Mike McQuaide: Dieser Auf-und-Ab-„Hoya-hiya-uge-hoya“-Klang
Interview: Lisa Urbé
Herr McQuaide, dank Ihrer Facebook-Seite „An American in Luxembourg“ und den Kolumnen für die englischsprachige Webseite des „Luxemburger Wort“ wurden Sie hierzulande zu einer Internetberühmtheit. War das Ihr Plan?
Nein, überhaupt nicht. Die Facebook-Seite war im Grunde nur für meine Freunde in den USA gedacht, um ihnen über mein neues Leben in Europa zu berichten. Aber die Seite wurde durch Mundpropaganda plötzlich sehr populär in Luxemburg. Fremde Menschen schrieben auf einmal Kommentare auf Luxemburgisch. Anfangs dachte ich noch: „Wer sind all diese Leute – und was sagen sie?“ Aber ich habe das Ganze nach kurzer Zeit sehr begrüßt, weil viele mir Tipps gegeben haben, welche Orte ich unbedingt besuchen muss.
Bislang waren Sie hauptsächlich im Internet präsent. Warum nun das Buch?
Das Projekt hat mich gereizt, weil Bücher eine Beständigkeit haben, mit der Internetinhalte nicht mithalten können. Wenn man dort etwas nicht rechtzeitig liest, verpasst man es.
Sie sind 2013 aufgrund eines Jobwechsels Ihrer Frau mit ihr hierher gezogen. Ein Kulturschock?
Nein. Die Vereinigten Staaten und Luxemburg sind beides westliche Länder. Aber die Dinge in Luxemburg sind definitiv schöner. Es ist, als würde man in die reiche Nachbarschaft ziehen und dies ist nicht im negativen Sinne gemeint. Es gibt sichere Straßen, schöne Brücken und gute Infrastrukturen.
Glaubt man Ihren Anekdoten, scheinen Sie mit der Landessprache jedoch so Ihre Probleme zu haben ...
Für mich klingt Luxemburgisch etwas weinerlich, und es gibt diesen ständigen Auf-und-Ab-„Hoya-hiya-uge-hoya“-Klang. Für mich das Schwierigste beim Lernen ist aber die Deklination der Wörter. Ein Hemd ist männlich, eine Hose weiblich. Das macht für mich überhaupt keinen Sinn, aber ich mache Fortschritte. Ich kann jetzt die Nachrichten schauen und verstehe viel mehr als letztes Jahr.
Sie haben bereits einige luxemburgische Politiker und Athleten getroffen. Wie war das für Sie?
Es ist erstaunlich, wie zugänglich alle sind. Auf dem Markt läuft man samstags Xavier Bettel über den Weg, während Andy Schleck gelassen in seinem Fahrradladen arbeitet. Als ich Andy zum ersten Mal getroffen habe, war ich aufgeregt wie ein Fanboy. Schließlich hatte ich ihn bis dahin nur im Fernsehen gesehen. Und dann sagt er auch noch zu mir: „Lass uns zusammen radeln gehen!“ In den USA ist so etwas aus Sicherheitsgründen nicht denkbar. jeder könnte eine Pistole tragen. Wenn man berühmt ist, hat man deshalb immer seine Leibwächter dabei.
Apropos Radfahren: Sie haben doch sicher eine Lieblingsstrecke ...
Hm, normalerweise ist das immer die Strecke, die ich als letztes gefahren bin. Seit einer Weile bin ich oft im Ösling unterwegs und jedes Mal bin ich der Überzeugung: „Dies ist meine neue Lieblingsstrecke!“ Doch dann radle ich an der Mosel entlang und ändere meine Meinung schlagartig. Aber egal, wo man unterwegs ist: Im Gegensatz zu vielen Holperstrecken in den USA sind die Straßen hierzulande top.
Veranstaltungstipp
Am Mittwoch um 17.30 Uhr wird Mike McQuaide sein Buch „An American in Luxembourg“ im „Luxemburger Wort“ in Gasperich (2, rue Christophe Plantin) präsentieren. Der Autor wird aus seinem Werk vorlesen, es signieren und die Anwesenden mit einem Lied bei Laune halten. Der Eintritt ist frei.