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Mensch-Tier-Wesen: Team in Japan darf menschliche Organe in Tieren züchten
Panorama 2 Min. 01.08.2019

Mensch-Tier-Wesen: Team in Japan darf menschliche Organe in Tieren züchten

Ein Rattenembryo. Japanische Forscher dürfen mit der Züchtung von menschlichen Organen in Tieren beginnen.

Mensch-Tier-Wesen: Team in Japan darf menschliche Organe in Tieren züchten

Ein Rattenembryo. Japanische Forscher dürfen mit der Züchtung von menschlichen Organen in Tieren beginnen.
Foto: Science Pictures ltd/SPL/dpa
Panorama 2 Min. 01.08.2019

Mensch-Tier-Wesen: Team in Japan darf menschliche Organe in Tieren züchten

Japanische Forscher dürfen mit der Züchtung von menschlichen Organen in Tieren beginnen.

(dpa) - Das zuständige Gremium des Wissenschaftsministeriums segnete den Beginn der Forschung mit menschlichen Stammzellen ab, die in Tierembryonen eingepflanzt und von den Tieren ausgetragen werden sollen, wie Ayako Maesawa, Direktorin beim Ministerium in Tokio, am Mittwoch der dpa bestätigte. Die Erlaubnis bezieht sich jedoch nur auf ein Forschungsprojekt der Universität Tokio. Ziel der Forschung insgesamt ist es, später einmal Menschen zu helfen, die bisher vergeblich auf eine Organspende warten.

Ein Forscherteam der Universität Tokio will nun in Embryos von Nagern sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) einpflanzen. Die Embryos seien genmanipuliert, sodass sie keine eigene Bauchspeicheldrüse haben werden. Es sei zu erwarten, dass die heranwachsenden Föten eine Bauchspeicheldrüse aus den menschlichen iPS-Zellen haben werden, so die Ministeriumssprecherin.

Foto: Pixabay

Die Föten sollen von den Tieren ausgetragen werden. Während der Schwangerschaft solle auch herausgefunden werden, ob sich auch woanders im Körper der Tiere menschliche Stammzellen verbreiten, so Maesawa. Bislang waren Wissenschaftler in Japan dazu verpflichtet, Tierembryonen mit menschlichen Zellen spätestens nach 14 Tagen zu töten. 


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Zugleich sollen iPS-Zellen auch in Embryonen von Affen und Schweinen eingepflanzt werden. Diese sollen jedoch nicht von den Tieren ausgetragen werden. Man wolle lediglich die Embryos züchten, um herauszufinden, zu wie viel Prozent sie aus iPS-Zellen bestehen.

Bis zum Frühjahr dieses Jahres war es in Japan verboten gewesen, solche Föten austragen zu lassen. Dahinter hatten ethische Bedenken bestanden, dass Mischlinge aus Mensch und Tier entstehen könnten. Das Wissenschaftsministerium hob jedoch Einschränkungen für das Einpflanzen menschlicher Stammzellen in Tieren auf. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass ein solches Risiko, Mensch-Tier-Chimären entstehen zu lassen, technisch bei Null liege, hieß es dazu.

Experten sehen japanische Forschung gelassen

Einige Wissenschaftler sehen Versuche in Japan, menschliche Organe in Tieren zu züchten, gelassen. Ethisch werde mit den Plänen der Forschenden in Japan keine rote Linie überschritten, sagte die Medizinethikerin Christiane Woopen von der Uniklinik Köln im Deutschlandfunk.

Bei Mischwesen rege sich zwar ein ungutes Gefühl, aber man müsse sich nach den Argumenten fragen, sagte Woopen. Es komme darauf an, dass man keine Artüberschreitung mache und die spezifischen Charakteristika sich verunklarten. Wenn ein Schwein plötzlich Goethe-Gedichte zitiere, wäre eine eindeutige ethische Grenze überschritten.

Aber in Japan wolle man so weit nicht gehen. Woopen sagte, sie halte das vorsichtige Vorgehen der Japaner für vertretbar. Auch fundamentalen Prinzipien des Ethikrates widerspreche das Unterfangen nicht. Man müsse beobachten, was aus den Zellen werde, damit keine Fähigkeiten im Tier entstünden, die sonst nur bei Menschen vorkämen.

Der Molekularmediziner Eckard Wolf hält das Vorgehen der japanischen Forscher für nicht aussichtsreich. Im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2) sagte er: "Am Ende des Tages glaube ich, dass das kein sehr aussichtsreiches Vorgehen ist. Denn letztlich ist die Entstehung eines Organs ein sehr komplexer Prozess, der darauf basiert, dass sich eben verschiedene Zelltypen miteinander austauschen."


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