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Lichtverschmutzung wird für Tiere zur Qual
Panorama 4 Min. 16.05.2022
Schattenseite des Lichts

Lichtverschmutzung wird für Tiere zur Qual

Der Trend zur nächtlichen Dauerbeleuchtung ist für viele Tiere eine Qual.
Schattenseite des Lichts

Lichtverschmutzung wird für Tiere zur Qual

Der Trend zur nächtlichen Dauerbeleuchtung ist für viele Tiere eine Qual.
Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/d
Panorama 4 Min. 16.05.2022
Schattenseite des Lichts

Lichtverschmutzung wird für Tiere zur Qual

Menschen machen vielerorts die Nacht zum Tag - mit verheerenden Folgen für die Tierwelt und die Artenvielfalt.

(dpa) - Der Trend zur nächtlichen Dauerbeleuchtung ist für viele Tiere eine Qual. Zwar feiert die UN-Kulturorganisation Unesco am Montag (16. Mai), am internationalen Tag des Lichts, die segensreiche Rolle der Beleuchtung für Wissenschaft, Technologie, Kultur und Kunst. Aber Licht hat auch Schattenseiten. „Lichtverschmutzung ist wahrscheinlich eine Hauptursache des globalen Artensterbens“, sagt Chronobiologin Stefanie Monecke.

Beispiel Straßenlaterne, wo man oft dichte Insektenschwärme sehen kann: „Das Licht zieht abertausende Insekten an, die um die Lichtquelle surren, ermüden oder verbrennen. Die ganze Nahrungskette gerät damit durcheinander: Die Tiere, die Insekten im Dunkeln jagen, finden weniger Nahrung.“ 

Die innere Uhr im Durcheinander

Viele Fledermausarten sind lichtempfindlich, meiden Lichtquellen und haben deshalb immer kleinere Jagdgebiete, berichtet die Schweizer Naturschutzorganisation Bird Life. Rotkehlchen, die eigentlich früh in der Dämmerung singen, sängen bei heller Beleuchtung manchmal die ganze Nacht. Selbst Jogger, sagt Monecke, könnten Wildtiere mit lichtstarken Stirnlampen aus dem Konzept bringen. 

Viele Denkmäler sind am Abend beleuchtet. Schön für die Menschen, schlecht für die Tiere.
Viele Denkmäler sind am Abend beleuchtet. Schön für die Menschen, schlecht für die Tiere.
Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp

Aber nicht nur das: Künstliches Licht bringe die innere Uhr vieler Tiere durcheinander. Feldhamster etwa nähmen die kürzer werdenden Tage wahr und stellten so Mitte Juli ihre biologische Jahresuhr, die Anfang und Ende des Winterschlafs bestimme, sagt Monecke, Gastwissenschaftlerin an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Wenn sie dabei durch die Lichtglocke einer Stadt oder Autolichter auf einer Straße gestört werden, sei die Gefahr groß, dass ihre Uhr aus dem Takt gerate. Dann kämen sie im Frühjahr weder rechtzeitig aus dem Winterschlaf noch seien sie gleichzeitig paarungsbereit. „Die Reproduktion der Feldhamster startet heute schon bis zu zweieinhalb Monate später als in den 1980er-Jahren“, sagt Monecke. „Anstatt 20 bis 25 Jungtiere im Jahr zieht ein Feldhamsterweibchen heute nur noch fünf groß. Mit stark sinkender Tendenz.“ 

Bei manchen Arten gehen die Zahlen Monecke zufolge dramatisch zurück, „nicht, weil zu viele Tiere sterben, sondern weil sie wie die Feldhamster immer weniger Nachwuchs bekommen“. Lokale Umweltverschmutzungen und -zerstörungen können diesen Faktor ihrer Ansicht nach nicht erklären, Lichtverschmutzung aber schon. 

Wenn man bei Mäusen die innere Uhr abschaltet, werden sie dick und krank.

Chronobiologe Achim Kramer

Nach Ansicht der Weltnaturschutzunion IUCN ist Lichtverschmutzung eine „oft unterschätzte Gefahr“, die auch für den Hamster bedeutend sein könne. Daneben nennt sie bei ihm etwa Klimawandel, industrielle Landwirtschaft, Lebensraumverlust und Vergiftung als Schädling. Auch Menschen richten ihre innere Uhr am Hell-Dunkel-Rhythmus aus, sagt Chronobiologe Achim Kramer von der Berliner Universitätsklinik Charité. Zellen im Auge leiten Impulse von Licht weiter, die die innere Uhr „stellen“ und dafür sorgen, dass Menschen, wenn es nachts draußen dunkel ist, schlafen und am hellen Tag aktiv sind. 

„Wenn man bei Mäusen die innere Uhr abschaltet, werden sie dick und krank“, sagt Kramer. Auch, wer im Schichtdienst ständig gegen die innere Uhr lebe, habe ein höheres Risiko von Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- oder Krebserkrankungen und Depressionen als Menschen mit intaktem Tag-Nacht-Rhythmus. „Eine gut synchronisierte innere Uhr ist für die Gesundheit ganz wichtig.“ 

Mehr Licht verhindert keine Unfälle 

Gegen zu starke Beleuchtung abends und nachts draußen können sich Menschen allerdings – anders als Tiere – durch Vorhänge schützen. „Bei den Menschen ist vor allem die selbst gemachte Lichtverschmutzung ein Problem: die stundenlange und oft späte Nutzung von Bildschirmen“, sagt Kramer. 

Wenn wir weniger Licht machen würden, werden wir sensibler und sehen dann mehr.

Martin Löffler-Mang, htw Saar

Leute, die ihren Garten beleuchten oder Gemeinden, die für helle Straßenbeleuchtung sorgen, tun das oft mit dem Argument, sie wollten Kriminelle abschrecken. Eine britische Studie konnte 2015 aber zeigen, dass mehr Straßenlicht in mehr als 60 Ortschaften in England und Wales weder Unfälle noch Kriminalität verhinderte. Deshalb ist Abhilfe für die Not der Tiere eigentlich einfach: weniger Außenbeleuchtung. Damit ließe sich auch enorm Energie sparen.


Dort, wo Bedarf besteht, wird es hell, ansonsten bleibt es dunkel. / Foto: Frank WEYRICH
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Oft würden bei der öffentlichen Beleuchtung Glühbirnen durch LED-Lampen mit gleicher elektrischer Energiemenge ersetzt, sagt der Physiker und Ingenieur Martin Löffler-Mang von der Hochschule für Technik des Saarlands. Diese Lampen machten aber deutlich mehr Licht. „Wenn die Lichtmenge vorher in Ordnung war, könnte man bei LED massiv reduzieren und den Energieverbrauch auf ein Fünftel drosseln“, sagt er. 

Löffler-Mang hilft Gemeinden bei Interesse mit Lichtmonitoring, um starke Lichtquellen zu identifizieren und zu reduzieren. Sensibler werden und mehr sehen, dafür werden über längere Zeit an einer festen Stelle automatisch Nachtaufnahmen gemacht, die ausgewertet werden. Andermatt in der Schweiz hat das erfolgreich gemacht. St. Wendel im Saarland wolle nun auch etwas tun, um mit dem Konzept „weniger Licht“ mehr Touristen anzuziehen. Löffler-Mang verweist zudem auf diese wissenschaftliche Erkenntnis: „Wenn wir weniger Licht machen würden, werden wir sensibler und sehen dann mehr.“ 

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