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Mit drei guten Feen auf großer Tour
Viviane Vermeer (r.), Josée Martin (vorne) und Mischi Hudson (l.) begleiten Nadège Leprovost (M.) über die Ardennen.

Mit drei guten Feen auf großer Tour

Foto: Anouk Antony
Viviane Vermeer (r.), Josée Martin (vorne) und Mischi Hudson (l.) begleiten Nadège Leprovost (M.) über die Ardennen.
Panorama 4 Min. 10.05.2019

Mit drei guten Feen auf großer Tour

Die ALS-Patientin Nadège Leprovost bereitet sich auf Teilnahme am inklusiven Sportevent „TransArdenne Biking Heroes“ vor

von Birgit Pfaus-Ravida

Die Fondation Wonschstär erfüllt seit 2014 Herzenswünsche schwer kranker oder anderweitig benachteiligter Menschen. Nun werden drei weibliche Mitglieder der Stiftung Ende Mai mit der an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erkrankten Nadège Leprovost über die Ardennen fahren – mit Fahrrädern. „Nadège kann sich wegen ihrer Krankheit kaum mehr bewegen, schlecht sprechen und nur mühsam atmen – und es wird immer schlimmer. Wir helfen ihr bei der Tour und wechseln uns mit dem Spezial-Rad ab, mit dem wir sie fahren“, erzählt Viviane Vermeer, Präsidentin der Stiftung Wonschstär. Die 59-Jährige aus Ernster hat zwei gleichaltrige Freundinnen aktiviert, um sie und die 44-jährige Nadège auf der Tour zu begleiten. Denn es ist anstrengend, das große Rad mit dem Gewicht von zwei Menschen zu bewegen.

Erst Rafael Nadal

An diesem Nachmittag haben sich die drei Frauen zusammen mit Nadège im Rehazenter in Kirchberg eingefunden, wo sie sich und ihre Fahrräder für das Training vorbereiten, T-Shirts mit dem Logo der Stiftung überstreifen und ein passendes Fähnchen am Renngefährt befestigen. Um sie herum machen sich auch andere Teams bereit, um auf Kirchberg ihre Trainingsrunden zu drehen – denn das „TransArdenne Biking Heroes“-Rennen ist das erste seiner Art, das die Vereinigung „Back To Sport“ organisiert, um Behinderte und Nicht-Behinderte zusammen Sport treiben und schöne Erlebnisse haben zu lassen. „Es werden bestimmt knapp 30 Teams teilnehmen“, schätzt Organisator und Trainer Xavier Masson, gleichzeitig Physiotherapeut im Rehazenter.

Organisator Xavier Masson (in Blau) unterstützt weitere Teilnehmer bei den Vorbereitungen.
Organisator Xavier Masson (in Blau) unterstützt weitere Teilnehmer bei den Vorbereitungen.
Foto: Anouk Antony

Um ihn herum wird an den Rädern geschraubt, während Fahrer in den Sitzen der niedrigen Gefährte positioniert werden. Manche können sich trotz Erkrankung auch selbst auf die Räder heben. Die Menschen, die knapp über 200 Kilometer an drei Tagen vom 30. Mai bis zum 1. Juni meistern werden, sind total unterschiedlich. Genauso wie ihre Behinderungen und Schicksale. Die Stiftung Wonschstär ist hier sozusagen zwei Mal vertreten – einmal in Form von Nadèges Team und dann hat sie auch noch das 1 000-Euro-Startgeld für ein weiteres Team gestiftet, für Isabelle Wallers und ihre „Vier Muskeltiere“.

Sowohl Isabelle als auch Nadège sind dankbar und voller Vorfreude auf das Rennen. Und auch die drei Wonschstär-Feen sind hoch motiviert. „Ich treibe generell viel Sport und freue mich auf die Herausforderung“, sagt Josée Martin. Und auch Freundin Mischi Hudson ist gut gelaunt mit am Start. Sie unterstützen Nadège auch emotional. Eine Hand auf der Schulter von Nadège, redet Josée leise mit ihr. Auch, wenn man die 44-Jährige kaum mehr verstehen kann, weil auch die Muskeln rund um den Mund von den Lähmungen jener Krankheit betroffen sind, unter der auch Stephen Hawking litt. Die Frauen wirken vertraut, fast wie Freundinnen. Ein Team.


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„Uns ist es wichtig, den Leuten langfristig zu helfen. Nicht nur einen Wunsch erfüllen und wieder gehen. Wir wollen die Menschen begleiten“, sagt Viviane Vermeer. Sie hat die Fondation 2014 ins Leben gerufen. Sie selbst und ihre Familienmitglieder sind gesund und finanziell gut gestellt. Doch eine Freundin hatte viele Schicksalsschläge zu verkraften. „Ich habe sie unterstützt, und irgendwann dachte ich mir, dass ich gerne mehr tun würde – für mehrere Menschen, ob sie krank oder obdachlos sind. Manche ziehen das Unglück einfach an. Und da wollte ich etwas geben. Wo ich doch bisher auf der Sonnenseite des Lebens stehe“, sagt die 59-Jährige lächelnd.

Was Nadège angeht, haben Viviane Vermeer und die Stiftung ihr schon zwei Herzenswünsche erfüllt: Sie durfte mit ihrer Schwester und Mitgliedern der Stiftung zu einem Tennisturnier nach Paris reisen und ihren „Schwarm“ Rafael Nadal treffen. Der zweite große Wunsch von Nadège, die einst der Arbeit wegen nach Luxemburg gezogen war und hier krank wurde, jedoch trotzdem nicht nach Frankreich zurückkehren wollte: Sie wollte trotz der komplizierten Erkrankung in ihrer Wohnung bleiben und dort betreut werden. „Zusammen mit anderen Organisationen haben wir geschafft, dass das möglich ist“, sagt Vermeer nicht ohne Stolz.

Am Rehazenter in Kirchberg wird vor dem Training noch einmal Hand ans Equipment gelegt.
Am Rehazenter in Kirchberg wird vor dem Training noch einmal Hand ans Equipment gelegt.
Foto: Anouk Antony

Engel in der Not

Sie hat im Rahmen ihrer Tätigkeit schon vieles erlebt. In Zusammenarbeit mit der „Stëmm vun der Strooss“ erfüllte sie Weihnachten 2016 116 Wünsche von Obdachlosen in Esch/Alzette. „Wir haben mit jeder Person intensiv gesprochen. Die Wünsche waren ganz unterschiedlich. Einer, Jos, wollte einfach endlich eine neue Brille haben. Er hat nicht damit gerechnet, dass sein Wunsch dieses Mal wirklich erfüllt wird. Ihm war in seinem Leben schon so viel versprochen worden. Er konnte es kaum glauben, als wir wirklich beim Optiker waren und er die Brille bekam.“ Einer von vielen Wünschen.

Auch mit dem Rehazenter sind die Wonschstär-Mitglieder stets in Kontakt, helfen beim Besorgen besonderer Hilfsmittel wie etwa elektrischer Laufhilfen, die bis vor kurzem nicht von der Krankenkasse übernommen wurden. Dem schwer kranken sechsjährigen Rafael, der so gerne Architekt werden möchte, erfüllte die Stiftung den Wunsch, in seiner Schule einen Eiffelturm als Spielgerät auf dem Hof aufzustellen.

Finanziert wird das alles durch Spenden von Privatleuten und Firmen. „Manchmal stehen wir aber auch auf Märkten und verkaufen selbst gemachte Sachen“, erzählt Viviane Vermeer. Für sie sei es sehr wertvoll, den Menschen zu helfen. Ob mit einem Snoezelraum für SOS-Kinderdorf-Kinder oder eben einer Tour über die Ardennen. Die, ganz nebenbei, bestimmt auch für die sportiven Wonschstär-Feen zum unvergesslichen Erlebnis wird.

transardennebikingheroes.com / wonschstaer.lu


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