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„Miami University“ in Luxemburg wird 50
Panorama 24 4 Min. 10.10.2018

„Miami University“ in Luxemburg wird 50

Panorama 24 4 Min. 10.10.2018

„Miami University“ in Luxemburg wird 50

Nicole WERKMEISTER
Nicole WERKMEISTER
Eine besondere Ehre wurde am Mittwochabend Erbgroßherzog Guillaume erwiesen: Die Luxemburger Dependance der „Miami University“ in Differdingen verlieh ihm anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens einen Ehrendoktortitel.

Die Luxemburger Dependance der „Miami University“ – aufgrund ihres Gründungsmitglieds benannt als „Miami University Dolibois Europäisches Zentrum“ (MUDEC) – mit Sitz in Differdingen feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Besonders geehrt wurde Erbgroßherzog Guillaume: Ihm wurde am Mittwochabend ein Ehrendoktortitel verliehen. 

Zu den Feierlichkeiten in Luxemburg war auch der Präsident der Universität, Gregory P. Crawford, aus den USA angereist. Er hatte sich im Vorfeld der Abschlusszeremonie Zeit für ein Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“ genommen.

Gregory Crawford, wie kam es 1968 zur Gründung einer Niederlassung der „Miami University“ in Luxemburg?

Die Idee, an deren Umsetzung insbesondere der in die USA ausgewanderte Luxemburger John E. Dolibois (Anm. d. R.: US-Botschafter in Luxemburg von 1981 bis 1985) beteiligt war, war den Umständen der Zeit geschuldet. Die zurückliegende Geschichte des Zweiten Weltkriegs, aber auch die politischen Geschehnisse der späten 1960er-Jahre erforderten in den Augen vieler Führungsmitglieder der Universität einen grenzüberschreitenden Austausch, um das Ziel einer liberalen, weltoffenen Bildung zu erreichen. Unter den europäischen Ländern, die hierfür infrage kamen, entschied man sich durch das große Engagement von John Dolibois, aber auch aufgrund der zentralen Lage des Landes innerhalb Europas, schließlich für Luxemburg. Eine sehr gute Wahl, wie sich herausstellte.

Der Hauptsitz der Universität ist in Oxford, Ohio, angesiedelt – und nicht in Miami, Florida, wie der Name vermuten lässt. Woher stammt die Bezeichnung „Miami“ dann?

Unsere Universität wurde bereits 1809 gegründet. Da gab es die Stadt Miami noch gar nicht. Namensgeber war ein indigenes Volk, das in der Gegend beheimatet ist, die „Myaamia“. Die Namensgebung war als Zeichen des Respekts vor ihrer Kultur und der Idee des miteinander Lernens gedacht – etwas das wir auch heute noch pflegen. Unter unseren Studierenden befinden sich derzeit zehn Nachfahren dieses indianischen Stammes, und wir fördern das Weiterleben ihrer Kultur mit einem speziellen Programm, das auch Kurse zum Erlernen ihrer Sprache beinhaltet.

Gregory P. Crawford, Präsident der „Miami University“, ist überzeugt vom Standort Luxemburg und mag ebenfalls die einheimische Kost.
Gregory P. Crawford, Präsident der „Miami University“, ist überzeugt vom Standort Luxemburg und mag ebenfalls die einheimische Kost.
Foto: Anouk Antony

Haben Ihre Studenten schon einmal von Luxemburg gehört, bevor sie zu Ihnen kommen?

Sie hören definitiv davon, wenn sie sich nach einem Studienplatz umsehen. Denn das Austauschprogramm zählt zu einem unserer Alleinstellungsmerkmale, die wir bei der Präsentation der Universität deutlich herausstellen. Die Möglichkeit, im europäischen Ausland zu studieren und Praktika in namhaften Unternehmen zu absolvieren, ist an sich schon attraktiv. Das Großherzogtum Luxemburg bietet zudem auf kleinstem Raum ein multikulturelles Miteinander, wie man es sonst nirgends findet.

Welche Studiengänge bietet Ihre Universität an?

Wir haben insgesamt 140 Hauptstudienfächer im Programm. Unser Campus beinhaltet sechs verschiedene Fakultäten für die Bereiche Natur- und Geisteswissenschaften, angewandte Kunst, Architektur, Ingenieurwesen, Landwirtschaft sowie Erziehungs- und Sozialwesen.

Welche Studenten können einen Auslandsaufenthalt in Luxemburg wahrnehmen?

Grundsätzlich alle, Voraussetzung ist lediglich ein gutes Leistungsniveau sowie die Belegung von Deutsch- oder Französischkursen über mindestens zwei Semester. Ein spezielles Lehrangebot am Campus in Differdingen bieten wir zusätzlich für die Bereiche Kunst und Erziehung an.

Wie lange dauert ein solcher Studienaufenthalt in Luxemburg?

Früher ein ganzes Jahr. Heute bieten wir die Auslandsaufenthalte per Semester an. Die Studenten verbringen also wahlweise das Frühjahr oder den Herbst im Großherzogtum. Zusätzlich werden sogenannte „Summer Courses“ angeboten, die während der Ferien einige Wochen andauern. Diese können separat im Anspruch genommen werden und beinhalten Praktika in verschiedenen Technologie- und Wirtschaftsunternehmen, die mit der Universität kooperieren. Viele Studenten, die das Semester im Frühjahr für einen Aufenthalt gewählt haben, nutzen die Gelegenheit, um diesen den Sommer über zu verlängern.

Wie hoch ist die Anzahl der„Miami“-Studierenden in Luxemburg pro Jahr?

Insgesamt kommen jährlich etwa 300 Studenten nach Differdingen. Von unseren 16 000 „Undergraduates“ nutzt grundsätzlich fast die Hälfte die Gelegenheit für ein Auslandssemester.

Wo wohnen die Studierenden während ihres Aufenthalts hier im Land?

Bei Gastfamilien. Das ist ein sehr entscheidender Punkt, der ganz sicher auch zum Gelingen dieses nun 50 Jahre währenden Programms beiträgt. Es ist für mich, der ich erst seit zwei Jahren Teil der Universitätsgemeinschaft bin, sehr beeindruckend wie lange die durch diesen Austausch entstandenen Freundschaften andauern und gepflegt werden. Bei unseren Feierlichkeiten kamen Alumni mit Gastfamilien zusammen, die sie vor zehn oder gar 20 Jahren während ihres Aufenthalts kennengelernt hatten.

Gibt es außer den Gastfamilien weitere Bemühungen zur Integration der Studierenden hier?

Ja, im engen Austausch mit verschiedenen Einrichtungen im Land leisten viele unserer Studentinnen und Studenten ehrenamtliche Arbeit – beispielsweise für das Rote Kreuz, in einem therapeutischen Zentrum oder in der Flüchtlingsbetreuung. Denn auch das soziale Miteinander ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Überzeugung, die wir auch außerhalb des Lehrplans vermitteln möchten.

An Ihrer Universität gibt es das Sprichwort „Nach Luxemburg wirst Du nicht mehr derselbe sein.“ Wie ist das gemeint?

Dieser Ausdruck wurde von Studenten geprägt, die diese Auslandserfahrung gemacht haben. Und wenn wir zurückkehrende Studenten und Studentinnen fragen, hören wir häufig Begriffe wie „Augen öffnend“ und „transformierend“. Das freut uns natürlich, denn es geht uns darum, den ganzen Menschen zu bilden.

Gibt es bekannte Luxemburger unter den Absolventen in den USA?

Ja, einer, der hierzulande recht bekannt sein dürfte, ist Georges Lentz, CEO der Brauerei Bofferding, der noch immer sehr eng mit der „Miami University“ verbunden ist – und aus seiner positiven Erfahrung heraus einer unserer wichtigsten Fürsprecher im Großherzogtum ist.

Wie viele Ihrer Absolventen stammen aus Luxemburg?

Bis jetzt hatten wir insgesamt 150 Studenten aus Luxemburg. Im laufenden Semester sind es sechs.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Besuch im Großherzogtum?

Ja, das ist noch nicht so lange her. Das war im Mai 2017 – und ich war von Anfang an begeistert. Ich habe bereits ein gutes Jahr in den Niederlanden gelebt, aber hier fand ich es ausgesprochen schön. Ganz besonders liebe ich natürlich die landestypischen Gerichte wie die „Kniddelen“.




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