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Mysterium am Wasserloch: Massenhafter Elefanten-Tod in Botsuana
Panorama 2 Min. 07.07.2020

Mysterium am Wasserloch: Massenhafter Elefanten-Tod in Botsuana

Ein Elefanten-Kadaver an einem Wasserloch

Mysterium am Wasserloch: Massenhafter Elefanten-Tod in Botsuana

Ein Elefanten-Kadaver an einem Wasserloch
AFP
Panorama 2 Min. 07.07.2020

Mysterium am Wasserloch: Massenhafter Elefanten-Tod in Botsuana

Sie sterben rasch und in großer Zahl: Hunderte Elefanten sind bereits tot im Okavango-Delta. Die Dickhäuter kippen um und verenden. Es gibt viele Fragen, einige Hypothesen - und bisher kaum klare Antworten.

(dpa) - Ein mysteriöses Elefantensterben im südafrikanischen Safari-Paradies Botsuana lässt Experten rätseln: Was lässt die Tiere im Okavango-Delta sterben, inzwischen schon Hunderte von ihnen? Immer neue verstörende Bilder von ausgedörrten Kadavern gibt es. „Die Ursache ist auch nach drei Monaten weiterhin ungeklärt“, erklärt Heike Henderson von der Artenschutzorganisation Future for Elephants. Fast alle Kadaver lagen im nördlichen Teil des Deltas, nahe dem Dorf Seroga. Die meisten Tiere verendeten in Sichtweite von Wasserlöchern. In Botsuana lebt fast ein Drittel des Elefanten-Bestands Afrikas.


This image provided on July 3, 2020 courtesy of the National Park Rescue charity shows the carcass of one of the many elephants which have died mysteriously in the Okavango Delta in Botswana. - Hundreds of elephants have died mysteriously in Botswana's famed Okavango Delta, the wildlife department said on July 2, 2020, ruling out poaching as the tusks were found intact. The landlocked southern African country has the world's largest elephant population, estimated to be around 130,000. (Photo by - / NATIONAL PARK RESCUE / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO /NATIONAL PARK RESCUE" - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS
Mysteriöses Massensterben von Elefanten in Botsuana
In einem Nationalpark in Botsuana fanden Behörden hunderte tote Elefanten. Die Ursache für das Massensterben ist noch unbekannt.

Der Tod ereilt die Tiere offenbar sehr schnell. Experten suchen nach Erklärungen. „Elefanten sind sehr kontaktfreudige Tiere - wenn es eine Infektion wäre, könnte sich das sehr schnell in der Herde verbreiten“, meint etwa die Großwild-Veterinärin Sybille Quandt. Nahrungsmangel zumindest könne wegen der ergiebigen Regenfälle in letzter Zeit weitgehend ausgeschlossen werden.

Die örtliche Tierschutzorganisation Elephants Protection Society weist auf ein ähnliches Massensterben hin: Vor gut einem Jahr habe schon einmal ein zunächst mysteriöser Erreger die Region heimgesucht, sagt der Direktor der Organisation, Oaitse Nawa. Als Ursache galten damals mit dem Anthrax-Erreger (Milzbrand) verseuchte Böden. Diesmal wurde eine Vergiftung durch Anthrax mit Tests aber ausgeschlossen. Ebenso wie Wilderei: Die toten Tiere haben alle ihre Stoßzähne noch. Die Bevölkerung wurde vorsorglich vorm Verzehr des Fleisches gewarnt.


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Bislang sind die meisten Todesfälle bei den Elefanten beschränkt auf ein überschaubares Gebiet im nordwestlich gelegenen Okavango-Delta nahe dem zu Namibia gehörenden Caprivi-Streifen. Der britische Prinz Harry hatte hier im Vorjahr im Dreiländereck mit Namibia und Angola ein grenzüberschreitendes Waldschutzprojekt eingeweiht. Nun setzen Behörden und Tierschützer in dem sumpfigen Gelände Helikopter und Flugzeuge ein, um die toten Tiere auszumachen.

Von einem außergewöhnlich dramatischen Ereignis spricht Henderson: „Etwas, was sonst höchstens durch eine extreme, langanhaltende Dürre verursacht wird.“ Einen Zusammenhang mit Corona halten Experten für unwahrscheinlich: Eine meist harmlos verlaufende Infektion mit dem Virus ist bisher vor allem für bestimmte Fleischfresser wie Katzen und Nerze bekannt. Zudem scheine keine andere Wildtierart von dem Massensterben betroffen zu sein, erklärt Henderson. Dies gelte auch für Tiere, die aus denselben Wasserlöchern trinken, oder Aasfresser wie Löwen, Hyänen oder Geier, die sich von den Elefanten-Kadavern ernähren.


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„Ein großes Problem ist, dass sich die Regierung von Botsuana nicht sehr transparent oder kooperativ zeigt“, kritisiert Henderson. Hilfsangebote würden von der Regierung nicht angenommen. „Warum verneint die Regierung die Ernsthaftigkeit des Problems?“, fragt die kenianische Wildtier-Expertin Paula Kahumbu beim Kurznachrichtendienst Twitter. Einen geplanten Flug mit Journalisten ins Okavango-Delta sagte Botsuanas Regierung am Sonntag kurzfristig ohne weitere Erklärung ab.

Botsuana hat in Afrika eigentlich einen guten Ruf in Sachen Natur- und Tierschutz. Im Vorjahr hatte es aber international Empörung wegen der Aufhebung des Elefantenjagdverbots gegeben. Während die Zahl der Elefanten in vielen Regionen Afrikas zurückgeht, ist sie in dem Binnenstaat laut offiziellen Angaben von etwa 50.000 im Jahr 1991 auf gut 130.000 Tiere angestiegen.


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