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Mit Blitz und Donner
Panorama 1 2 Min. 15.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Mit Blitz und Donner

Jörg Kachelmann veröffentlichte 2012 eine Biografie mit dem Titel „Recht und Gerechtigkeit. Ein Märchen aus der Provinz.“

Mit Blitz und Donner

Jörg Kachelmann veröffentlichte 2012 eine Biografie mit dem Titel „Recht und Gerechtigkeit. Ein Märchen aus der Provinz.“
Foto: dpa
Panorama 1 2 Min. 15.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Mit Blitz und Donner

Einst galt Jörg Kachelmann als Liebling der deutschsprachigen Fernsehwelt. Witzig und unkonventionell verkündete er in den ARD-Tagesthemen seine Wetterprognosen. Ein Skandal brachte den Schweizer, der am Sonntag Geburtstag feiert, jedoch zu Fall.

von Rainer Holbe

An seinem Geburtstag kann Kachelmann auf ein turbulentes Leben zurückblicken: Als Sohn eines deutschen Bahn-Inspektors wurde er im fränkischen Lörrach geboren. Zur Schule ging er im schweizerischen Schaffhausen. Schon früh erwarb er auch das Bürgerrecht des Alpenstaates.

Bereits als Kind wollte er Meteorologe werden, doch dann zog es ihn zum Journalismus. Er wurde Chefredakteur der Zeitung "Sonntagsblick", mischte in der MDR-Sendung "Riverboat" mit, scheiterte mit dem Versteckte-Kamera-Plagiat "Vorsicht, Blöff" und erlebte eine schmerzhafte Niederlage, nachdem ihn die ARD als Nachfolger für den beliebten Hans-Joachim Kulenkampff in dem Klassiker "Einer wird gewinnen" aufstellte. Nach vier Sendungen wurden der überforderte Moderator und das Publikum erlöst.

Dem Schweizer, der in Zürich Meteorologie, Geologie, Physik und Mathematik studiert hatte, blieb nach den Niederlagen immer noch das Wetter: Er errichtete den ersten privaten Wetterdienst Europas, der über zahlreiche Messstationen auf dem Kontinent verfügte, und wurde mit seiner lockeren Art zum beliebtesten ARD-Wetterfrosch aller Zeiten.

Eine Affäre mit Folgen

Claudia D., eine ehemalige Geliebte, zeigte den Moderator im Jahr 2010 an. Der Vorwurf: Vergewaltigung. Die Polizei nahm ihn daraufhin in Gewahrsam, das Medienecho folgte prompt. Im Prozess verstrickte sich die Frau jedoch in Widersprüche. Auch ein Gutachten konnte das angebliche Verbrechen nicht bestätigen, so dass das Landgericht Mannheim schließlich einen Freispruch verkündete.

Immer wieder sorgten jedoch Justiz und Medien in den Folgejahren dafür, dass die Zweifel an Kachelmanns Unschuld weiterkeimten. Er verklagte zahlreiche Publikationen, die falsch berichteten oder seine Privatsphäre missachteten. Ein Gericht sprach ihm eine außergewöhnlich hohe Entschädigungssumme zu, weil Artikel in der Boulevardpresse seine Persönlichkeitsrechte verletzt hatten. Schließlich ging Kachelmann auch gegen das angebliche Opfer vor – formal wegen Gutachterkosten, die Claudia D. ihm erstatten sollte.

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Noch heute kämpft Jörg Kachelmann um seinen guten Ruf. Doch kaum jemand interessiert sich dafür. Zuletzt hatte der Schweizer einen Rechtsstreit gegen die „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer verloren, von der er sich in einem ihrer Artikel zur #Metoo-Debatte diffamiert sah.

Nach der Trennung vom Sender ARD ist Kachelmann seit einiger Zeit wieder mit einer eigenen Wetter-Plattform im Internet zu finden. Auch wurde der Schweizer vom Nachrichtenmagazin "Spiegel Online" so weit rehabilitiert, dass er dort regelmäßig das Wetter erklären darf. Es sind keine Vorhersagen im üblichen Sinne: Eher beschreibt er, wie ein Gewitter entsteht, was ein Sturmgebraus mit uns macht und ab wann die Meteorologen von einer Hitzeperiode sprechen.

Der Fachmann selbst kann einem reinigenden Gewitter, bei dem es blitzt und donnert, einiges abgewinnen, wie er in einem Interview erklärte. Seinen Ruf wiederherstellen, das vermag ein solches jedoch nicht.


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