Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Martina Hill: „Es ist so schön unkompliziert“
Panorama 1 4 Min. 05.07.2019

Martina Hill: „Es ist so schön unkompliziert“

Martina Hill mit Katze Chloe aus dem Film „Pets 2“.

Martina Hill: „Es ist so schön unkompliziert“

Martina Hill mit Katze Chloe aus dem Film „Pets 2“.
Foto: Getty Images
Panorama 1 4 Min. 05.07.2019

Martina Hill: „Es ist so schön unkompliziert“

Komikerin Martina Hill spricht im Interview über ihre Leidenschaft fürs Synchronsprechen, Comedy und das eigene Bauchgefühl.

Interview: André Wesche

Martina Hill hat sich als Schauspielerin und Komikerin eine große Fangemeinde erobert. Legendär sind ihre Parodien auf Heidi Klum, Angela Merkel und Daniela Katzenberger in der Comedy-Show „Switch reloaded“ und ihre Figuren Tina, Mandy, Dörte und Antonia von Hausten aus der „heute-show“. Hills Sketch-Comedy-Formate „Knallerfrauen“ und natürlich „Die Martina Hill Show“ treffen den Nerv eines breit gefächerten Publikums. Im Animationsfilm „Pets 2“ ist die 44-jährige Berlinerin nun wieder mit einer Sprechrolle vertreten. Sie leiht in der deutschsprachigen Version der verwöhnten Katze Chloe ihre Stimme.

Martina Hill, als Synchronsprecherin sind Sie mittlerweile ein Profi. Macht es einen Unterschied, ob Sie stimmlich für eine leicht arrogante Katze in einem Familienfilm wie „Pets 2“ oder für Sheri Moon Zombie im Animationsfilm für Erwachsene „El Superbeasto“ einspringen?

Einen riesigen sogar. Ich stelle mich auf jede Rolle ganz neu ein. Wenn ich zum Beispiel Luci Wild in den „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filmen spreche, die immer auf Zack und in Action ist, bin ich völlig aus der Puste, weil ich körperlich einen ganz anderen Einsatz bringen muss. Das passiert mir bei der faulen Katze Chloe aus „Pets 2“ eher nicht, wenn sie cool auf dem Sofa chillt und von Frauchen Katzenminze verabreicht bekommt. Jede Rolle ist anders. Ich liebe es, zu synchronisieren. Diese Abwechslung macht es ja gerade so spannend. Tatsächlich wollte ich ursprünglich Synchronsprecherin werden. Erst als ich erfahren habe, dass man dazu eine Schauspielausbildung braucht, habe ich die Kurve über eine Schauspielschule eingeschlagen.


Paule Kremer Ocean's Seven
Paule Kremer: Durch sieben Meerengen
Der Ärmelkanal war nur der Anfang: Paule Kremer will als erste Luxemburgerin die Schwimm-Challenge „Ocean's Seven“ bewältigen.

Sie standen früher auf der Theaterbühne. Wie konnte es dazu kommen, dass Sie in die Comedy-Branche abgeglitten sind?

Witzigerweise habe ich mir das gar nicht vorgenommen. Meiner Agentur flatterte 2003 eine Casting-Anfrage aus Köln auf den Tisch: „Schicken Sie uns bitte all Ihre Schauspieler, die Lust haben, etwas Witziges zu machen. Es gibt keine Vorgaben, alles ist erlaubt!“. Das fand ich spannend: Machen, was ich will, mir selbst etwas ausdenken und kreativ sein. Also bin ich damals von Berlin zum Casting nach Köln gefahren, habe vorgesprochen und es tatsächlich bis in die Endrunde und so bis ins Ensemble einer Comedy Show in Sat.1 geschafft. So habe ich die Comedy-Schiene für mich entdeckt. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mein Sprung ins kalte Wasser.

Die Katze Chloe gibt einem Hund Unterricht im Katze sein. Hatten Sie einen Mentor, dem Sie viel verdanken?

Ja, meinen besten Freund, der ist von Beruf auch Schauspieler. Er hat mich damals dazu ermutigt, mich zum Casting zu trauen und es einfach zu versuchen. Sein Motto: „Hau auf die Kacke, zieh’s durch, denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“. Daran halte ich mich bis heute.

Gibt es einen Tipp, den Sie jungen Comedians geben können?

Ja! Hör immer auf dein Bauchgefühl. Folge deinem eigenen Lachimpuls, denn wenn man selber lachen muss, liegt man meistens richtig. Hast du Zweifel, ist ziemlich sicher der Wurm drin. Es lohnt sich immer, nachzuhaken und kritisch zu bleiben. Wenn man nicht zu 100 Prozent dahintersteht, kommt es auch unglaubwürdig rüber. Ich habe nur Spaß an der Arbeit, wenn ich auch selbst cool finde, was ich da mache.

Die Unterhaltung ist eine sehr unstete Branche. Kennen Sie auch Existenzängste?

Nein. Die Angst, dass es in meinem Beruf irgendwann vielleicht mal nicht mehr laufen könnte, die Konkurrenz nicht schläft oder Projekte ausbleiben, habe ich nicht. Das würde mich im Hier und Jetzt total blockieren und meine Lust und den Antrieb killen. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Ich finde einen Ein-Jahres-Plan immer ganz schön, von Projekt zu Projekt. Dann komme ich gar nicht erst in die Versuchung, abzudriften. Ich drehe diesen Sommer zum Beispiel die zweite Staffel der „Martina Hill Show“ und weiß, dass ich damit schon ganz schön Programm in diesem Jahr haben werde. Viel weiter denke ich erst mal nicht.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Mit LeFloid stand auch ein YouTuber für „Pets 2“ vor dem Mikrofon. Sie nutzen dieses Medium, um es zu karikieren. Stehen Sie diesen Portalen eher skeptisch gegenüber?

Ich finde ein Medium, das von seinen Nutzern selbst gestaltet werden kann, ziemlich spannend. Mein YouTube-Kanal ist damals eigentlich nur entstanden, weil ich in meinem Buch über meine China-Reise einen „skorpionfreien“ Kochkurs versprochen habe. Das war nur ein Easteregg für die Buchleser, hat mir aber dann so viel Spaß gemacht, dass ich einfach weitergemacht habe. Es ist so schön unkompliziert. Und die „Larissa in Style“-Videos sind gar nicht so als Karikatur gedacht, sondern ich habe mich gefragt, wie meine Figur Larissa so einen „Vlogblog“ gestalten würde. Und das ist dann dabei herausgekommen. Da kann ich mich mal so richtig austoben, das ist eigentlich ganz schön. Es muss sich ja niemand anschauen, der es nicht will.

Wie funktioniert die Arbeit für die „heute show“? Wird man zu einem bestimmten Thema angefragt oder kommt man selbst mit einer Idee?

Das könnte ich ja gar nicht leisten. Dafür gibt es Gott sei Dank die genialen Autoren und Oliver Welke als „Kopf“ des Ganzen. Aber klar tauschen wir uns aus und wenn ich eine Idee habe, bring ich die mit ein.

Ach ja, haben Sie eigentlich ein Haustier?

Derzeit habe ich keine, aber sonst, bis vor einigen Jahren, war bei uns eigentlich von klein auf die Hütte immer voll. Wir hatten Fische, Vögel, Katzen, Hunde, Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen. Alle zusammen unter einem Dach. Der letzte Hund, eine zauberhafte Berner-Sennen-Mischung, ist leider im vorigen Jahr gestorben. Er ist sehr alt geworden.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema