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Naturwissenschaftsolympiade: Anspruchsvoll und spannend
Panorama 14 4 Min. 05.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Naturwissenschaftsolympiade: Anspruchsvoll und spannend

Blut stand im Fokus der 13. Luxemburger Naturwissenschaftsolympiade.

Naturwissenschaftsolympiade: Anspruchsvoll und spannend

Blut stand im Fokus der 13. Luxemburger Naturwissenschaftsolympiade.
Foto: Gerry Huberty
Panorama 14 4 Min. 05.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Naturwissenschaftsolympiade: Anspruchsvoll und spannend

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
24 Schüler haben bei der 13. Luxemburger Naturwissenschaftsolympiade um den Sieg geforscht - für die Gewinner geht es jetzt nach Tschechien.

Verkehrsbedingt hatte sich der Beginn des Finales der 13. Naturwissenschaftsolympiade zwar etwas verzögert, die Stimmung im Klassenraum „Bio2“ des Lycée Michel-Rodange war aber zumindest nach außen hin entspannt – von Nervosität war bei den meisten Schülern nichts zu spüren. Wenig verwunderlich – die Wettbewerbsatmosphäre waren sie bereits gewöhnt, hatten sie doch schon zwei Auswahlrunden überstanden.

Während Organisatoren und Lehrer letzte Vorbereitungen trafen – weiße Laborkittel für jeden Teilnehmer wurden bereitgelegt und Pröbchen von A nach B gebracht – vertrieben sich einige Schüler die Zeit mit Musik hören, andere knabberten Snacks, wieder andere unterhielten sich schon mal über das, was ihnen wohl bevorstehen würde. „Wenn als Thema Elektrizität kommt, haben wir ein Problem“, hörte man aus einer Ecke des Klassenzimmers.

Experimente mit Blut

Doch diese Sorge war unbegründet, denn das Thema der diesjährigen Naturwissenschaftsolympiade, an dem die 24 Schüler im Finale in Dreiergruppen arbeiten mussten, war „Blut, ein ganz besonderer Saft“. „Die Jury versucht, sich jedes Jahr ein Thema zu überlegen, das in allen drei Naturwissenschaften – Biologie, Chemie, Physik – bearbeitet werden kann“, erklärt Jeff Kohnen, Organisator der Veranstaltung.

In einer der vergangenen Ausgaben ging es etwa darum, mit wissenschaftlichen Methoden einen Kriminalfall zu lösen. Im diesjährigen Finale mussten die Teilnehmer unter anderem Größe und Anzahl roter Blutkörperchen bestimmen oder Aussagen über Dichte und Viskosität des Blutes treffen. Daneben mussten sie etwa anhand eines echten Schweineherzens und verschiedener Kabel den Blutkreislauf des Menschen darstellen.

Interesse an Naturwissenschaft

Welche Themen die Finalisten bearbeiten müssen, entscheidet eine neunköpfige Jury aus Biologie-, Chemie- und Physiklehrern. Dabei ist die Auswahl lehrplanunabhängig, es können auch Inhalte vorkommen, die nicht in der Schule behandelt wurden. Drei Stunden stehen den Schülerinnen und Schülern dann im Finale zur Verfügung, um an der Thematik zu arbeiten.

Bevor sie ins Finale kommen, haben die Kandidaten bereits zwei Auswahlrunden hinter sich. Eine erste Runde, in der 1 659 Schüler von 29 Schulen angetreten waren, bestand aus theoretischen Fragen, bei denen die richtige Antwort einfach angekreuzt werden musste. Im Halbfinale beschäftigten sich dann die 77 besten Schüler nochmals mit theoretischen Fragestellungen, hatten aber keine Antworten mehr zur Auswahl, sondern mussten selbst Dokumente analysieren.

Für viele der Teilnehmer steht das Interesse an den Naturwissenschaften im Fokus. „Ich wollte schon immer etwas mit Physik machen – und die Olympiade ist jetzt eine Gelegenheit, mir auch selbst zu beweisen, was ich kann“, erklärt etwa der 16-jährige Emile Schummer. Ähnlich sieht es auch Hugo Douro, ebenfalls 16 Jahre alt, der bereits zum zweiten Mal bei dem Wettbewerb dabei ist. „Wenn man verstehen will, wie die Welt funktioniert, kann man das mit den Naturwissenschaften. Für mich ist das praktisches, logisches Denken – das interessiert mich.“ Die beiden sagen von sich selbst, dass sie sich nicht besonders auf das Finale vorbereitet haben. „Ich wollte mich nicht stressen. Wenn ich mich vorbereite, sehe ich, was ich alles nicht kann, und dann wird es auch nicht besser“, meint etwa Emile. Und Hugo ergänzt: „ Der normale Unterricht ist für mich Vorbereitung genug. Ich bin jetzt so weit gekommen, das freut mich einfach. Für mich zählen Interesse und Spaß, weniger die Platzierung am Ende.“

Rat bei anderen Schülern

Auch für Jeanne Santer (16) ist Spaß an der Sache wichtig, aber ein klein wenig vorbereitet hat sie sich trotzdem. „Ich hab mir mal die Tests der vorherigen Jahre durchgelesen“, erklärt die Schülerin. Auch Alexandra Senn (15) hat sich mit den Materialien der vergangenen Olympiaden vorbereitet – und sich Unterstützung bei einer Mitschülerin gesucht: „Ich habe mit einem Mädchen aus meiner Schule gesprochen, die letztes Jahr gewonnen hat. Sie hat mir ein paar Tipps gegeben – zügig arbeiten, nicht vorschreiben und viel in der Gruppe kommunizieren.“

Was das zügige Arbeiten betrifft, so stellte sich unmittelbar nach dem dreistündigen Finale heraus, dass es sich dabei um einen sehr guten Tipp gehandelt hat. „Es gab viel zu tun, eine Aufgabe konnte ich leider aus zeitlichen Gründen nicht beenden. Die Experimente waren sehr interessant, eine richtige Herausforderung. Wenn man praktische Versuche durchführen kann, ist das immer interessant“, so eine Schülerin. Insgesamt kann man das Fazit der Teilnehmer wohl als Mischung aus „anspruchsvoll“ und „spannend“ beschreiben.


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Mehrere Projektpartner

Man merkte, dass sich die Teilnehmer für das Thema begeistern – und genau das soll die Olympiade, die mit der Unterstützung des Bildungsministeriums, den luxemburgischen Vereinigungen der Biologen, Chemiker und Physiker, des Fonds National de la Recherche sowie der André-Losch-Stiftung organisiert wird, bewirken. „Der Bedarf an Forschern im Bereich der Naturwissenschaften ist groß. Wir wollen mit dem Wettbewerb der Öffentlichkeit zeigen, dass es junge Leute gibt, die sich für die Thematik interessieren“, so Jeff Kohnen. Mindestens genauso wichtig wie die fachlichen Aspekte sei aber auch das Feld der Kommunikation. Man wolle schauen, wie die Schüler in der Gruppe arbeiten und die Sozialkompetenz fördern. „Man hat in dem Bereich klare Unterschiede gesehen, genauso wie im Fachlichen.“

Weiter nach Tschechien

Letzen Endes konnte keines der sechs Teams alle Aufgaben lösen, insgesamt waren aber sowohl Lehrer als auch Schüler zufrieden.

Gestern wurden dann die Gewinner der 13. Ausgabe der „Olympiade luxembourgeoise des sciences naturelles“, wie ihr vollständiger Name lautet, bekanntgegeben. Auf den ersten beiden Plätzen landeten Pierre Roth, Jan Hübel, Emile Schummer, Laurent Bommertz, Alexandra Senn und Béryl Huveneers. Für die sechs Schüler geht es nun nach Tschechien. Dort vertreten sie Luxemburg vom 10. bis zum 16. Mai bei der Europäischen Naturwissenschaftsolympiade. 


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