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„Mein Verständnis für Impfgegner ist gering“
Panorama 1 5 Min. 15.11.2021
Natalia Wörner im Interview

„Mein Verständnis für Impfgegner ist gering“

Die Ärztin Carolin Mellau (Natalia Wörner, r.) sitzt mit Petra Bollmann (Bettina Stucky, l.) zusammen. Sie unterhalten sich über die Pandemie.
Natalia Wörner im Interview

„Mein Verständnis für Impfgegner ist gering“

Die Ärztin Carolin Mellau (Natalia Wörner, r.) sitzt mit Petra Bollmann (Bettina Stucky, l.) zusammen. Sie unterhalten sich über die Pandemie.
Foto: ZDF und PATRICK PFEIFFER
Panorama 1 5 Min. 15.11.2021
Natalia Wörner im Interview

„Mein Verständnis für Impfgegner ist gering“

Natalia Wörner spricht im Interview über ihre Covid-19-Infektion und ihre TV-Rolle als Klinikärztin in der Corona-Krise.

Ein Virus hält die Welt in Atem: Anfang 2020 wurden die ersten Corona-Infektionen gemeldet, im März legte der erste Lockdown das öffentliche Leben still. Das TV-Drama „Die Welt steht still“ (am Montag, 15. November um 20.15 Uhr im ZDF) rekonstruiert den Anfang der Pandemie und die Unerfahrenheit im Umgang damit. Schauspielerin Natalia Wörner verkörpert in dem Fernsehfilm eine Konstanzer Intensivmedizinerin, die als Klinikärztin um das Leben von Covid-19-Patienten kämpft.

Interview: Cornelia Wystrichowski

Natalia Wörner, in „Die Welt steht still“ spielen Sie eine Intensivmedizinerin in der Corona-Krise. Ist der Film ein Denkmal für das medizinische Personal und die Pflegekräfte in dieser Zeit?

Ich würde es lieber eine Würdigung nennen. Die Dreharbeiten haben meinen Blick für die Nöte, Belange und Risiken in den Kliniken sensibilisiert und mir klar gemacht: Diese Berufsgruppe hat Unfassbares geleistet. Diese Menschen sollen sich in dem Film wiederfinden und eine Würdigung erleben, die nach meinem Empfinden in Politik und Gesellschaft zu kurz kommt.

Die Handlung spielt im Frühjahr 2020…

Wir haben den Film quasi in Echtzeit entwickelt, parallel mit dem Fortschreiten der Pandemie. Schon im Frühjahr 2020 fingen wir mit den Entwürfen für das Drehbuch an, da gab es bereits das Beifallklatschen für die Pflegekräfte. Eine meiner engsten Freundinnen, Laelia Rösler, ist Ärztin. Zu Beginn der Pandemie war ich gleich mit ihr im Austausch, weil ich ihre Meinung schätze, und ich bat sie bei unserem Film als Fachkraft dazu.

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Damit die medizinischen Aspekte korrekt sind?

Ja, sie hat mir zur Vorbereitung an den Wochenenden in einem leerstehenden Krankenhaus alles Wichtige für die Rolle beigebracht, zum Beispiel das Intubieren, und saß bei den Dreharbeiten mit unserem Regisseur Anno Saul hinter dem Monitor, hat jede einzelne Szene kommentiert, korrigiert und so weiter. Sie hat uns nonstop begleitet, und einen solchen Film kann man auch nur machen, wenn man jemanden zur Seite hat, der genau weiß, um was es geht und wie es geht.

Wir alle wollen doch unser normales Leben zurück. Das geht nur durch eine Gesamtleistung der Gesellschaft.

Sie haben die Intensivmedizinerin Laelia Rösler 2004 kennengelernt, als Sie die Tsunami-Katastrophe überlebt haben…

Die Geschichte mit Laelia und mir ist die Geschichte einer sehr speziellen, schönen Frauenfreundschaft. Wir haben uns 2004 in Thailand kennengelernt, wir waren kurz vor dem Tsunami im selben Hotel. Die Röslers sind dann nach Hause nach Kiel gereist und ich bin in den Tsunami reingefahren. Sie haben von Deutschland aus recherchiert, wie es mir geht, und Kontakt mit mir in Thailand aufgenommen. Später haben wir zusammen den Verein „Tsunami Direkthilfe“ gegründet, und die Freundschaft ist seither geblieben.

Die Corona-Krise wurde schon oft mit einem Tsunami verglichen. Haben Sie sich persönlich an das damalige Ereignis erinnert gefühlt?

Ich verstehe zwar die sprachliche Symbolkraft, aber ich kann die Pandemie nicht wirklich mit dem Erlebnis vergleichen, bei einer Naturkatastrophe mittendrin zu sein.

Wir wollen mit dem Film erreichen, dass jeder seine eigenen Erfahrungen abgleichen kann.

Die Ärztin, die Sie spielen, erkrankt schließlich selbst an Covid. Haben Sie sich auch mit dem Virus angesteckt?

Ja, ich hatte Corona. Ganz am Anfang der Pandemie trat bei mir die merkwürdige Situation ein, dass ich sehr krank wurde und mehrfach getestet wurde, das Ergebnis aber immer negativ war. Man sagte mir, es sei eine Bronchitis. Es war aber nicht Bronchitis, sondern Covid, was ich jedoch erst später erfuhr, als ich eine Blutuntersuchung machen ließ und die Antikörper nachgewiesen wurden.

Wie schwer war der Verlauf bei Ihnen?

Der Verlauf war so, dass ich nicht ins Krankenhaus musste, aber es war rückblickend schon ein Schock. Inzwischen bin ich wieder völlig gesund.

Was ist Ihre Meinung über Impfgegner?

Mein Verständnis ist da relativ gering. Wir alle haben doch begriffen, dass Corona unser Leben auch in Zukunft beeinflussen wird. Aber wir alle wollen doch unser normales Leben zurück. Das geht nur durch eine Gesamtleistung der Gesellschaft, das ist doch eigentlich klar. Desto unverständlicher ist es für mich, dass Impfangebote nicht wahrgenommen werden.

Auf der Station der von Ihnen gespielten Ärztin landet ein Impfgegner und unbelehrbarer Coronaleugner…

Wir wollen mit dem Film erreichen, dass jeder seine eigenen Erfahrungen abgleichen kann. Deshalb gibt es auch eine klassische Coronaleugner-Figur. Alles, was zur Debatte anregt, finde ich gut.


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Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.
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Der Film wurde im März 2021 in Konstanz und Umgebung im Lockdown gedreht. Das war sicherlich nicht unkompliziert. Sie durften ja zum Beispiel nicht in einer Klinik bei laufendem Betrieb drehen...

Die Klinik, in der wir drehen konnten, stand wegen Umbauarbeiten leer, sonst wäre das gar nicht gegangen. Insgesamt muss ich sagen: Mich haben selten Dreharbeiten so mitgenommen wie diese. Wir haben unter den Pandemiebedingungen gedreht, das ist per se anstrengend und mühsam. Und wir haben ja zeitversetzt von den Anfängen der Krise erzählt, zu einem Zeitpunkt, als der Impfstoff gerade da war und es um die Priorisierung ging. Es war eine Form von emotionaler und mentaler Disziplin, die sehr anstrengend war. Zum Glück war Konstanz ein sehr dankbarer und freundlicher Drehort.

Warum eigentlich ausgerechnet Konstanz?

Nun, die Tochter unserer Autorin Dorothee Schön ist Intensivmedizinerin in Konstanz. Wir wollten diese Geschichte zudem ganz bewusst in einer kleinstädtischen Atmosphäre ansiedeln. Die Familie, um die es geht, ist sehr nahbar: Die Frau ist Medizinerin, der Mann ist Musiker und hat als freischaffender Künstler plötzlich keine Aufträge mehr, sie haben zwei Kinder, die nicht mehr in die Schule dürfen. Alle Probleme, die es in dieser Phase der Pandemie gab, die Schockmomente, diese Vollbremsung, werden da erzählt.

Sie stammen aus Stuttgart, der Film wurde am Bodensee gefilmt. Konnten Sie es trotz des traurigen Themas genießen, in Ihrer süddeutschen Heimat zu drehen?

Ich konnte meine Mutter zwischenzeitlich besuchen, das war toll. Aber ich muss ehrlich sagen: Ungeachtet meiner Liebe zur Heimat war Genuss während dieser Dreharbeiten ein Fremdwort für mich.

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