Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Marianne Sägebrecht über „Petterson und Findus“, Weihnachten und Flüchtlinge: „Verantwortung übernehmen“
Panorama 6 Min. 25.11.2016 Aus unserem online-Archiv

Marianne Sägebrecht über „Petterson und Findus“, Weihnachten und Flüchtlinge: „Verantwortung übernehmen“

Bereits im ersten Teil der „Pettersson und Findus“-Reihe schlüpfte Marianne Sägebrecht in die Rolle der liebenswürdigen Beda.

Marianne Sägebrecht über „Petterson und Findus“, Weihnachten und Flüchtlinge: „Verantwortung übernehmen“

Bereits im ersten Teil der „Pettersson und Findus“-Reihe schlüpfte Marianne Sägebrecht in die Rolle der liebenswürdigen Beda.
Foto: dpa
Panorama 6 Min. 25.11.2016 Aus unserem online-Archiv

Marianne Sägebrecht über „Petterson und Findus“, Weihnachten und Flüchtlinge: „Verantwortung übernehmen“

Kevin WAMMER
Kevin WAMMER
Die Figur der Beda, Nachbarin der Kinderfilmhelden „Pettersson und Findus“, erwies sich vor zwei Jahren als Paraderolle für Marianne Sägebrecht. Sägebrecht mischt natürlich auch in der Fortsetzung der Geschichte „Pettersson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt“ mit.

Von André Wesche

Die Figur der Beda, einer warmherzigen, hilfsbereiten und lebensfrohen Nachbarin der Kinderfilmhelden „Pettersson und Findus“, erwies sich vor zwei Jahren als Paraderolle für die beliebte bayrische Schauspielerin Marianne Sägebrecht. Der Star aus „Out of Rosenheim“ und „Der Rosenkrieg“ mischt natürlich auch in der Fortsetzung der Geschichte – „Pettersson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt“ mit. Pettersson, im ersten Teil noch von Ulrich Noethen verkörpert, wird diesmal von Stefan Kurt dargestellt. Wir trafen Marianne Sägebrecht zum Gespräch über den Umgang mit Gästen, Ängste und Albträume sowie die Verbesserung der Welt in homöopathischer Dosierung.

Frau Sägebrecht, erinnern Sie sich an Ihr schönstes Weihnachtsfest?

Als ich noch in der Holledau lebte, hatten wir drei oder vier Jahre in Folge eine besonders schöne Tafel. Es war ein großer Bauernhof mit verschiedenen Zimmern. Mein Ex-Mann lebte damals mit seiner Frau und zwei Kindern in Holland. Die ganze Familie war eingeladen und hat mit bei uns gewohnt. Gefeiert wurde in einem wunderschön dekorierten Raum mit Dachgauben. 

Meine Tochter hat mit ihrem Ehemann, ihrem Ex-Freund und ihrem Kind an der Tafel Platz genommen, meine Schwester war dabei und auch Freunde, die ich vor Ort kennengelernt hatte. Dieses Gefühl, zusammen an einem Tisch zu sitzen, mit Menschen, die aus der Situation herausgewachsen sind und trotzdem Teil der gesamten Sippe geblieben sind, war ganz toll. Ein bisschen wie Arche Noah.

War es schwierig, sich an einen neuen Pettersson zu gewöhnen?

Es ist mit jedem Menschen anders. Man bewegt sich ja immer im Yin- und Yang-Bereich. Und wenn der Partner dann nicht aufmacht, nicht mit einem spielt, dann kann man sich seelisch noch so anstrengen und noch so viel Liebe geben, es hilft nichts. 

Zwischen Stefan Kurt und mir stimmte die Chemie fantastisch, wie zuvor schon mit Ulrich Noethen. Im ersten Teil ist die Katze Findus gerade erst zu Ulrich Noethens Pettersson gekommen. Er behandelt sie sehr väterlich, er rügt und lehrt sie. Stefans Pettersson lebt schon drei Jahre mit Findus zusammen, er hat sich geöffnet. Und nun ist es Findus, der auch Pettersson mal die Leviten liest.

Am Ende des Films bekommt Pettersson eine Menge Besuch. Daran muss sich der Einzelgänger erst gewöhnen. Das klingt aktuell, oder?

Das glaube ich auch. Pettersson möchte lieber gar nichts haben. Er ist zu stolz, um zuzugeben, dass er kaum noch etwas im Kühlschrank hat. Beda weiß um diesen Stolz und respektiert das. Und dann kommen die ganzen Gäste, die Beda angespornt hat, und jeder bringt etwas mit. Pettersson muss es natürlich absegnen, er könnte auch „nein“ sagen. Aber er taut Stück um Stück auf. Und wenn dann alle wieder weg sind, ist er auch froh.

Deutschland hat im Moment auch viele Gäste.

Das stimmt. Wenn man einen Tisch hat, auf den jeder etwas draufstellt, ist das eine tolle Sache. Wichtig ist, dass jeder etwas kriegt. Die Kinder lieben diese Thematik sehr. Beda sagt im ersten Teil: „Man sorgt sich am besten um sich selbst, wenn man sich um jemand anders sorgt.“ Es ist verrückt, wie die Kinder diesen Satz aufgenommen haben. Ich habe im letzten Herbst oft in Kindergärten vorgelesen. Und immer wieder haben Kinder diesen Satz angebracht und gesagt: „Gell, Beda?“.

Bemerken Sie in Ihrem persönlichen Umfeld Unsicherheiten aufgrund der Flüchtlingswelle?

Ich finde die grundsätzliche Haltung bewundernswert. Was Deutschland geleistet hat, wird in die Geschichte eingehen. In München hat man unter Bürgermeister Dieter Reiter unglaublich viel geschafft, schon allein logistisch. So viele Menschen sind gekommen und haben mitgeholfen. München war ja das Haupttor in die Bundesrepublik. Da kann man nur sagen, Hut ab. Achtzig Prozent der Menschen sind den Flüchtlingen gegenüber positiv eingestellt. Aber es gibt natürlich die Angst, dass die eigene, religiöse Haltung nicht mehr genug akzeptiert wird oder die eigene Existenz in Gefahr gerät. 

Für Frauen ist es befremdlich, wenn ihnen die Hand aus religiösen Gründen nicht gegeben wird. Die grundsätzlich andere Einstellung Frauen gegenüber spüre ich zum Beispiel bei Begegnungen im Zug, wenn einem kein Platz angeboten wird. Ich denke dann an den Spruch von Jesus Christus: „Wenn Du weißt, was Du tust, übernimm' die Verantwortung für das, was Du tust. Und vergib denen, die noch nicht wissen, was sie tun.“

Wie übernehmen Sie Verantwortung?

Es ist von jeher mein Grundsatz, nicht immer alles auf die Welt und die Politiker zu schieben. Dieses Prinzip von Ursache und Wirkung versuche ich den Menschen liebevollst zu erklären. Wir sind immer auch Verursacher. Aber ich merke, dass Frauen wirklich manchmal Angst haben. Es gab ja auch Situationen, zum Beispiel in Köln, die waren nicht lustig. Da muss man schon schlucken, tief atmen und das ausschwingen. Man kann nur hoffen, dass sich das über die Zeit, sozusagen „homöopathisch“ zum Guten wendet. Ich glaube fest daran. 

Wir sitzen hier und haben leicht reden, was man im Vorfeld alles hätte machen müssen. Aber zuerst war die Aufgabe, alle unterzubringen. Und dann bin ich schon der Meinung, dass man diesen Menschen in ihrer Sprache unsere Grundgesetze übermitteln sollte. Man befindet sich in einem Land, in dem man seine eigene Religion leben darf. Da muss man dann auch Respekt für die anderen Religionen aufbringen, zumindest aber für die zentrale Religion des Landes. Aber alles geht seinen Weg und alles wird immer besser. Und die jungen Menschen sind ja sowieso weltoffen. Durch sie wird sich vieles ändern.

In letzter Zeit machen Sie sich vor der Kamera etwas rar. Würden Sie gern mehr arbeiten oder geht das für Sie in Ordnung?

Es passt für mich wunderbar. Ich habe meine Bücher und meine Lesungen. Für mein Buch „Auf dem Weg nach Surinam“ habe ich noch mal fünf Monate heftig recherchiert. Die reine Schreibezeit betrug dann fast ein Dreivierteljahr. Das hat mich total ausgefüllt. Ich habe in „Der Kreis“ die Mutter eines homosexuellen Jungen gespielt, der Film war international sehr erfolgreich. Das macht mich sehr glücklich. 

Der Film wurde auch in San Francisco im „Castro Theater“ vorgestellt. Ich konnte leider nicht mit, aber Freunde waren dort. Sie haben mir erzählt, dass einige Leute im Publikum aufgesprungen sind, als ich auf der Leinwand erschien, und gerufen haben: „Marianne, Marianne, where are you? We miss you!“. Ganz ehrlich, da kommen mir die Tränen.

Sie versprühen so viel Optimismus. Sind Sie ein glücklicher Mensch?

Ich bin in Momenten glücklich, in denen ich anderen Menschen helfen kann. Wenn ich durch eine bestimmte Haltung einem Menschen einen kleinen Impuls gebe und merke, dass derjenige es tatsächlich annimmt und dass sich etwas in eine andere, bessere Richtung entwickelt. Ich bin zufrieden und gelassen, würde ich sagen. Ich habe noch so viele Ideen, wie man noch mehr Verantwortung übernehmen kann. Man darf nicht dasitzen und darauf warten, dass irgendein Anruf kommt. Das habe ich nie gemacht. Und so wie es jetzt ist, bin ich total zufrieden. Der innere Frieden ist das erstrebenswerteste. Man darf nicht zu viel verlangen. Die Welt ist polar, sie ist hell und dunkel. Alles muss ausgeschwungen werden. Man muss da durch, auch durch die schmerzhaften und bitteren Ebenen. 

Bei meinen Lesungen zitiere ich gern Gandhis Spruch, dass man erst den inneren Frieden finden muss, bevor der Weltfrieden entstehen kann. Dann werden die Leute immer ganz schmallippig. Und dann füge ich hinzu: „Aber bleibt geduldig, das ist alles homöopathisch gedacht! Wir haben noch Hunderte Jahre, das wird schon.“. Dann lachen sie wieder befreit auf. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Angry Birds: „Ich bin gut zu Vögeln“
Christoph Maria Herbst („Stromberg“) steht regelmäßig in der Sprecherkabine, um Animationsfilme zu synchronisieren. In der Verfilmung von „Angry Birds“ leiht er dem zornigen Federvieh „Red“ seine Stimme. Wir sprachen mit Herbst über seinen Respekt vor Tieren und den Fall Böhmermann.
sd