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Mit Mikrosporen gegen Malaria
Panorama 2 Min. 21.05.2020

Mit Mikrosporen gegen Malaria

Malaria wird nur von weiblichen, Parasiten-befallenen Anopheles-Mücken übertragen.

Mit Mikrosporen gegen Malaria

Malaria wird nur von weiblichen, Parasiten-befallenen Anopheles-Mücken übertragen.
Foto: Shutterstock
Panorama 2 Min. 21.05.2020

Mit Mikrosporen gegen Malaria

Johannes DIETERICH
Johannes DIETERICH
Wissenschaftlern ist ein Durchbruch im Hunderte von Jahren alten Kampf gegen die oft tödliche Malariakrankheit gelungen.

Kenianische und britische Forscher vom „Internationalen Zentrum für Physiologie und Ökologie der Insekten“ (Icipe) in Nairobi sind dem Rätsel auf die Spur gekommen, warum rund fünf Prozent der Anopheles-Moskitos am ostafrikanischen Viktoriasee keine Malaria übertragen – eine Entdeckung, die eine der schlimmsten Geißeln der Menschheit um ihre verhängnisvolle Wirkung bringen könnte. 

Mit rund 200 Millionen Erkrankungen im Jahr ist die Malaria die häufigste Infektionskrankheit der Welt. Ihr fallen jährlich über 400.000 Menschen zum Opfer, mehrheitlich Kinder im südlich der Sahara gelegenen Teil Afrikas. Jede zweite Minute stirbt auf dem Kontinent ein Kind an Malaria. 

Gezielte Kontaminierung mit Mikrosporen

Den jüngst im Wissenschaftsmagazin „Nature Communications“ veröffentlichten Forschungsergebnissen zufolge können Anopheles-Mücken, die von pilzartigen Mikrosporen befallen sind, keine für die Malariaerkrankung verantwortlichen Plasmodium-Parasiten beherbergen. Es handele sich dabei um eine „hundertprozentige Blockade“, sagte Jeremy Herren, einer der Autoren der Studie, der BBC. „Ich glaube, das ist ein wirklicher Durchbruch.“ Können Moskitos mit Mikrosporen nicht von Plasmodien befallen werden, müssen die Anopheles-Mücken nur mit Mikropilzen angesteckt werden, folgerten die Forscher: Auf diese Weise würde die Malariaerkrankung ausradiert. 


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Die Hoffnung wurde von einer weiteren Entdeckung verstärkt: Die Moskito-Mütter übertragen die Mikrosporen sogar auf ihre Kinder. Die Behandlung einer einzigen Generation an Weibchen würde also genügen. 

Ungewiss ist bislang jedoch noch, ob es sich bei der Entdeckung lediglich um ein regionales Phänomen handelt oder ob die Mikroben auch in anderen Regionen leben und dort auch andere Plasmodium-Arten vertreiben können. 

Die Krankheit wird nur von weiblichen, von Plasmodium-Parasiten befallenen Anopheles-Mücken übertragen. Der Parasit gelangt beim Stich des Moskitos über dessen Speichel in den menschlichen Blutkreislauf, wo er sich in den roten Blutkörperchen einnistet. Nach mehreren Verwandlungen und rasanter Vermehrung wird der Parasit als Gametozyt bei einem erneuten Stich von einem Moskito wieder aufgenommen – der Kreislauf beginnt aufs Neue. Da es für die Plasmodien mindestens 15 Grad warm sein muss, gibt es Malaria nur in den Tropen. 


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Im Schatten von Covid-19

Einen Durchbruch im Kampf gegen die Killerkrankheit könnte Afrika dringend brauchen. Seit beachtlichen Erfolgen zu Beginn des neuen Jahrtausends ist der Feldzug gegen die Mücken zum Stillstand gekommen. Die Parasiten haben gegen aus der Artemisia-Pflanze gewonnene Medikamente Resistenzen entwickelt; ein verheißungsvoller Impfstoff stellte sich inzwischen als Flop heraus; und auch die zu Millionen verteilten, mit Antimoskitomittel imprägnierten Moskitonetze versagen zunehmend den Dienst. Nachdem sie zunächst mehr als halbiert werden konnte, stagniert die Zahl der Malariatoten seit mehreren Jahren. 

Im Zug der Covid–19-Pandemie drohen beim Moskitofeldzug sogar Niederlagen. Die drei Milliarden US-Dollar, die der Staatengemeinschaft der Kampf gegen Malaria wert war, könnten teilweise für die Bekämpfung der Pandemie abgezweigt werden, fürchtet die WHO. Würde der Nachschub für die Malariakampagne unterbrochen, könne sich die Zahl der Toten schnell wieder verdoppeln, warnt die Weltgesundheitsbehörde.

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