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Luxemburg unterwegs im Weltraum : Klein, aber oho
SES-12, der leistungsstärkste
Telekommunikations-Satellit von SES, wird Ende 2017 ins Weltall starten.

Luxemburg unterwegs im Weltraum : Klein, aber oho

Illustration: SpaceX
SES-12, der leistungsstärkste
Telekommunikations-Satellit von SES, wird Ende 2017 ins Weltall starten.
Panorama 3 Min. 28.05.2016

Luxemburg unterwegs im Weltraum : Klein, aber oho

Cheryl CADAMURO
Cheryl CADAMURO
Rund 30 Unternehmen befassen sich in Luxemburg rund um die Thematik Weltraum und Satellitenforschung – und tragen so zur Diversifizierung der nationalen Wirtschaft bei. Eine kleine Übersicht.

(kr/che) „Prospector-X“: Dieser Name ist derzeit in aller Munde. Zumindest bei denen, die sich mit Satelliten auskennen. Hierbei handelt es sich um ein gemeinsames Forschungsprojekt der luxemburgischen Regierung, der „Société Nationale de Crédit et d’Investissement“ (SNCI) und „Deep Space Industries“ (DSI), ein auf Asteroidenbergbau spezialisiertes US-Unternehmen, das seinen europäischen Sitz in Luxemburg hat. Mithilfe eines Experimentalraumflugkörpers sollen Asteroiden erkundet werden, um in weiteren Schritten Rohstoffe von erdnahen Objekten abzubauen. Und auch SES-12, der bisher leistungsstärkste Satellit von SES, wird Ende 2017 ins Weltall starten.

Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass Luxemburg mit Weltraumaktivitäten auf sich aufmerksam macht. So trugen die Gründung des weltweit führenden Satellitenbetreibers SES im Jahr 1985, sowie der Beitritt von Luxemburg zur europäischen Weltraumbehörde (ESA) dazu bei, dass Luxemburg mittlerweile einer der führenden Staaten Europas ist, was die Satellitenforschung betrifft. Dies kommt nicht von Ungefähr: der Ausbau der Forschung in diesem Bereich soll zur Diversifizierung der nationalen Wirtschaft beitragen.

Internationale Zusammenarbeit

Um eine möglichst effiziente Zusammenarbeit der rund 30 Unternehmen, die sich mit Satelliten und dem Weltraum beschäftigen, zu erreichen, wurde 2002 das „Space- Cluster“, welches damals noch „AeroSpaceCluster“ hieß, gegründet. Hierbei handelt es sich um eine Vereinigung renommierter und hoch spezialisierter Unternehmen und öffentlicher Forschungseinrichtungen, die sich mit Telekommunikation, globalen Satellitennavigationssystemen, Erdbeobachtungen, der maritimen Sicherheit und mit all-bezogenen Technologien beschäftigen. Ihre gemeinsamen Missionen sind die nationale Verknüpfung von Unternehmen, internationale Kooperationen zu schließen und neue Möglichkeiten für ihren Sektor auf internationaler Ebene zu finden.

Ebenso an dem Entwickeln von nationalen und internationalen Synergien interessiert, ist die luxemburgische Gruppe für Luft- und Raumfahrt (GLAE). Sie wurde nach dem Beitritt Luxemburgs zur ESA im Jahr 2005 gegründet und ihre Mitglieder sind die größten luxemburgischen Unternehmen im Bereich Weltraumforschung.

So zählen nicht nur der Satellitenbetreiber SES, der mit mehr als 50 geostationären Satelliten rund 99 Prozent der Weltbevölkerung erreicht und 2014 einen Jahresumsatz von knapp zwei Millionen Euro vorweisen konnte, zu den Partnern. Auch „GT Satellites“, ein Unternehmen, das Satellitenkapazitäten vermietet und so Dienstleistungen im Bereich TV, Radio und Internet anbieten kann.

„HITEC“, eine 1986 gegründete Ingenieurfirma, die Informations- und Kommunikationstechnologien entwickelt und als Spezialist für Satelliten- und Antennenbau auch High-Tech-Lösungen für die Raumfahrt baut, sowie „GRADEL“, ein Ingenieur- und Bauunternehmen, das zum Beispiel Hebegeräte für Satelliten oder anspruchsvolle Teile für Kleinsatelliten konstruiert, sind Mitglieder bei „GLAE“. Das 1842 gegründete Unternehmen POST Luxembourg, als führender Telekommunikations- und Informationsdienstleister, zählt ebenso zu den Partnern, wie LuxSpace, eine Tochtergesellschaft des deutschen Raumfahrtunternehmens Orbitale Hochtechnologie Bremen (OHB), die Geosatelliten und Mikrosatelliten zur Erdbeobachtung entwickelt, um beispielsweise im Auftrag der EU oder der ESA Schiffsrouten zu dokumentieren.

Ein weiteres Mitglied ist LuxInnovation, die nationale Agentur für Innovation und Forschung. Sie ist eine Kontaktstelle, die einerseits zwischen der ESA und luxemburgischen Unternehmen Verbindungen schafft, andererseits aber auch luxemburgische Firmen und Institute untereinander verknüpft. So zum Beispiel das Forschungszentrum LIST (Luxembourg Institute of Science and Technology), welches im Raumfahrtsektor der Abteilung ERIN (Environmental Research and Innovation) versucht, Erdbeobachtungsdaten effizienter zu nutzen, um so beispielsweise Wasserbewegungen genauer darstellen zu können.

Das Forschungszentrum der Universität Luxemburg für Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (SnT) beschäftigt sich mit dem Thema Weltraum- und Satellitenforschung. Die Forschungsgruppe SIGCOM konzentriert sich indes gemeinsam mit SES auf Satellitenkommunikation und -signale, sowie auf Bild- und Datenverarbeitung. Finanziert wird diese Forschungsarbeit von der ESA und vom „Fonds national de la Recherche“ (FNR).

Luxemburg und die USA

Aufgrund der vielen Unternehmen, die sich in Luxemburg mit der Satellitenforschung befassen, ist es nicht verwunderlich, dass sich das amerikanische Weltraumunternehmen DSI Luxemburg als Partner ins Boot geholt hat.

So sagte Rick Tumlinson, Vorsitzender von „Deep Space Industries“: „Luxemburg hat sich, wie schon in der Vergangenheit im Finanzwesen, als Pionier an dieser neuen Grenze erwiesen und wir sind stolz, Hand in Hand in die Zukunft schreiten zu können.“


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