Wählen Sie Ihre Nachrichten​

McCartney wird 75: Mozart der Pop-Musik
Paul McCartney, berühmter Linkshänder an der Gitarre, wird 75.

McCartney wird 75: Mozart der Pop-Musik

Foto: LW-Archiv
Paul McCartney, berühmter Linkshänder an der Gitarre, wird 75.
Panorama 3 Min. 18.06.2017

McCartney wird 75: Mozart der Pop-Musik

Genial, vielseitig und produktiv – doch im Gegensatz zu Mozart darf Paul McCartney die Erträge aus seiner Kunst bis ans Lebensende genießen. Und dies in den allerbesten Kreisen. Königin Elisabeth II adelte ihn vor zwanzig Jahren: „Sir Paul“ wird am Sonntag 75 Jahre alt.

(r.h.) - Pauls Einstieg ins Leben ist komfortabel. Obwohl seine Familie zur Arbeiterklasse gehört – Vater Jim McCartney arbeitet bei der Müllabfuhr – kommt das Kind auf der Privatstation des Walton Hospitals auf die Welt, wo seine Mutter als Krankenschwester arbeitet. Das Baby hat große Augen und lange Wimpern, ein liebenswertes Kerlchen, das zu einem gut aussehenden jungen Mann heranwächst.

Auf Vaters Wunsch soll Paul Chorknabe werden, doch der Junge simuliert beim Vorsingen den Stimmbruch. Als er dreizehn Jahre alt ist, stirbt die Mutter an Krebs. In seiner Not klammert sich Paul an die Gitarre, die ihm der Vater geschenkt hat. Die Nachbarskinder nennen ihn „College Pudding“, weil er der Einzige in der trübseligen Gegend ist, der eine höhere Schule besucht.

Als denkwürdigen Tag in seinem Leben bezeichnet Paul den 6. Juli 1957. Er ist vierzehn Jahre alt und lernt auf einem Kirchenfest im Vorort Woolton John Lennon kennen, in dessen Schülerband The Quarrymen er als Gitarrist anheuert. Die Jungs spielen vorwiegend aktuelle Rock’n-Roll-Hits in Bierzelten und auf Hochzeiten.

Unsterbliche Songs

Beim ersten Gastspiel im Hamburger „Star-Club“ ist Paul noch als Beifahrer auf einem Lastwagen dabei. Nach ihrer Rückkehr in England schlägt die Geburtsstunde der Beatles um John Lennon und George Harrison. Paul wird der Liebling der weiblichen Fans, die „Beatlemania“ bereitet sich um die Welt aus.

Nach dem Tod ihres Managers Epstein avanciert Paul zum Chef der Gruppe. Die Gründung der Apple-Schallplattenfirma ist seine Idee, er gibt im Studio den Ton an, komponiert und produziert für Mary Hopkins den Hit „Those Were The Days“ und schreibt die Filmmusik für „Family Way“. Die Beatles werden zur Jahrhundertband. Zehn Jahre sind sie das Flaggschiff der Hippie-Bewegung.

Als die Gruppe 1970 im Streit auseinandergeht, hinterlässt sie der Welt unsterbliche Songs wie „Yesterday“, „Let it Be“, „Penny Lane“ oder „Hey Jude“. McCartney aber sieht sein Lebenswerk zerstört und tröstet sich mit schottischem Whisky. Die Musik der Beatles überlebt. Als vor einigen Jahren alle „Beatles“-Alben in einer digitalen Version veröffentlicht werden, belegen sie weltweit die obersten Ränge der Hitparaden.

George, John, Ringo und Paul (v.l.n.r.) brachten als The Beatles vor allem das weibliche Geschlecht um den Verstand.
George, John, Ringo und Paul (v.l.n.r.) brachten als The Beatles vor allem das weibliche Geschlecht um den Verstand.
Foto: Reuters

Seit dem Ende der erfolgreichsten Popband aller Zeiten hat McCartney mit zahlreichen renommierten Musikern zusammengearbeitet, hat mit seiner Band Wings weltweite Erfolge und sich mit Solowerken wie „Flowers in the Dirt“ Anerkennung verschafft. Niemals hätte er sich träumen lassen, dass er einst fünffacher Empfänger des britischen „Ivor-Novello“-Preises sein würde.

Mit mehr als einhundert Millionen verkaufter Singles sowie 60 Goldenen Schallplatten steht er außerdem im „Guinness-Buch der Rekorde“. Damit gilt er als erfolgreichster Komponist und Interpret der Popmusik des Zwanzigsten Jahrhunderts. Seine Heimatstadt Liverpool ernennt ihn zum Ehrenbürger, 1997 wird er zum Ritter geschlagen und darf den Titel „Sir“ tragen, 2012 wird Paul McCartney mit einem Stern auf dem „Walk of Fame“ in Hollywood geehrt.

Aktuell läuft in New York eine Klage gegen den Musikverlag Sony/ATV um die Rechte an 267 Beatles-Songs, die er und John Lennon geschrieben haben. Dazu gehören Hits wie „All You Need is Love“ und „I Want to Hold Your Hand“ und „Hey Jude“. McCartney hatte die Songrechte an verschiedene Musikverlage verkauft. Diese waren Teil eines Katalogs von mehr als 4 000 Songs, die Michael Jackson für 47,5 Millionen Dollar erworben und dabei auch McCartney überboten hatte.

Verlust und Tod

Privat blickt Paul McCartney, bekennender Vegetarier und Tierschützer, auf ein turbulentes Leben zurück. Da ist die Ehe mit der Amerikanerin Linda Eastmann, ihr früher Tod und die Heirat mit Heather Mills. Da sind die Töchter Stella und Mary, der Sohn James und Nancy Shevell, die Paul inzwischen geheiratet hat.

Schon als junger Musiker schreibt er Titel wie „Blackbird“ und „Eleanor Rigby“, Lieder über Verlust und Tod. Im Album „Memory Almost Full“ stellt er sich seine eigene Beerdigung als ein fröhliches Fest mit tanzenden Kindern vor. Bei seinen wenigen Bühnenauftritten erinnert er regelmäßig an seine verstorbene Frau Linda, an George Harrison und John Lennon. „Ich umarme meine verstorbenen Freunde durch die Musik, indem ich ihre Lieder singe.“

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Genetikk im Interview: Rappen im Favela-Style
Das Saarbrücker Hip-Hop-Duo „Genetikk“ befindet sich auf einer Mission: Rapper Karuzo und Produzent Sikk wollen mit Hilfe einer eigens kreierten Ästhetik die Welt von schlechter Musik und Mode befreien.
Beatlemania: der September im Zeichen der Beatles
Am 29. August 1966 in San Francisco standen die Beatles für eine halbe Stunde auf der Bühne. So kamen die „Fab Four“ danach nie wieder zusammen. 50 Jahre nach dem historischen Auftritt werden seltene Fotos von damals veröffentlicht.
Die legendäre Fab Four