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LeVar Burton statt LaVar Ball: Trump-Fans beleidigen den Falschen
Panorama 3 Min. 23.11.2017 Aus unserem online-Archiv

LeVar Burton statt LaVar Ball: Trump-Fans beleidigen den Falschen

Zwei verschiedene Personen: LaVar Ball (l.) und LeVar Burton

LeVar Burton statt LaVar Ball: Trump-Fans beleidigen den Falschen

Zwei verschiedene Personen: LaVar Ball (l.) und LeVar Burton
Foto: AFP / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0, Florida Supercon
Panorama 3 Min. 23.11.2017 Aus unserem online-Archiv

LeVar Burton statt LaVar Ball: Trump-Fans beleidigen den Falschen

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
LaVar Ball ist ein prominenter ehemaliger US-Sportler. Kürzlich hat er den Zorn von Donald Trump auf sich gezogen. Trump-Fans eilen dem Präsidenten auf Twitter zu Hilfe - geraten dabei aber an den völlig unbeteiligten LeVar Burton ("Star Trek").

[Foto Levar Burton: Wikimedia CommonsCC BY-SA 2.0, Florida Supercon.

LaVar Ball und LeVar Burton haben nichts miteinander zu tun. Nun gut, es gibt ein paar Gemeinsamkeiten. Sie haben ähnlich klingende Vornamen. Beide sind Afro-Amerikaner. Und sie sind beide mehr oder weniger prominent: Ball ist ehemaliger Profisportler, der mittlerweile eine Sportartikelfirma betreibt, zudem ist er der Vater von NBA-Spieler Lonzo Ball (Los Angeles Lakers) und College-Basketballer LiAngelo Ball (UCLA). 

Burton hat seine großen TV-Zeiten schon ein bisschen hinter sich: Der heute 59-jährige wurde einem weltweiten Publikum durch die Rolle des blinden Offiziers Geordi LaForge in der Science-Fiction-Serie "Star Trek - Das nächste Jahrhundert" bekannt. In den USA kennt man ihn aber auch daher, dass er 23 Jahre lang "Reading Rainbow" moderierte, eine Show, die Kinder und Jugendliche zum Lesen animieren sollte. Dafür bekam Burton immerhin zwölf Emmies. 

Seine größte Rolle: LeVar Burton (l.) als Geordi LaForge auf der "Enterprise".
Seine größte Rolle: LeVar Burton (l.) als Geordi LaForge auf der "Enterprise".
Foto: LW-Archiv


LaVar Ball hat kürzlich Schlagzeilen gemacht, indem er den Zorn von US-Präsident Trump auf Twitter auf sich zog. Was war passiert? Balls Sohn LiAngelo  war bei einer Mannschaftsreise des UCLA-Basketball-Teams nach China wegen Ladendiebstahls verhaftet worden - er soll zusammen mit zwei Mitspielern drei Sonnenbrillen geklaut haben. Donald Trump brüstete sich damit, höchstpersönlich bei Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping interveniert zu haben, damit sich eine Tragödie wie die des US-Studenten Otto Warmbier in Nordkorea nicht wiederholen sollte. 

Mit Erfolg, offensichtlich: Die drei US-Studenten kamen mit einer Verwarnung statt mit einer langen Haftstrafe davon, den Rest regelt man an der University of California, Los Angeles teamintern. 

Der Zorn des Donald Trump - und seiner Fans

Was Trump aufbrachte: LaVar Ball hatte sich seiner Meinung nach dem Präsidenten gegenüber nicht dankbar genug gezeigt. Das veranlasste ihn zu der wenig präsidialen Aussage via Twitter: "Ich hätte sie im Gefängnis lassen sollen."


Nun haben solche Trump-Tweets die Eigenschaft, dass sie selten ohne Echo verhallen. Medien greifen sie auf, er erhält Antworten auf Twitter. Es wird diskutiert (worauf Trump selbst meistens nicht eingeht). Und: Wenn Trump jemanden auf Twitter attackiert, folgt ihm eine Schar seiner Anhänger und legt auf Twitter nach. 


Im schlimmsten Fall wächst sich so etwas zum veritablen Shitstorm gegen Privatpersonen aus - wie im Fall der 18-jährigen Studentin Jennifer Batchelder, die es gewagt hatte, Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung eine kritische Frage zu stellen. Woraufhin der Präsident sie als "arrogant" bezeichnete und sich der Zorn seiner Anhänger gegen eine junge Frau mit voller Wucht entlud - Telefonterror und persönliche Drohungen inklusive. 

"Abgehalfterter Schauspieler mit Dieb zum Sohn"

Im Fall LaVar Ball ging dieser Zeitvertreib für einige Twitter-Nutzer allerdings ganz gewaltig schief: Zahlreiche Trump-Fans addressierten ihren Hass nicht an Ball sondern an den völlig unbeteiligten LeVar Burton.  


"Du bist nur ein abgehalfterter Schauspieler mit einem Dieb zum Sohn und Trump ist der Präsident der Vereinigten Staaten. Klar?" steht da zu lesen. Oder: "LaVar Burton (sic) hat gegen die Regeln guter Manieren verstoßen. Er hat unseren Präsidenten und den Präsidenten von China (sic!) beleidigt. Er sollte sich für seinen Sohn schämen, der ihn dadurch entehrt hat, dass er klaut." 


Ob die Trump-Unterstützer grundsätzlich der Meinung sind, dass "die alle gleich aussehen", oder ob ihnen die Autocomplete-Funktion am Handy einen Streich gespielt hat, wird nicht mehr zu ermitteln sein. Vieles spricht allerdings für die Interpretation des Magazins "Gentleman's Quarterly": "Man muss mittlerweile gar nichts mehr getan haben, damit man vom Internet gehasst wird. Existieren reicht."

Ein gutgemeinter Rat von "Data"

Burtons ehemaliger Kollege Brent Spiner, der in Star Trek den Androiden "Data" spielte, bewies trockenen Humor und gab Burton einen Ratschlag: "Wenn Dir unser Präsident am Herzen liegen würde, würdest Du Deinen Namen ändern."

 

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass Burton mit Ball verwechselt wurde: Bereits im März hatte ein Twitter-Nutzer Burton (der nie professionell Basketball gespielt hat) zurechtgewiesen: "Du kamst nur auf einen Punkteschnitt von 2,2 pro Spiel, also hör auf, über Michael Jordan zu lästern."





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