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Mit Pagenkopf und kirschrotem Mund
Panorama 2 Min. 22.07.2016 Aus unserem online-Archiv
Happy Birthday, Spatz von Avignon!

Mit Pagenkopf und kirschrotem Mund

Noch immer trägt die 1,53 m kleine Sängerin ihr Markenzeichen, den rabenschwarzen Pagenkopf.
Happy Birthday, Spatz von Avignon!

Mit Pagenkopf und kirschrotem Mund

Noch immer trägt die 1,53 m kleine Sängerin ihr Markenzeichen, den rabenschwarzen Pagenkopf.
Foto: LW-Archiv
Panorama 2 Min. 22.07.2016 Aus unserem online-Archiv
Happy Birthday, Spatz von Avignon!

Mit Pagenkopf und kirschrotem Mund

Nathalie RODEN
Nathalie RODEN
Im Pariser Olympia wurde sie ebenso umjubelt wie bei den Galas im New Yorker Waldorf Astoria und in den Shows von Las Vegas. Heute wird Mireille Mathieu 70 Jahre alt.

von Rainer Holbe

Eine Femme fatale ist Mireille Mathieu nie geworden, auch keine Neuauflage von Edith Piaf. Doch über vier Jahrzehnte wurde sie von der Musikwelt als „die Mathieu“ gefeiert. Sie verkaufte schätzungsweise 185 Millionen Alben – davon mehr als 40 Millionen in Deutschland – und begeisterte als Partnerin von Johnny Carson und Ed Sullivan ein internationales Showpublikum. Es gab Langspielplatten in Gold und Platin, sie ist Ritter und seit fünf Jahren sogar Offizier der Ehrenlegion.

Inzwischen ist ihr Ruhm seltsam verblasst, doch noch immer trägt die 1,53 Meter kleine Sängerin den rabenschwarzen Pagenkopf ihrer frühen Jahre, ihr freundliches Lächeln und den kirschroten Guerlain-Lippenstift. Neben der Frankokanadierin Céline Dion zählt Mireille zu den erfolgreichsten französischsprachigen Sängerinnen der Welt.

Miteille Mathieu 1969 zu Beginn ihrer Karriere.
Miteille Mathieu 1969 zu Beginn ihrer Karriere.
Foto: LW-Archiv

Ein strahlender Stern

Ihr Leben gleicht dem Märchen vom Aschenputtel. Als Älteste von vierzehn Kindern wurde Mireille im südfranzösischen Avignon geboren. In der wenig begüterten Familie gab es keine Bücher, bereits mit vierzehn Jahren verließ sie wegen ihrer Lernschwäche die Schule. In einer Fabrik verrichtete sie Hilfsarbeiten und trug mit dem wenigen verdienten Geld zum Unterhalt ihrer Brüder und Schwestern bei. Sie kümmerte sich um die Gesundheit ihrer Geschwister, wenn sie mal krank wurden und die Eltern sich keinen Arzt leisten konnten.

Doch das Schicksal sollte das zierliche Mädchen schon bald großzügig belohnen. Mit 18 Jahren gewann sie, die unbedingt Sängerin werden wollte, einen Wettbewerb für unbekannte Musiktalente in ihrer Heimatstadt, wurde von dem Manager Johnny Stark entdeckt und schon bald zum strahlenden Stern des französischen Musikhimmels. Sie sang gemeinsam mit ihrem Landsmann Maurice Chevalier und begeisterte ihre Zuhörer während einer dreiwöchigen Tournee durch die damalige Sowjetunion.

Das deutsche Publikum erlebte Mireille Mathieu zum ersten Mal in der ZDF-Sendung „Vergissmeinnicht“. Auch nach zahlreichen Auftritten beschränkten sich die Sprachkenntnisse der bewunderten Französin auf ein gehauchtes „Dankeschön“ oder ein gezwitschertes „Guten Abend“.

Gut gelaunt beim Oktoberfest: die französische Sängerin 2015 an der Seite des deutschen Moderators Florian Silbereisen.
Gut gelaunt beim Oktoberfest: die französische Sängerin 2015 an der Seite des deutschen Moderators Florian Silbereisen.
Foto: AFP

Zurückhaltend, konservativ, brav

Doch es war nicht nur die Musik, mit der Mireille Mathieu ihr Publikum verzauberte. In einer scheinbar verruchten Künstlerwelt präsentierte sie sich eher zurückhaltend, katholisch, konservativ und brav. Über ihr Privatleben schwieg sie sich stets beharrlich aus.

Eine Frau, die zwar eine Geschichte hatte, aber keine Geschichten machte. Man weiß von ihr, dass sie gerne neun Stunden durchschläft, sich von Biolebensmitteln ernährt, die Sonne meidet, nicht raucht und außer mal ein Glas Bordeaux oder Champagner den Alkohol verschmäht. Auch zu einer Schönheitsoperation würde sie sich nie entschließen, bekannte sie unlängst: „Das ist schrecklich. Die ganze Ausstrahlung geht verloren.“

In einem ihrer seltenen Interviews war von Einsamkeit und Leere, von Medikamenten und Depressionen die Rede. „Es war der Druck, der mich krank machte“, gestand die Sängerin. „Ich musste nur noch funktionieren. Der Wechsel vom umjubelten Star auf der Bühne zur Privatperson, um die sich keiner kümmert, hat mich immer sehr traurig gemacht. Mit dieser Leere kam ich nicht zurecht. Ich denke, so etwas nennt man Burn-out.“ Nach einer Therapie gilt sie als geheilt.

Die große Liebe blieb aus

Mit einer ihrer Schwestern lebt Mireille Mathieu nun im Pariser Prominenten-Viertel Neuilly. Und obwohl sie in ihren Liedern oft und gerne von „L’amour“ gesungen hat, blieb ihr die große Liebe ihres Lebens versagt.