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Mario Adorf: Mit dem Leben „im Ganzen zufrieden“
Panorama 5 2 3 Min. 08.09.2020

Mario Adorf: Mit dem Leben „im Ganzen zufrieden“

Der Schauspieler Mario Adorf während der Präsentation seines Buches "Schauen Sie mal böse - Geschichten aus meinem Schauspielerleben". Am Montag feiert er seinen 90. Geburtstag.

Mario Adorf: Mit dem Leben „im Ganzen zufrieden“

Der Schauspieler Mario Adorf während der Präsentation seines Buches "Schauen Sie mal böse - Geschichten aus meinem Schauspielerleben". Am Montag feiert er seinen 90. Geburtstag.
Foto: picture alliance / dpa
Panorama 5 2 3 Min. 08.09.2020

Mario Adorf: Mit dem Leben „im Ganzen zufrieden“

Winnetou, Kir Royal - Die deutsche Schauspiellegende Mario Adorf hat einiges an Rollen vorzuweisen. Nun wird die "graue Eminenz" des deutschen Films 90 Jahre alt.

(dpa) - Die Tatsache, dass ihm die Kinogänger den Tod von Nscho-tschi Anfang der 1960er-Jahre verziehen haben, gehört vielleicht zu seinen größten Kunststücken. Damals verkörperte Mario Adorf in der Winnetou-Trilogie von Harald Reinl den Bösewicht Santer und in dieser Rolle streckte er die Schwester des Häuptlings der Apachen nieder. „Manche Leute sagen mir immer noch, sie hätten mich damals dafür gehasst“, so Adorf, der am Montag seinen 90. Geburtstag feiert. Zum Glück für Schauspieler und Publikum kamen im Laufe seines langen Lebens eine Fülle weiterer Rollen hinzu.

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Wandlungsfähig und gesegnet mit einer guten Portion darstellerischer Präsenz schlüpfte Adorf in die Rolle von Soldaten und Ganoven, Kirchenmännern und Wirtschaftsbossen. Mal ließ er sich als Vatikan-Gärtner Peppino Mancuso von Johannes Paul II. „Geheimnisse eines Papstes“ erzählen, mal quälte er als trunksüchtiges Familienoberhaupt Jonas Lauretz in der ZDF-Alpensaga „Via Mala“ seine Verwandtschaft. Unvergessen auch sein Auftritt als Generaldirektor Heinrich Haffenloher in der Kult-Serie „Kir Royal“: „Isch scheiß disch sowatt von zu mit meinem Jeld.“

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Dabei nahm er nicht jeden Job an; schlug hier und da auch ein Angebot aus, etwa eine Rolle in Francis Ford Coppolas „Der Pate“. Was Adorf im Gespräch mit dem Journalisten Tim Pröse nonchalant kommentierte: „Man wusste ja vorher auch nicht, was der ,Pate‘ letzten Endes als Film bedeuten würde.“

Worum er hingegen bereits mit Anfang 20 ganz genau wusste, war seine Liebe zu den Brettern, die die Welt bedeuten. „Das ,Ich will Schauspieler werden‘ ist zum ,Ich muss‘ geworden“, schrieb er im März 1953 in seiner Bewerbung für die Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München.

Zum Vorsprechen hatte sich der angehende Mime eine Passage aus Schillers „Wallenstein“ ausgesucht. Der couragierte Auftritt blieb allen Beteiligten in besonderer Erinnerung, weil Adorf mit den ersten Sätzen etwas zu beherzt auf die Bühne stürmte – und von dort in den Saal stürzte. Mit einem lauten „Scheiße“ beendete er unter dem Gelächter der Prüfungskommission die kurze Darbietung. Später sollte er erfahren, dass die Stimme von Hans Schweikart, damals Intendant der Münchner Kammerspiele, den Ausschlag zu seinen Gunsten gegeben hatte. „Probieren wir ihn mal drei Monate aus“, meinte der Regisseur. „Er hat zwei Dinge, die mir aufgefallen sind: Kraft und Naivität.“

Kind einer verbotenen Liebe

Adorf, selbst dem sportlichen Faustkampf zugetan, boxte sich durch. Vielleicht ein Erbe seiner schwierigen Kindheit. 1930 kam er in Zürich als Sohn der deutschen Röntgenassistentin Alice Adorf und des italienischen Arztes Matteo Menniti zur Welt. Seinen Vater, der als verheirateter Mann eine Affäre mit seiner Mutter begonnen hatte, sah Adorf nur ein einziges Mal.

Die Verbindung zur Mutter, die kurz nach Marios Geburt zu Verwandten in das Eifelstädtchen Mayen zog, bestand dagegen ein Leben lang. In dem berührenden Band „Mit einer Nadel bloß“ schildert der Schauspieler, wie die alleinerziehende Alice in einem konservativen Milieu als Schneiderin ihren Sohn durch Not und Elend brachte – auch wenn sie ihn zeitweilig in einem von Benediktinerinnen geführten Waisenhaus unterbringen musste.

Der junge Adorf erlebte den Aufstieg der Nationalsozialisten in der Provinz mit – und wenige Jahre später die Schrecken des Zweiten Weltkriegs.

Liebe auf den zweiten Blick

Im französischen Nobelort Saint-Tropez lernte der Schauspieler in den 1960er-Jahren seine spätere Ehefrau Monique kennen, die mit der legendären Brigitte Bardot befreundet war. „Ich hatte zuerst nur Augen für die Bardot“, gab Adorf später zu.


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Doch dann fiel ihm irgendwann Monique auf, ihre Lebendigkeit. „Und da begann die ganze Geschichte zwischen uns.“ Eine Liebe, die auch Jahrzehnte später noch halten sollte, anders als die Kurzbeziehung zur mittlerweile verstorbenen Schauspielerin Lis Verhoeven, mit der er die Tochter Stella-Maria hat, ebenfalls eine Schauspielerin.

Mario Adorf und seine Frau Monique beim 47. Deutschen Filmball.
Mario Adorf und seine Frau Monique beim 47. Deutschen Filmball.
Foto: Tobias Hase/dpa

Im vergangenen Jahr verabschiedete sich Adorf von der Bühne – mit einer letzten Tournee. Nun hat er wie alle anderen auch mit den Umständen der Corona-Pandemie zu tun. „Es geht mir gut, wenn auch das vergangene halbe Jahr wegen des Corona-Virus nicht zum Jubeln war“, sagte er. „Das müssen wir mit Vernunft und der Bereitschaft angehen, Regeln zu akzeptieren und zu befolgen.“ Auch die Pläne für seinen 90. Geburtstag sind davon betroffen. Wie er feiern wird? „In Anbetracht der Corona-Krise im allerkleinsten Kreise“, verriet er. Ohnehin ist er mit wenig zufrieden, so scheint es: „Ich habe keinen großen Wunsch mehr, eher viele kleine.“ 

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