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Mario Barth: „Ich arbeite sehr gerne“
Panorama 2 6 Min. 02.02.2020

Mario Barth: „Ich arbeite sehr gerne“

Auch wem sein Humor nicht passt, muss eingestehen, dass Mario Barth äußerst erfolgreich ist. Davon zeugen unzählige Bühnenpreise und Plattenauszeichnungen.

Mario Barth: „Ich arbeite sehr gerne“

Auch wem sein Humor nicht passt, muss eingestehen, dass Mario Barth äußerst erfolgreich ist. Davon zeugen unzählige Bühnenpreise und Plattenauszeichnungen.
Foto: Sebastian Drueen / Hauptstadt Helden
Panorama 2 6 Min. 02.02.2020

Mario Barth: „Ich arbeite sehr gerne“

Olaf NEUMANN
Olaf NEUMANN
Der deutsche Erfolgscomedian Mario Barth spricht im Interview über seine Einstellung zum Beruf, das leidige Thema Shopping und Kampfsport.

Loriot bezeichnete Mario Barth einst als großen Könner auf seinem Gebiet, andere sehen durch ihn die Würde des Menschen angetastet. Eins ist sicher: Kein anderer Komiker zieht so viele Menschen in seinen Bann wie der 46-jährige Berliner. Über acht Millionen Menschen haben ihn bis heute live gesehen. Seine Programme versprechen Geschlechterkampf pur. Das aktuelle trägt den Titel „Männer sind faul, sagen die Frauen“ und fördert Erstaunliches und Absurdes aus dem Beziehungsalltag zutage. Was genau, können seine Fans am Freitag, dem 7. Februar, in der Rockhal erfahren.

Mario Barth, Ihr aktuelles Programm trägt den Titel „Männer sind faul, sagen die Frauen“. Das trifft aber nicht auf Sie zu, oder?

Ich bin ein absolut disziplinierter Mensch. Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig. Ich bin alte Schule und finde, wenn man etwas anfängt, bringt man es auch zu Ende. Ich bin bei Siemens in die Ausbildung gegangen. Da war das so. Wenn man nicht weiter wusste, musste man jemanden fragen, aber man hat nicht mittendrin einfach aufgehört. Und das zieht sich durch mein ganzes Leben. Wenn ich etwas baue oder renoviere und es fehlt eine Rolle Tapete, dann fahr ich sofort los und hole mir noch eine und lasse mir damit nicht ewig Zeit. Ich arbeite sehr gerne. Berufsmäßig bin ich nicht faul.

Sehen Sie sich selbst als Forscher, der auf humorvolle Weise Zwischenmenschliches untersuchen möchte?

Ich schreibe gerade an einem Sachbuch. Darin erkläre ich humorvoll, wie man eine glückliche Beziehung führen kann. Dafür habe ich mich drei Jahre lang immer wieder mit Paartherapeuten, Jugend- und Kinderpsychologen und Wissenschaftlern getroffen, die mir erstaunliche Dinge erklärt haben.

Welche Fragen haben Sie diesen Fachleuten gestellt?

Warum gehen Frauen gerne einkaufen und warum hassen Männer das Shoppen? Es gibt natürlich Ausnahmen, aber auf die Masse trifft das zu. Mir ist aufgefallen, dass etwas nur dann lustig ist, wenn es auch einen Wahrheitsgehalt hat. Über Marsmenschen zu schreiben, die kleine Hunde als Haustiere halten, ist nicht wirklich witzig. Die Leute müssen sich in meinem Programm wiederfinden können. Mir ist beim Schreiben des Buches aufgefallen, dass ich eine große Freude daran habe, Dinge zu entdecken, um sie humoristisch den Leuten nahe zu bringen. Am Ende meiner Show sage ich immer zum Publikum: „Leute, bleibt zusammen!“ Das meine ich völlig ernst.

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Warum ist Ihnen das wichtig?

Wenn du deine Freundin verlässt und dann eine Neue hast, dann hat diese eine andere Haarfarbe und einen anderen Namen. Aber die Probleme bleiben exakt dieselben. Die Anzahl der Probleme ändert sich nie. Ich sage Männern immer, sie sollen sich das mit der Trennung wirklich noch einmal überlegen. So führe ich meine Beziehung seit Jahren.

Haben Sie bei Ihrer Arbeit etwas Neues über sich und Ihre Beziehung herausgefunden?

Total! Gerade was das Thema Shoppen angeht. Ich hasse das! Ich wusste bislang aber nicht, warum. Wenn meine Freundin mit mir einkaufen gehen will, kriege ich schon schlechte Laune, bevor wir überhaupt da sind. Ich fange plötzlich an zu schwitzen oder kriege Hunger. Es ist überall so voll und nirgendwo kann man sich hinsetzen. Aber Frauen fangen an zu gucken. Wenn man sie fragt, warum wir shoppen gehen, wird gerne gesagt, dass man schauen will, was es so gibt. Na ja, was wird es geben? Alles! Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Da kriege ich eine Meise!

Haben Sie dafür eine wissenschaftliche Erklärung gefunden?

Man nennt es das Prinzessinnenprinzip. Beim Shoppen wird Dopamin ausgeschüttet. Es beschert Frauen ein Glücksgefühl. Sie werden süchtig nach diesem Glückshormon, welches im Körper biochemisch hergestellt wird. Dopamin macht süchtiger als Heroin. Es erhöht die Ausdauer und Motivation. Darum können Frauen auch zwölf Stunden einkaufen.

Und wie ist es bei Männern?

Exakt dasselbe Organ schüttet auch ein Hormon aus, aber kein Dopamin, sondern Adrenalin. Ein Stresshormon. Es führt zu einem erhöhten Herzrhythmus. Der Blutdruck steigt, weil der Körper auf Flucht oder Kampf gepolt ist. Während sie glücklich beim Shoppen ist, fängt er an zu schwitzen, will flüchten oder bereitet sich auf Angriff vor.

Was genau passiert beim Shopping im Körper des Mannes?

Dabei wird die Arbeit des Magen-Darm-Trakts nahezu eingestellt. Aber die Bauchspeicheldrüse schüttet Insulin aus. Das heißt, der Mann bekommt Hunger. Ihm wird warm und er kriegt einen roten Kopf. Es ist also völlig logisch erklärbar, warum Frauen beim Shoppen glücklich sind und wir Männer völlig gestresst. Irgendwann ist das Adrenalin so hoch, dass es beim Mann nur noch zwei Verhaltensmuster gibt: Flucht oder Kampf. Mehr ist nicht programmiert. Entweder er verlässt den Raum oder er wird pampig und greift an. Wenn du das deiner Freundin plausibel erklärst, akzeptiert sie auch, dass du draußen auf sie wartest.

Haben Sie dazu auch Feldstudien durchgeführt?

Ich war kürzlich in den USA und habe dort einen Roadtrip gemacht. Früher gab es in Kaufhäusern nur diese blöden Drahtstühle direkt an der Rolltreppe, heute gibt es dort auch richtige Sessel und Cafés. Aber die Amis hatten eine richtige Kneipe im Kaufhaus. Dort konnte man Bier trinken und etwas essen. Alle, die da saßen, waren Männer. Wie einfach das ist: Die Frau geht einkaufen und es braucht nur einen Sessel, damit der Mann sich währenddessen hinsetzen und etwas trinken kann. Und dann kriegt er Hunger und man gibt ihm Pommes. Das macht ihm gute Laune und alle sind glücklich. Wenn man das so sieht, lernt man für sein eigenes Beziehungsleben eine Menge.

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In welchen Momenten haben Sie besondere Glücksgefühle?

Ich bin glücklich, wenn ich zum Beispiel ein Buch schreibe und das fertige Produkt irgendwann in der Hand halte. Viele Frauen sagen, es sei ihr glücklichster Tag gewesen, als ihr Kind geboren wurde. Wegen der wahnsinnig vielen Glückshormone wollen sie noch ein zweites oder drittes Kind haben. Der glücklichste Tag eines Mannes hingegen ist, wenn er erfährt, dass er Vater geworden ist. Dann ruft er seine Freunde an und erzählt ihnen davon. An meinen Brüdern und Freunden habe ich das beobachten können.

Und was macht Sie sonst noch glücklich?

Ich mache Kampfsport und habe letzte Woche eine Gürtelprüfung bestanden. Danach ist man völlig alle und kann kaum noch laufen. Aber man sitzt auf der Bank und sagt zu sich: Yes! Dabei schütte ich Dopamin aus, nicht beim Shoppen.

Kampfsport als Ausgleich?

Es ist mein Ausgleich für die viele Arbeit. Ich mache das schon seit über 20 Jahren. Für mich ist das ein ganz toller Sport. Man hat dabei mit unterschiedlichen Menschen zu tun. Beim Kampfsport herrscht ein wahnsinniger Zusammenhalt, und es ist egal, wer welchen Gürtel hat.


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Als Künstler sucht man stets nach neuen Herausforderungen. Fragen Sie sich manchmal, wie Sie Stadionauftritte noch toppen können?

Wir leben unter dem gesellschaftlichen Druck, immer etwas toppen zu müssen. Man muss höher springen, weiter springen, viel besser aussehen und alles viel besser können. Aber irgendwann ist das erreicht und man kann es nicht mehr steigern. Was soll ich jetzt noch machen? 30 Mal in einem Stadion spielen? Ich weiß gar nicht, ob das eine Steigerung ist. Um das zu toppen, müsste ich vorm Brandenburger Tor vor 750 000 Menschen zu Silvester spielen. Aber sind die dann alle meinetwegen da – oder weil es ein großes Event ist vorm Brandenburger Tor? Höher, größer, schneller, weiter war nie meine Intention.

Sondern?

Ich wollte den Erfolg, den ich irgendwann erreicht hatte, ein-fach nur halten. In den vergangenen 19 Jahren haben über acht Millionen Menschen mein Programm live gesehen. Eine Sensation in meinen Augen. Die Intention von mir und meinem Team ist, dass wir jede Show so spielen, als sei es eine Premiere. Man unterschätzt, dass relativ viele Leute das erste Mal bei mir sind. Sie würden es merken, wenn ich die Show nur routiniert runterrocken würde. Das würde auch mir keinen Spaß machen. Ich will mich nicht toppen, sondern dieses Level halten. Das wäre schon mal toll.


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