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Letzte Ruhestätten
Panorama 5 Min. 31.10.2018

Letzte Ruhestätten

Den Grabstein des Hauptmanns von Köpenick, alias Wilhelm Voigt, auf dem hauptstädtischen Friedhof Notre-Dame schmückt neben einem Schriftzug auch eine eingemeißelte Pickelhaube.

Letzte Ruhestätten

Den Grabstein des Hauptmanns von Köpenick, alias Wilhelm Voigt, auf dem hauptstädtischen Friedhof Notre-Dame schmückt neben einem Schriftzug auch eine eingemeißelte Pickelhaube.
Foto: Guy Jallay
Panorama 5 Min. 31.10.2018

Letzte Ruhestätten

Die Grabstätten der Stars vergangener Tage ziehen auch heute noch Besucher an. Selbst in Luxemburg findet man auf Friedhöfen einige bekannte Namen – darunter einen „Star“, dem einst eine Straftat zu Ruhm verhalf.

von Rainer Holbe

Hans-Joachim Kulenkampff

Mit „Einer wird gewinnen“ zählte Hans-Joachim Kulenkampff bis in die 1980er-Jahre hinein zu den Stars des deutschen Fernsehens. Als er 1998 starb, fand er seine letzte Ruhestätte in seiner Wahlheimat, dem österreichischen Bauerndorf Frauenstein. Als Wallfahrtsstätte für deutsche Touristen büßt das Grab von Jahr zu Jahr mehr an Attraktivität ein. Die Wirtin vom Gasthof Federlehner spürt das besonders. Der Showmaster war einst bei ihr Stammgast, mit ihm wirbt sie noch immer. Doch wer war „Kuli?“, fragen die jungen Gäste. Kulenkampffs Tochter Merle, die im Waldviertel einen Gnadenhof betreibt, stattet hin und wieder einen Besuch ab. „Sie hat halt viel mit ihrem Hof zu tun“, sagt die Wirtin.

Friedrich Wilhelm Voigt

Der aus Ostpreußen stammende Schuhmacher, Jahrgang 1849, hat seine Bekanntheit einer Aktion zu verdanken, der Carl Zuckmayer mit dem Theaterstück „Der Hauptmann von Köpenick“ ein Denkmal setzte: Voigt drang als Hauptmann verkleidet mit einem Trupp Soldaten in das Rathaus der Stadt Köpenick ein, verhaftete den Bürgermeister und stahl die Stadtkasse. Nach seiner Haft reiste er um die Welt und ließ sich 1910 – mit einem luxemburgischen Pass – im Großherzogtum nieder, wo er ab 1912 in der Rue du Fort Neipperg lebte. Er starb 1922 verarmt und von einer Lungenkrankheit gezeichnet. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Notre-Dame. 1999 beantragte Berlin, die Überreste nach Berlin umzubetten – die Stadt Luxemburg lehnte diesen Antrag aber ab.

Peter Frankenfeld

An Peter Frankenfeld denken die Bürger von Wedel, das hinter Blankenese liegt und nur nicht so schick ist, gerne zurück. Der Showmaster hat der Gemeinde einst 10 000 Bäume gestiftet, die inzwischen kühlen Schatten spenden. Längst vorbei sind die Zeiten, als er in der karierten Jacke mit „1:0“ die erste Spielshow im deutschen Fernsehen moderierte. Am Ende seiner Karriere reichte es bei „Musik ist Trumpf“ immerhin für einen Smoking. Mit 66 Jahren starb er an einer Virusinfektion, betrauert von seiner großen Liebe Lonny Kellner, die später neben ihm auf dem Friedhof Wedel bestattet wurde. Auf dem Granitstein ist seine schwungvolle Autogrammunterschrift rekonstruiert: „Peter Frankenfeld“.

Camillo Felgen

Für Frank Elstner war Camillo nicht nur ein freundlicher Kollege, sondern ein guter Freund. Den Start in seine beeindruckende Karriere verdankte er auch dem väterlichen Mentor. Das Leben des Grandseigneurs Camillo glich einem bunten Kaleidoskop. Der Sohn eines Grubenbetriebsleiters war Volksschullehrer, Schlagersänger, TV-Moderator und als Erfinder der „Hitparade von Radio Luxemburg“ auch der Chef des deutschen Programms. Als er mit 84 Jahren in Esch/Alzette starb, hinterließ er seine Frau Marianna sowie zwei Söhne aus zweiter Ehe. Die letzte Ruhe fand Camillo auf dem Friedhof seines Geburtsortes Tetingen. Frank Elstner war zur Trauerfeier aus Baden-Baden angereist.

Harry Valérien

Im Kopf blieb der fast 90-Jährige stets fit und klar. Als er unerwartet auf der Fahrt zu ihrem gemeinsamen Zuhause im Auto starb, saß seine Frau Randi mit im Wagen. Der Sportreporter Harry Valérien beendete sein Leben etwa an der gleichen Stelle, an der seine Mutter bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Damals war er ein Bub, gerade mal 14 Jahre alt. Begraben ist er auf dem Friedhof in Aufkirchen. Auf dem Grabstein steht auch der Name seiner Tochter Laila, die zehn Jahre vor ihm an Brustkrebs gestorben war.

Dietmar Schönherr

Auf sein langes Leben angesprochen antwortete der Schauspieler Dietmar Schönherr lapidar: „Ich habe mir Mühe gegeben. Mehr war nicht drin.“ In seinen letzten Jahren lebte er mit seiner Frau Vivi Bach zurückgezogen auf Ibiza. „Das Kostbarste, was mir und meiner Frau bleibt, ist die gemeinsame Zeit“, sagte er. „Ich würde meine Vivi nie im Stich lassen.“ Er hat das Versprechen gehalten. Nach ihrem Tod wurde die Asche seiner Frau im Mittelmeer versenkt. Bevor Dietmar Schönherr mit 88 Jahren in Santa Eulària starb, hatte er mit einem Fischer eine Vereinbarung getroffen. Der alte Mann sollte mit der Asche des Verstorbenen hinaus aufs Meer fahren. Es gibt also keinen Grabstein mit dem Namen zweier Menschen, die einander zugetan waren.

Udo Jürgens

Von einem Spaziergang am Zürichsee ist Udo Jürgens nicht mehr zurückgekehrt. Der Herztod hatte den 80-Jährigen getroffen. Als Monate später seine Urne auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt wurde, applaudierten Freunde und Familie. Ein weißer Flügel wurde zu seinem Grabmal, eine Skulptur aus sechs Tonnen schwerem italienischen Marmor, entworfen von Udos Bruder Manfred Bockelmann. Das mit dem Schriftzug „Udo Jürgens“ verzierte Monument soll einem Wunsch des Verstorbenen entsprechen, der nicht unter der Erde bestattet werden wollte.

Wim Thoelke

Auf dem Grab von Wim Thoelke liegt ein schwerer Stein mit den Initialen „W.T.“ und den Eckdaten seiner Biografie: 1927-1995. Hier hat „Big Wim“ seine letzte Ruhe gefunden, auf dem Friedhof in Engenhahn im Taunus, ein wenig versteckt auf dem großen Gelände. In einem Ein-Personen-Grab. Thoelke war ein ZDF-Mann der ersten Stunde: Jahre im „Aktuellen Sportstudio“, die große Show „Drei mal Neun“, mit Wum und Wendelin. Dann „Der Große Preis“. Nach einer dreifachen Bypass-Operation moderierte er – abgemagert und im Sitzen – die 200. Folge von „Der Große Preis“. „Freund Hein“, wie man im Mittelalter den Tod nannte, holte „Big Wim“ im Schlaf. Er ist von einem Nickerchen einfach nicht mehr aufgewacht.

James Last

Nur geladene Gäste durften in die Michaelis-Kirche zur Trauerfeier für James Last. Hamburgs Ehrenbürger war mit 86 Jahren in seinem Haus in Florida gestorben. Als Erfinder des „Happy Party Sound“ galt er als der erfolgreichste deutsche Bandleader. Eine musikalische Legende, die sich auch im hohen Alter auf die Bühne wagte, umjubelt von ihren Fans. Und so kamen denn auch alle die Weggefährten in den Michel. Last wurde danach im Familiengrab auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt, in dem bereits seine Eltern und sein Bruder Robert bestattet sind. Ein lichtdurchfluteter Platz neben einer mächtigen Rotbuche.

Dieter Thomas Heck

Den 80. Geburtstag hat er noch erlebt. Nachbarn und Freunde waren in das spanische Haus am Meer gekommen, in das sich Dieter Thomas Heck mit seiner Frau Ranghild zurückzuziehen pflegte. Doch eine Lungenkrankheit konnte nur in einer Berliner Spezialklinik behandelt werden. Im August kamen die beiden Söhne und die Tochter zum letzten Mal an sein Krankenbett. Um Abschied zu nehmen. Zur Beerdigung auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf erschien nur die kleine Schar der Verwandten. Auf dem imposanten Grabstein ist ein Text aus dem Johannesevangelium eingraviert: „Im Anfang war das Wort“.


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