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Mehr als nur müde: Krebs und „Fatigue“
Eine Mehrzahl der Krebspatienten leidet an Schlafstörungen.

Mehr als nur müde: Krebs und „Fatigue“

dpa-tmn
Eine Mehrzahl der Krebspatienten leidet an Schlafstörungen.
Panorama 2 Min. 11.10.2014

Mehr als nur müde: Krebs und „Fatigue“

Schlaf Dich einfach mal so richtig aus! So lautet der Standardratschlag an Menschen, die aus dem Gähnen einfach nicht mehr herauskommen wollen. Doch was, wenn sogar ein tiefer Schlaf von zehn Stunden nicht mehr zu einem Erholungswert führt?

Von Julie Henkel

Krebspatienten können ein Lied davon singen, denn chronische Müdigkeit – im Fachjargon auch „Fatigue“ genannt – ist eine der häufigsten und sehr unangenehmen Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung.

Bei einer „Fatigue“ handelt es sich nicht um eine vorübergehende Phase der Abgeschlagenheit oder Energielosigkeit, Fatigue ist vielmehr ein anhaltender Erschöpfungszustand, der sich auch mit Schlaf nicht bessert. Sie beeinträchtigt das Lebensgefühl, den Alltag sowie die Beziehungen zu Angehörigen und Freunden.

Die Symptome gehen weit über eine reine Müdigkeit hinaus: Die Patienten verfügen nur noch über eine geringe körperliche Belastbarkeit, sie leiden unter Konzentrationsstörungen, Motivationsmangel, Reizbarkeit oder Störungen des Kurzzeitgedächtnisses.

Belastung für Kopf und Körper

Die Angst, eventuell nicht wieder genesen zu können, führt häufig zu einer Depression, und die Schwierigkeit, den Alltag zu bewältigen hat oft einen Rückzug aus der Gesellschaft zur Folge.

Etwa 80 Prozent der Betroffenen leiden während oder kurz nach der Krebsbehandlung unter einer akuten Fatigue, bei etwa 40 Prozent der Patienten hält der Erschöpfungszustand über Wochen, manchmal sogar über Monate hinweg an, selbst wenn die Behandlung bereits abgeschlossen ist. Dann spricht man von einer chronischen „Fatigue“.

Diese chronische Müdigkeit bei Krebspatienten kann verschiedene Ursachen haben: Zum einen die Krankheit selbst, sie kann aber auch als Begleiterscheinung unterschiedlicher Behandlungen wie Chemotherapie oder Bestrahlungen auftreten. Diese Therapien greifen meist nicht nur Krebsgewebe an, sondern schädigen auch gesunde Zellen.

Oftmals kommt es somit zu einer Veränderung des Blutbilds, was sich in verminderter Abwehrbereitschaft des Körpers, erhöhter Blutungsneigung oder Reduktion der roten Blutkörperchen, einer so genannten Anämie, äußern kann. Eine Anämie zieht wiederum die Unterversorgung der Organe mit Sauerstoff und somit eine Schwächung des ganzen Organismus nach sich.

Medikamente und Therapie

Auch Stoffwechselstörungen oder Medikamente können eine Fatigue auslösen. Als ein weiterer Grund für die chronische Müdigkeit wird ebenfalls häufig die psychische Belastung, die mit einer Krebserkrankung einhergeht, genannt. Schmerzen sowie depressive Verstimmungen verstärken den Effekt. „Fatigue“ ist eine enorme Belastung für die Patienten, deshalb sollte sie nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn man kann durchaus etwas dagegen tun. Es gibt eine Reihe organischer Gründe für die chronische Müdigkeit, die sich medikamentös behandeln lässt.

Können organische Gründe ausgeschlossen werden, sollte sich die Therapie danach richten, welcher Bereich des täglichen Lebens besonders beeinträchtigt ist: die körperliche Leistungsfähigkeit, das seelische Befinden oder die geistigen Fähigkeiten. Krebspatienten sollten sich daher nicht scheuen, gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt eine individuelle, auf ihr Problem zugeschnittene Therapie zu finden.

Die nächste Ausgabe des „Atelier Psycho-Oncologie“ behandelt das Thema „Krebs und Müdigkeit“ am 15. Oktober um 14 Uhr, CHL Saal R2, Luxemburg


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