere Arbeitsmöglichkeiten, die sich erweitern. Zum anderen verändern sich auch die Sehgewohnheiten der Zuschauer, die es – wie ich übrigens auch – sehr schätzen, dass man die Inhalte wann, wo und wie oft auch immer man möchte, abrufen kann. Auch die deutschen Fernsehsender haben diesen neuen Sehgewohnheiten der Zuschauer ja längst mit umfangreichen Mediatheken Rechnung getragen.

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Hinterlassen Netflix und Co. auch schon inhaltlich Spuren?

Ja, die Inhalte und Themen verändern sich auch. Plötzlich erreicht man mehr Menschen und auf individuellere Art, deswegen kann man es wagen, beispielsweise Nischenthemen zu bedienen, mehr Genre zu produzieren und insgesamt mutiger Geschichten zu erzählen. Denn genau das hat „Dark“ gemacht. Die Macher haben großen Mut bewiesen und sind keine Kompromisse in der Hoffnung auf Zuschauer eingegangen. Ich denke zumindest nicht, dass eine solche Serie noch vor Jahren im deutschen Fernsehen so ein breites Publikum gefunden hätte. Wahrscheinlich höchstens ein paar Nachteulen um 0 Uhr. Schon allein diese Komplexität des Erzählens auf verschiedenen Zeitebenen habe ich in den Projekten, die ich vor „Dark“ gedreht habe, hierzulande eigentlich nicht gefunden. Aber inzwischen scheinen immer mehr Verantwortliche bereit zu sein, vom Zuschauer mehr zu fordern und zu erwarten. Jedenfalls merke ich den Büchern, die mir inzwischen angeboten werden, an, dass der Horizont breiter und der Atem länger wird.

Kurz noch zur aktuellen Arbeitssituation, die Sie eben schon andeuteten. Die Arbeit an „Dark“ war ja durch die Corona-Pandemie nicht mehr beeinträchtigt, oder?

Zumindest nicht die Dreharbeiten. Damit wurden wir eigentlich vor Weihnachten fertig. Und auch die wenigen Nach-Drehs, die es bei so einem umfangreichen Projekt ja immer gibt, konnten noch kurz vor dem Lockdown fertiggestellt werden. Aber der Schnitt und die ganze Postproduktion waren dann natürlich schon betroffen. Das wurde dann schon teilweise schwierig, zum Beispiel bei den zusätzlichen Tonaufnahmen, für die wir Schauspieler noch ins Studio mussten: Termine finden, Abstand halten, beim Gang ins Studio niemandem begegnen, für die Aufnahmen immer nur ein Schauspieler alleine im Raum., etcetera. Und das gilt sicherlich erst Recht für die Synchronisationsarbeiten in den anderen Ländern, schließlich wird „Dark“ ja in viele Sprachen übersetzt.


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Inzwischen tut sich zum Glück wieder etwas in der Film- und Fernsehbranche. Oder macht Ihnen der Gedanke an Dreharbeiten unter diesen Umständen Angst?

Nein, es ist einfach wichtig, dass es wieder losgeht. Man kann ja Konzepte finden und das ist auch schon geschehen, wie vorsichtig und unter Berücksichtigung der Auflagen gedreht werden kann. Bis zu einem gewissen Grad kann man die Begegnungen am Set minimieren, Abstand halten und wenn die Kamera nicht läuft, trägt man Mundschutz. Das geht schon, selbst wenn es erst einmal eigenartig sein wird. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass wir noch weit entfernt sind vom normalen Stand in unserer Branche. Was im Moment wieder gedreht wird, sind erst einmal nur ein paar ausgesuchte Produktionen, die zum Beispiel schon angedreht waren oder fast fertig geplant waren, lang laufende Reihen und Serien zum Beispiel. Aber das sind sehr wenige. Die meisten Filmschaffenden laufen, so wie ich, noch größtenteils und seit einigen Monaten schon ohne Arbeit herum. Außer einem Hörbuch konnte ich zum Beispiel seit Mitte März, als mein Dreh zu einem „Tatort“ abgebrochen werden musste, nichts arbeiten. Bis das wieder auf einem normalen Niveau ist, wird es noch lange dauern. Bislang sind das eher Tropfen auf heiße Steine, die allerdings auch deswegen wichtig sind, weil die Branche auf diesem Weg Erfahrungen sammeln und lernen kann, wie man überhaupt mit einer solchen Situation umgehen kann.  

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