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Lernen und Lehren
Panorama 3 Min. 08.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Das 1. "feministische Barcamp" in Luxemburg

Lernen und Lehren

Mitorganisatorin Kathrin Eckhart klärt über die Themen des ersten „feministischen Barcamps“ in Luxemburg auf: Feminismus, Internet, Musik ...
Das 1. "feministische Barcamp" in Luxemburg

Lernen und Lehren

Mitorganisatorin Kathrin Eckhart klärt über die Themen des ersten „feministischen Barcamps“ in Luxemburg auf: Feminismus, Internet, Musik ...
Foto: Inna Ganschow
Panorama 3 Min. 08.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Das 1. "feministische Barcamp" in Luxemburg

Lernen und Lehren

Das erste "feministische Barcamp in Luxemburg“, das am Wochenende stattfand, entpuppte sich als eine weiterqualifizierende Maßnahme, bei der Frauen (und Männer) einander in kleinen Workshops verschiedenste Dinge beibrachten.

von Inna Ganschow

Musik, Bildung, Zukunft, Politik, Yoga, Theater, Mentoring, Migration, soziale Netzwerke, IT – recht vielfältig sind die Interessen der Teilnehmerinnen und immerhin zwei Teilnehmer des „feministischen Barcamps“, die sich in Luxemburg eingefunden haben. Sie stammen aus Luxemburg, Deutschland, den USA, Syrien, dem Irak und den Niederlanden und sie wollen etwas lernen – oder anderen etwas beibringen.

Alle sind zusammengekommen, um ihr Netzwerk auszubauen. Die einen suchen nach alten Computern für ihr Flüchtlings-Integrationsprogramm, die anderen nach Partnerorganisationen für ihre Freiwilligen-Aktivitäten, aber jeder hat eine Leidenschaft, die er den anderen näherbringen will.

Sprache, Religion, Hautfarbe oder Geschlecht stehen beim ersten feministischen Barcamp in Luxemburg niemandem im Wege.
Sprache, Religion, Hautfarbe oder Geschlecht stehen beim ersten feministischen Barcamp in Luxemburg niemandem im Wege.
Foto: Inna Ganschow

Von der Dozentin zur Zuhörerin

Das Konzept „Barcamp“ wurde vor einigen Jahren in den USA aus der Taufe gehoben, wo man eine Leere füllen wollte – im häufigsten Fall computerbezogene Wissenslücken. Die Atmosphäre des Veranstaltungsformats ähnelt der eines Campingplatzes, wo man sich spontan mit anderen zusammentut und etwas teilt, Erfahrungen weitergibt und vor allem einander vom Wissen des anderen profitieren lässt, ohne dass eine Unterrichtsstunde daraus wird.

 Diese Idee hat es auch dem Informations- und Dokumentationszentrum „CID Fraen an Gender“ sehr angetan. „Man muss keine Expertin und kein Experte sein, um von etwas erzählen zu können, das man gut beherrscht, ob Twittern, Webpage-Gestaltung oder Video-Editing“, erklärt Joëlle Schwinnen, eine der Veranstalterinnen.

Die Umsetzung in Luxemburg sieht folgendermaßen aus: Man legt zu Beginn drei Hauptthemen fest, zu denen man entweder etwas mit den anderen teilen oder selbst etwas lernen möchte. Bei der gemeinsamen Kennenlernrunde trägt jeder seine Interessen vor, wodurch sich anschließend Gruppen bilden. Im Zweistundentakt wechselt man dann die Gruppe, so dass man am Ende der Veranstaltung verschiedene Rollen einnehmen konnte: Workshop-Leiterin oder Workshop-Teilnehmerin. Aber was daran ist nun feministisch?

Pauline und ihre 14-jährige Tochter sind gekommen, um über Bildung, Zukunft, Feminismus und Twitter zu sprechen.
Pauline und ihre 14-jährige Tochter sind gekommen, um über Bildung, Zukunft, Feminismus und Twitter zu sprechen.
Foto: Inna Ganschow

Neue Formen des Feminismus

Die jüngste Teilnehmerin ist 14 Jahre alt und stammt aus den Niederlanden. „Feminismus ist für mich die Gleichheit der Rechte für alle“, sagt sie, ohne Frauen speziell zu erwähnen. Sie ist mit ihrer Mutter zum Barcamp gekommen. Beide gehen sehr schnell auf die Diskussion ein, wie unterschiedlich die Generationen der Feministinnen von heute und vor dreißig Jahren denken und den Begriff Feminismus definieren. 

Jüngere Frauen wollen nicht unbedingt in die Fußstapfen ihrer Vorgängerinnen treten und mit ihnen assoziiert werden, sind sich die beiden sicher. Man kämpfe ja schließlich nicht mehr um Wahl-, Hochschulbildungs- oder Scheidungsrecht. Heutzutage gehe es eher um die Gleichberechtigung bei den Entscheidungen, die die Zukunft betreffen, so die junge Barcamp-Teilnehmerin: „Zukunft ist das, wo ich mitreden will, besonders, wenn es um das Thema Umwelt geht.“

 Wer etwa in Sachen Social Media mitreden will, muss einiges wissen: Wie nutze ich die sozialen Netzwerke sicher? Wenn ich ein Video posten will, wie kann ich es schneiden? Wenn Passanten auf dem Video sind, darf ich das noch posten oder muss ich Gesichter schwärzen? Kann ich selbst einen Podcast kreieren? Wirklich jede Frage wird beim Barcamp beantwortet – schließlich fungieren als Dozentinnen unter anderem eine Radiojournalistin, eine Bloggerin und viele weitere Frauen, die in ihrem Bereich zu den Profis zählen.

Hähne im Korb

Die zwei Männer, die den Frauenkreis ein wenig aufmischen, entscheiden sich für die Themen Humor, Positives im Internet und Kreatives Schreiben. Bei den Themen Geocaching und Loesje sind die meisten kurz überfordert. Aber dann widmen sich alle doch mit Hingabe dem kleinen Workshop für die weltweit größte GPS-gesteuerte Schatzjagd und das Entwerfen von Postern mit witzigen Slogans für eine niederländische Free-Speech-Organisation.

Und worüber redet man in der Kaffeepause? Über Feminismus, Sexismus und Altersdiskriminierung – und zwar in mindestens fünf Sprachen, in denen diese Wörter übrigens fast gleich klingen, so wie sich die Phänomene ähneln, gegen die man gemeinsam antreten möchte.


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