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Lehrer unter Hochdruck
Panorama 3 Min. 10.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Lehrer unter Hochdruck

Lehrer unter Hochdruck

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Panorama 3 Min. 10.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Lehrer unter Hochdruck

Der Lehrerberuf scheint attraktiv – wegen der guten sozialen Absicherung und des hohen Gehaltes. Dennoch klagen viele Pädagogen über Belastung und Stress. Eine Studie der Universität Luxemburg geht diesem Phänomen nach.

von Birgit Pfaus-Ravida

Sind Lehrer tatsächlich besonders anfällig für Stress? Haben sie doch vermeintlich viel Freizeit, verdienen viel und können sich die Arbeit teilweise frei einteilen? Psychologisch zumindest scheint das nicht weit hergeholt, meint André Schulz, Psychologe an der Universität Luxemburg: "Erstens sind die ständigen psychosozialen Anforderungen im Lehrerberuf sehr hoch, und sozialer Stress kann die Gesundheit in besonderem Maße beeinträchtigen. Zweitens bestehen kaum Zusammenhänge zwischen dem beruflichen Engagement eines Lehrers und seiner Gratifikation, also beispielsweise Gehalt und Aufstiegschancen."

Mehr Engagement wirke sich also nicht direkt auf den Geldbeutel aus wie in anderen Berufen, in denen es Prämien und Zuschläge gebe. Aus diesem Grund könne schnell – trotz eines hohen Gehaltes – dauerhafte Unzufriedenheit entstehen. Beide Faktoren könne man auch in anderen sozialen Dienstleistungsberufen beobachten, wie bei Alten- und Krankenpflegern, Polizisten oder Feuerwehrleuten.

Sozialer Stress und Unzufriedenheit können dazu beitragen, dass einige Lehrer stressbezogene Krankheiten entwickeln. Dazu gehören beispielsweise die Entstehung körperlicher Symptome, die nicht auf eine organische Krankheit zurückzuführen sind – beispielsweise Kopf- oder Rückenschmerzen, Schwindel, Herzrasen, Übelkeit bis hin zu Burnout und Depression.

Gestörte Körperkommunikation

Im Projekt "Interoception and chronic stress" (Instress), das derzeit an der Universität Luxemburg von Projektleiter André Schulz, Doktorand und Studienleiter Ion-Hideo Breden und Arbeitsgruppenleiter Claus Vögele durchgeführt wird, soll untersucht werden, welche Faktoren dazu beitragen, dass sich aus andauerndem oder chronischem Stress körperliche Symptome entwickeln. "Dabei vermuten wir, dass die fehlerhafte Kommunikation zwischen Gehirn und Körper dazu beiträgt, dass sich körperliche Symptome entwickeln", erklärt André Schulz. Demgegenüber könnte eine gut funktionierende Gehirn-Körper-Kommunikation ein Schutzfaktor sein, welcher der Entwicklung von körperlichen Symptomen entgegenwirkt und die Gesundheit erhalten kann.

Und so kann sich Stress auswirken: Wenn Lehrer dauerhaft mehr Ressourcen aufwenden, als sie körperlich und psychisch haben, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass sie Stress empfinden. Das kann körperliche Symptome nach sich ziehen, die auf den ersten Blick keine Ursache haben und darum auch nicht richtig behandelt werden. Das kann zu somatischen Belastungsstörungen, Depression oder Burnout führen, die schlimmstenfalls chronisch werden.

Mit der Studie möchten die Unimitarbeiter die Mechanismen aufdecken, die hinter der Entwicklung dieser Krankheiten durch Stress stecken und den Weg dafür freimachen, Mittel und Wege zu finden, wie man gegen den Stress angehen kann. Schließlich ist die Lehrergesundheit auch für Schüler relevant. Präventionsansätze, um Gehirn-Körper-Kommunikation zu verbessern, könnten etwa Herzschlag-Wahrnehmungstrainings sein oder Neurofeedback-Methoden, um die Hirnwellen zu beeinflussen. Generell wichtig seien natürlich bei jedem Beruf und jeder Art von Stress achtsame Lebensführung und körperliche Aktivität.

"In der Studie verwenden wir mehrere Verfahren, um die Gehirn-Körper-Kommunikation zu messen, wie EKG, EEG sowie die Messung von Stresshormonen im Speichel", sagt Studienleiter Ion-Hiedo Breden. Wichtig sei zu betonen: "Es soll nicht untersucht werden, ob luxemburgische Lehrer Stress empfinden oder nicht, sondern ob die Gehirn-Körper-Kommunikation bei solchen, die sich stark belastet fühlen, anders abläuft als bei denjenigen, die sich nicht im selben Maß belastet fühlen." Es sei der Mechanismus, den man auf mehreren Beobachtungsebenen untersuchen wolle – andere Studien zu Stress-Symptomen gebe es bereits.


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