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Marihuana: Rauschende Geschäfte
Panorama 3 Min. 13.08.2019

Marihuana: Rauschende Geschäfte

In Kapstadt findet jährlich ein „Global Cannabis March“ (Foto) statt, bei dem die Konsumenten für ihre Rechte auf die Straße gehen.

Marihuana: Rauschende Geschäfte

In Kapstadt findet jährlich ein „Global Cannabis March“ (Foto) statt, bei dem die Konsumenten für ihre Rechte auf die Straße gehen.
Foto: Getty Images
Panorama 3 Min. 13.08.2019

Marihuana: Rauschende Geschäfte

Der Süden Afrikas hofft auf hohe Gewinne durch die Legalisierung des Cannabisanbaus. Vor allem ein kleines Land kann daraus bisher Kapital schlagen.

von Johannes Dieterich (Johannesburg) 

Zulu-König Goodwill Zwelithini, der sich wie jeder anständige blaublütige Herrscher mit „His Royal Highness“ anreden lässt, macht seinem Titel alle Ehre: Der traditionelle Führer der größten Bevölkerungsgruppe Südafrikas forderte seine Untertanen jüngst auf, den grünen Goldrausch, der mit der teilweisen Legalisierung von Marihuana das Kap der Guten Hoffnung erfasst hat, nicht spurlos an sich vorüberziehen zu lassen: „Wir wissen, wie man Cannabis anbaut“, sprach der Monarch. „Wir sollten die Pflanze zu unserem wirtschaftlichen Wachstum nutzen.“

Tausende neue Jobs

Der 71-Jährige ging gleich mit leuchtendem Beispiel voran: Der königliche Ingonyama-Trust, der den kollektiven Landbesitz der Zulus verwaltet, will 150 Millionen Rand und 75 Hektar Ackerfläche zur Verfügung stellen, um die boomende Hanfpflanze anzubauen. Auf diese Weise könnten mindestens 3 000 Zulus als Pflanzer, Verarbeiter oder auch Marketingexperten gut bezahlte Arbeit finden, weiß Gerard Naudé, Geschäftsführer von „Go Life International“, der mit dem königlichen Trust ein Joint Venture eingehen will: „Schließlich wissen die Menschen hier schon seit Jahrzehnten bestens, wie man Cannabis anbaut.“


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Tatsächlich weisen Marihuanamarken wie „Durban Poison“ darauf hin, dass die KwaZulu-Natal-Provinz schon seit Langem zur Hochburg des Anbaus von Dagga – so nennen die Südafrikaner das Rauschmittel – gehört. Hier wird ein Großteil der 2 000 Tonnen schweren jährlichen Hanfernte des Landes eingefahren. Während Verstöße gegen das Dagga-Verbot von den einstigen weißen Herrschern des Landes noch strikt verfolgt wurden, entspannte sich der Eifer der Ordnungshüter nach dem Ende der Apartheid.

Zwelithinis Pendant beim Thembu-Volk, König Buyelekhaya Dalindyebo, räumte bereits vor acht Jahren öffentlich ein, die Wirkstoffe der „heiligen Pflanze“ regelmäßig zu sich zu nehmen.

Erst im September des vergangenen Jahres hob Südafrikas oberstes Gericht das Dagga-Verbot schließlich auf – und auch das nur zum privaten Konsum: Kiffen in der Öffentlichkeit und der Handel ist noch immer verboten.

Allerdings ist der Gesetzgeber damit beschäftigt, Produktion und Marihuanahandel zumindest für medizinische Zwecke freizugeben, weswegen der weltweite grüne Goldrausch nun auch Südafrika erwischt hat. Selbst hochrangige Politiker wie der Premierminister der Ostkap-Provinz, Lubabalo Mabuyane, riefen seine Landsleute auf, „ihre Köpfe aus dem Sand“ zu ziehen und die Gelegenheit beim Schopf zu packen: Vom Dagga-Anbau seien „Milliarden an Profiten, gute Beschäftigungszahlen und anständige Steuereinkünfte“ zu erwarten. Schon heute wird der südafrikanische Cannabismarkt auf 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Lesotho im Aufwind

Den Rang hat dem afrikanischen Wirtschaftsriesen allerdings ausgerechnet sein Nachbar Lesotho abgelaufen. Das konstitutionelle Königreich legalisierte schon vor zwei Jahren den Hanfanbau: Der Bergstaat mit dem verlässlichen Regen, der strahlenden Sonne und den fruchtbaren Böden gilt als eine der besten Hanfregionen der Welt, Interessenten aus Industrienationen rennen der Regierung in Maseru die Türen ein. Für Lizenzen zum Cannabisanbau kann das Königreich deshalb Summen von 40 000 US-Dollar im ersten und weitere 10 000 Dollar für jedes weitere Jahr verlangen. Das Geschäft mit der Heil- oder Unheilpflanze machen bei diesen Preisen wieder einmal ausländische Konzerne – ähnlich wie in Simbabwe, Malawi oder Uganda.

Obwohl der Marihuanakonsum in den meisten dieser Staaten noch immer verboten ist, vergeben deren Regierungen bereits Lizenzen an ausländische Pharmakonzerne. Kanadische und deutsche Unternehmen hätten in Uganda alleine im Juni Verträge zur Marihuanalieferung in mehrstelliger Millionenhöhe abgeschlossen, meldet die dortige Tageszeitung „Daily Monitor“: Die begehrten Blütenstände von „Uganda Gold“ gingen im Wert von 100 Millionen Dollar nach Kanada und für 58 Millionen Euro nach Deutschland. 


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