Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Modelsuche in Luxemburg: „Natürlich ist die Breite der Hüften wichtig“
Panorama 5 Min. 22.09.2017 Aus unserem online-Archiv

Modelsuche in Luxemburg: „Natürlich ist die Breite der Hüften wichtig“

Auch das Model Odesma Mandos aus den Niederlanden wurde von Metropolitan Models entdeckt.

Modelsuche in Luxemburg: „Natürlich ist die Breite der Hüften wichtig“

Auch das Model Odesma Mandos aus den Niederlanden wurde von Metropolitan Models entdeckt.
Foto: Metropolitan Models
Panorama 5 Min. 22.09.2017 Aus unserem online-Archiv

Modelsuche in Luxemburg: „Natürlich ist die Breite der Hüften wichtig“

„Metropolitan Models“ zählt zu den vier größten Modelagenturen weltweit. Seit 1992 veranstaltet die Agentur den „Metropolitan Top Model Contest“, um neue Talente aufzuspüren. Nun findet der Wettbewerb erstmals auch in Luxemburg statt.

Interview: Lisa Urbé

„Metropolitan Models“, gegründet 1986 vom Franzosen Michel Levaton, zählt zu den vier größten Modelagenturen weltweit. Seit 1992 veranstaltet die Agentur den „Metropolitan Top Model Contest“, um neue Talente aufzuspüren. Nun findet der Wettbewerb erstmals auch in Belgien und Luxemburg statt. Am Samstag werden die männlichen und weiblichen Nachwuchsmodels beim Casting im „Boos Beach Club & Restaurant“ in Bridel unter die Lupe genommen. Im Vorfeld sprach das „Luxemburger Wort“ mit der Castingverantwortlichen Patricia Rommelaere über die Aufgaben eines Models und das Auswahlverfahren.

Die Juryvorsitzende Patricia Rommelaere
Die Juryvorsitzende Patricia Rommelaere
Foto: Adrien Petit

Frau Rommelaere, Sie organisieren erstmals ein Modelcasting in Luxemburg. Wie läuft dieses Auswahlverfahren ab?

Die Kandidaten können sich uns zwischen 13 und 18 Uhr vorstellen. Man konnte sich bereits im Vorfeld über unsere Webseite bewerben, wir freuen uns aber auch über Nachwuchsmodels, die spontan vorbeikommen. Ich werde dann gemeinsam mit einer Jury die Kandidaten anschauen und eine erste Vorauswahl treffen. Gegen 18.30 Uhr entscheiden wir dann, wer weiter ins Halbfinale kommt.

Wie sieht es mit den Teilnahmebedingungen aus?

Das Casting ist für Mädchen und Jungen offen. Die Mädchen müssen zwischen 14 und 22 Jahre alt und mindestens 1,73 Meter groß sein. Die Jungs müssen zwischen 16 und 24 Jahre alt sein und eine Körpergröße von mindestens 1,83 Metern haben.

Auf der Webseite steht aber, dass die männlichen Bewerber mindestens 1,84 Meter groß sein müssen ...

1,84 Meter wäre natürlich ideal. Wenn der Kandidat aber sonst alle vorgegebenen Kriterien der Agentur erfüllt, können wir ihn trotzdem aufnehmen – auch wenn er einen Zentimeter zu klein ist. Bei der Größe sind wir immer etwas flexibel.

Warum gibt es eigentlich diese Mindestmaße?

„Metropolitan Models“ arbeitet eng mit der Pariser „Fashion Week“ zusammen. Daher ist es wichtig für die Models, eine bestimmte Größe zu haben, damit sie auf den Laufsteg können. Je näher ein Mädchen an die 1,80 Meter rankommt ... umso besser. Ich sehe häufig kleinere Mädchen, die wirklich sehr, sehr hübsch sind – aber sie können die Kleidung der Designer nicht tragen.

Und warum werden die kleineren Models nicht einfach für die Arbeit vor der Kamera eingesetzt? Das müsste doch auch mit 1,60 Metern möglich sein.

Dann müsste man beispielsweise alle Hosen verkürzen – und dann ändert sich wiederum die Form des Hosenmodells. Vor allem den bekannten Designern geht es um die Silhouette und die perfekte Präsentation.

Und wie sieht es mit den übrigen Maßen aus? Gibt es da immer noch die klassische 90-60-90-Vorgabe?

Diese Frage kann ich nicht genau beantworten. Natürlich ist die Breite der Hüften eines Models wichtig, außerdem die Proportionen. Je nach Körperbau passen einige Models besser auf den Laufsteg, andere sind dagegen eher als Fotomodel geeignet. Die Maße sind dabei nicht so entscheidend.

Andere Agenturen haben sich auf kleinere oder Plus-Size-Models spezialisiert. Hat Metropolitan Models auch außergewöhnliche Menschen „im Angebot“?

Nein, das macht keine der großen Agenturen. In Paris interessiert man sich dafür auch kaum. In Luxemburg oder Belgien gibt es dagegen einige dieser Angebote, sogenannte People-Agenturen.

Diego Moncada aus Spanien ist bereits bei der Agentur unter Vertrag.
Diego Moncada aus Spanien ist bereits bei der Agentur unter Vertrag.
Foto: Metropolitan Models

Welche Qualitäten sollte ein potenzielles Topmodel mitbringen?

Zunächst einmal: Man muss zielstrebig sein. Dann muss man ein sehr gesundes Leben führen, denn die Zeit der magersüchtigen Models ist vorbei. Heutzutage machen die Models Sport, sie ernähren sich richtig – und nicht zu vergessen: viel Schlaf. Und dann braucht man vor allem Hartnäckigkeit, denn der Weg zum Ziel ist nicht immer leicht. Ein Beispiel ist das Model Cindy Bruna, das von Metropolitan Models entdeckt wurde und bereits für Victoria's Secret und L'Oréal gemodelt hat. Vor ihrem Durchbruch ging sie jede Woche zu vielen Castings – und wurde meist nicht genommen. Und das, obwohl sie 1,80 m groß und sehr hübsch ist. Daher muss man hartnäckig sein, Kritik einstecken können und sich nicht unterkriegen lassen, wenn man ein „Nein“ bekommt. Man muss einfach dran bleiben – und wenn man alle nötigen Charaktereigenschaften besitzt, kommt man auch irgendwann ans Ziel.

Bewerben dürfen sich Mädchen ab 14 Jahren – wie sehen denn deren Aufgaben aus, wenn sie von der Agentur aufgenommen werden?

Die Mädchen unter 16 Jahren arbeiten gar nicht – das ist in Frankreich vom Gesetz her so vorgeschrieben. Erst ab dem 16. Geburtstag dürfen sie tagsüber und abends defilieren. Die Öffnung des Castings für jüngere Mädchen dient dazu, junge Talente bereits früh zu entdecken. Bei den Jungen ist es etwas anders, da sie beim Casting schon mindestens 16 Jahre alt sein müssen. Minderjährige Kandidaten brauchen aber auf jeden Fall die Zustimmung ihrer Eltern – auch für das Casting. Wenn die Jungs und Mädchen dann von „Metropolitan Models“ aufgenommen werden, müssen sie gleich in der nächsten Woche zum Arzt, um eine Bescheinigung zu erhalten, die besagt, dass sie das konforme Gewicht aufweisen. Und bei jedem Termin, den sie haben, muss das Dokument dann vorgezeigt werden.

Das Modelgesetz in Frankreich sorgt dafür, dass keine anorektischen Models mehr Arbeit finden. Der Luxuskonzern LVMH hat vor kurzem sogar eine „Charta für das Wohlbefinden von Models“ veröffentlicht. Was halten Sie von diesem Gesetz und dieser Charta?

Ich finde das sehr, sehr gut. Und Metropolitan passt sich auch sehr gut daran an. Man muss sich bewusst sein, dass ein magersüchtiges Mädchen nicht richtig arbeiten kann. Natürlich sollte ein Model nicht die ganze Zeit bei McDonald's Pommes und Eiscreme essen. Das Gehirn des Menschen funktioniert einfach besser, wenn er sich richtig ernährt. Außerdem fühlt man sich besser, und man kann sowohl Müdigkeit als auch Stress besser bewältigen.

Eine letzte Frage: Wie wichtig sind die sozialen Medien für die Models geworden?

Für junge Menschen gehören soziale Netzwerke zum Alltag, daher müssen auch wir uns anpassen. Aber es ist kein Muss, es ist den Models selbst überlassen. Viele von ihnen möchten ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Und vor allem möchten sie zeigen, dass auch sie ein ganz normales Leben führen. Am Morgen, wenn sie aufwachen, ziehen sie sich an, so wie alle anderen. Trotz der aufregenden Auftritte auf dem Laufsteg sind die Models ganz normale Menschen. Auch sie sind froh, einfach mal durchatmen zu können. 

Das Casting

Das Metropolitan-Models-Casting findet am Samstag im „Boos Beach Club & Restaurant“ in der Rue Biergerkräiz auf Nummer 31 in Bridel statt. Nachwuchstalente können dort ab 13 Uhr auch spontan vorbeischauen. Weitere Informationen sowie das Bewerbungsformular findet man unter

https://www.metropolitancontestbelux.com/






Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Dem Traumjob auf den Fersen
Der glamouröse Lebensstil berühmter Models zieht noch immer Tausende junge Frauen an. Eine Möglichkeit, entdeckt zu werden, ist die Teilnahme an einem Wettbewerb. Fünf Luxemburgerinnen haben diesen Schritt gewagt.
Tope Model Europe
Fashion Weeks: Models an die Macht
Mehr Vielfalt und mehr Selbstbewusstsein: Die Modelbranche befindet sich im Umbruch. Jahrzehntelang wurden Diskriminierung, Ausbeutung und fragwürdige Schönheitsideale in der Modelbranche geduldet. Nun regt sich endlich Protest.
A model presents a creation for fashion house Dolce & Gabbana during the Women's Spring/Summer 2018 fashion shows in Milan, on September 24, 2017.  / AFP PHOTO / Andreas SOLARO