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Mit der Sonne um die Erde : „Solar Impulse 2“ am Ziel
Die Piloten Piloten Bertrand Piccard (r.) und Andre Borschberg freuen sich über das geglückte Abenteuer.

Mit der Sonne um die Erde : „Solar Impulse 2“ am Ziel

Foto: AFP
Die Piloten Piloten Bertrand Piccard (r.) und Andre Borschberg freuen sich über das geglückte Abenteuer.
Panorama 9 1 4 Min. 26.07.2016

Mit der Sonne um die Erde : „Solar Impulse 2“ am Ziel

Manon KRAMP
Manon KRAMP
Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Davon sind die Schweizer Flugpioniere Piccard und Borschberg überzeugt. Ihr grandioser Flug mit einem solarbetriebenen Flieger um die Erde setzt einen neuen Meilenstein.

Von Thomas Burmeister

(dpa) - Ein Traum geht in Erfüllung. Die 17. und letzte Etappe einer der größten fliegerischen Pionierleistungen ist beendet. Am Dienstag landete das Experimentierflugzeug „Solar Impulse 2“ von Kairo kommend in Abu Dhabi - wie immer ohne einen einzigen Tropfen Kerosin, angetrieben von Elektromotoren, deren Energiequelle allein die Sonne ist. In der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate am Persischen Golf hatte die große Mission der beiden Schweizer Forscher und Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg im März 2015 begonnen.

Bertrand Piccard und André Borschberg sind die treibenden Kräfte hinter dem „Solar Impulse“-Projekt. Piccard ist Vorsitzender des Unternehmens, Borschberg Geschäftsführer. Im Ein-Mann-Cockpit des Sonnenfliegers „Solar Impulse 2“ (Si2) haben sie sich von Etappe zu Etappe abgewechselt.

Bertrand Piccard (58): Er ist der Ideengeber des Projekts. Weltbekannt ist der in Lausanne geborene Forscher, Pilot und Psychiater mit Spezialgebiet Hypnosetherapie spätestens seit er 1999 mit dem Briten Brian Jones in einem Ballon im Non-Stop-Flug die Erde umrundete. Er ist Spross einer prominenten Forscherfamilie: Sein Großvater Auguste - ein Freund von Albert Einstein - stieg 1931 mit einem Ballon in die Stratosphäre auf. 1953 tauchte er mit Sohn Jacques - später Bertrands Vater - in einem eigens entwickelten U-Boot mehr als 3100 Meter unter der Meeresoberfläche.

André Borschberg (63): Er teilt mit Piccard die Leidenschaft für die Erforschung neuer Technologien und fliegerische Herausforderungen. Borschberg kam in Zürich zur Welt. Sein fliegerisches Können erwarb er sich nach einem Ingenieur- und Management-Studium als Kampfjet-Pilot bei der Schweizer Luftwaffe. Beide halten dank Flügen mit „Solar Impulse 2“ und dem Vorgänger-Modell mehrere Weltrekorde.

Die Technik des Sonnenfliegers

Die Flügelspannweite ist mit 72 Metern größer als bei einem Jumbojet - dennoch wiegt der Sonnenflieger „Solar Impulse 2“ („Si2“) dank extremer Leichtbauweise mit 2,3 Tonnen gerade so viel wie ein großes Auto. Angetrieben wird das Experimentalflugzeug aus Karbonfasern von vier Elektromotoren mit einer maximalen Leistung von je 15 Kilowatt.

Die Energie wird mit Hilfe von 17 248 äußerst dünnen Solarzellen auf den Riesenflügeln aus Sonnenlicht gewonnen und in Lithium-Batterien gespeichert. Das Cockpit des Ein-Personen-Fliegers ist gerade mal 3,8 Kubikmeter groß, verfügt aber immerhin über eine Toilette, einen einfachen Autopiloten und einen Business-Class-Sitz, der in ein Bett verwandelt werden kann.

Zudem messen Apparate ständig den Neigungswinkel der Maschine sowie das Aufmerksamkeitsniveau des Piloten und machen ihn notfalls per Alarm wach. Das ist auch nötig, denn wegen der geringen Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde bei einer maximalen Flughöhe von 8500 Metern können manche Flugetappen mehrere Tage und Nächte dauern.

Ging es bei der Erdumrundung ums Abenteuer oder was war Sinn und Zweck?

Das Abenteuer kam zwar nicht zu kurz. Man denke nur an die tage- und nächtelangen Ozeanüberflüge. Im Vordergrund stand aber die Vision von einer Welt, die aufhört, ihre eigenen Ressourcen zu verschlingen und auf erneuerbare Energien setzt. „Wir könnten auch am Boden die gleichen Technologien einsetzen, um den weltweiten Energieverbrauch zu halbieren, die natürlichen Ressourcen zu schonen und unsere Lebensqualität zu verbessern“, erklärten Piccard und Borschberg. Ihr „Solar Impulse“-Projekt haben sie mit der Umweltkampagne „Die Zukunft ist sauber“ verbunden.

  • Wie funktioniert der Sonnenflieger?

Angetrieben wird das aus Karbonfasern gebaute 2,3 Tonnen schwere Flugzeug von vier Elektropropellern. Die beziehen ihre Energie aus 17 248 Solarzellen. Damit die Maschine nicht in der Dunkelheit vom Himmel fällt, wird Sonnenenergie in Batterien gespeichert. Viele technische Komponenten wurden in der zwölfjährigen Vorbereitungsphase eigens für diese Maschine entwickelt und gebaut. Der Flieger hat eine Spannweite von 72 Metern, also mehr als ein Jumbo Jet.

  • Sind diese Innovationen in anderen Bereichen nutzbar?

Mehrere Unternehmen - vor allem die Sponsoren von „Solar Impulse 2“ - wollen sie serienreif machen. So sind die Solarzellen auf den Tragflächen extrem dünn und flexibel, so dass sie auch an gekrümmten Oberflächen verwendet werden können. Bei den effizienten Batterien und Elektromotoren gibt es Wechselwirkungen mit der Forschung für Elektro-Autos.

Die sehr leichten Kunststofffenster des Fliegers aus Polycarbonat könnten helfen, das Gewicht von Autos - und damit den Kraftstoffverbrauch - zu verringern. Die Liste interessanter Ideen und Lösungen ist weit länger.

  • Wann wird es die ersten Sonnenkraft-Passagiermaschinen geben?

Bestimmt nicht in diesem Jahrhundert, vielleicht nie. Alle Experten - auch Piccard und Borschberg - sind sich einig, dass angesichts der geringen Antriebsleistung und Fluggeschwindigkeit, die mit Solarenergie erreichbar ist, damit keine größeren Maschinen in die Luft gebracht werden können. Das war auch nie die Absicht. Dass aber eines Tages Passagierflugzeuge mit Elektromotoren unterwegs sein könnten, hat auch „Solar Impulse 2“ bestätigt.

  • Und wie würde das dann funktionieren?

Die Energiequelle für E-Flugzeuge würde nicht die Sonne sein, sondern zum Beispiel ein Hybrid aus Wasserstoffbrennzellen und Hochleistungsbatterien. Daran wird in mehreren Ländern gearbeitet. Vielversprechend erscheint der Elektro-Flieger „HY4“, der im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt wird. Der Prototyp soll Ende September mit einem Piloten und drei Passagieren von Stuttgart aus zum Jungfernflug starten. DLR-Experten gehen davon aus, dass 20-sitzige Passagiermaschinen mit Wasserstoffbrennzellen in 15 Jahren und 70-Sitzer in 20 Jahren unterwegs sein könnten.


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