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"Le seul Belge"
Panorama 6 3 Min. 31.07.2018 Aus unserem online-Archiv

"Le seul Belge"

König Bauduin und seine Gattin Fabiola pflegten einen monarchischen Stil ohne Prunk und agierten zum Wohle der Einheit Belgiens.

"Le seul Belge"

König Bauduin und seine Gattin Fabiola pflegten einen monarchischen Stil ohne Prunk und agierten zum Wohle der Einheit Belgiens.
Foto: LW-Archiv/RTBF
Panorama 6 3 Min. 31.07.2018 Aus unserem online-Archiv

"Le seul Belge"

Vor 25 Jahren verstarb der belgische König Baudouin, der jüngere Bruder von Großherzogin Joséphine-Charlotte, im Alter von 62 Jahren.

(KNA) Zurückhaltend, eher ein Bier trinkend als Champagner, so blieb König Baudouin von Belgien seinen Landsleuten im Gedächtnis. Wenig verwunderlich also, dass sein Porträt auch 25 Jahre nach seinem plötzlichen Tod noch in belgischen Cafés und Lokalen zu finden ist.

Sein plötzlicher Tod versetzte ein ganzes Land in einen Schockzustand. Vor 25 Jahren, am 31. Juli 1993, erlag König Baudouin mit nur 62 Jahren in seinem südspanischen Landsitz Motril einem Herzanfall. Mit dem Tod des damals 62-Jährigen, der 42 Jahre an der Spitze des Landes stand, starb eine Epoche. Hunderttausende versammelten sich bei Bekanntwerden der Todesnachricht vor dem Palast im Stadtzentrum. Fünf Tage nach dem Tod ihres Mannes zeigte sich Königin Fabiola erstmals der Öffentlichkeit. Gekleidet in schlichtem Grau trat sie auf den Balkon. Sie kreuzte beide Arme über der Brust, verneigte sich vor dem Volk. "Courage, Madame la Reine!", rief eine Stimme ihr zu und brach so das düstere Schweigen, das über Brüssel lastete.

Zurückhaltend und nachdenklich

Der "Berger de son peuple", wie Brüssels damaliger Erzbischof, Kardinal Godfried Danneels, den König bei der Trauerfeier nannte, hatte mehr als vier Jahrzehnte regiert. Er prägte einen Stil, der wenig mit monarchischem Prunk und noch weniger mit selbstgefälliger Machtentfaltung zu tun hatte. Auf den Bildern, die ihn bei offiziellen Anlässen zeigen, wirkt Baudouin stets eher schüchtern, wie einer, dem mehr am Zuhören denn am Reden liegt, mehr an persönlicher Begegnung denn an höfischem Protokoll. Den Kopf geneigt, die Hände dem Zuhörer zugewandt oder hinter dem Rücken verschränkt, sparsam in den Gesten, eher ein Bier trinkend als Champagner.

Viel jünger als geplant war der jüngere Bruder von Großherzogin Joséphine-Charlotte im Juli 1951 auf den Thron gelangt. Zwar hatten sich die Belgier nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Volksabstimmung für die Beibehaltung der Monarchie ausgesprochen, doch Baudouins Vater, Leopold III., dankte ab – nicht zuletzt wegen seiner umstrittenen Haltung im Krieg. Mit nicht einmal 21 Jahren leistet Baudouin seinen Amtseid. Vorausgegangen war eine bewegte Kindheit: Verlust der Mutter im Alter von fünf Jahren, Flucht und Exil im Krieg. In Baudouins Regentschaft fallen so wichtige Entscheidungen wie die Unabhängigkeit der belgischen Kolonie Kongo. Eine parlamentarische Untersuchungskommission kam 2002 zu dem Ergebnis, dass Baudouin von den Plänen zur Ermordung des ersten kongolesischen Ministerpräsidenten, des Sozialisten Patrice Lumumba, im Januar 1961 gewusst habe.

Zuhause verstand es Baudouin wie kaum ein anderer, dem Streit zwischen Flamen und Wallonen die Schärfe zu nehmen und den Belgiern ein Gefühl der Einheit zu geben. "Le seul Belge" wurde er genannt. In seine Amtszeit fiel auch die Umstrukturierung Belgiens zu einer föderalen Republik.

"Er war ein entschiedener Anwalt der Einheit und des Zusammenhaltes unseres Landes", erinnerte später sein Bruder und Nachfolger Albert II. Und er zitierte aus Baudouins letzter Ansprache zum Nationalfeiertag, in der dieser seine Landsleute zu Versöhnung, Bürgersinn, Toleranz und gutem Willen aufforderte. Der heutige König Philippe versucht – wie auch schon sein Vater, Albert II., der von 1993 bis 2013 die Krone trug – das schwierige Land in seiner Tradition auf Kurs zu halten.

Enge Bindung zur Kirche

Belgiens König, der gemäß der Verfassung vorwiegend repräsentative Aufgaben hat, herrscht, aber er regiert nicht. Baudouin, häufig wohl von seiner Ehefrau Fabiola beeinflusst, nahm diese Weisung ernst. So ließ er sich im April 1990 für einen kurzen Zeitraum für amtsunfähig erklären, um das neue, liberale Abtreibungsgesetz des Landes nicht unterzeichnen zu müssen. Die enge Bindung Baudouins an die katholische Kirche wurde hier, wie auch nach seinem Tod, deutlich. In seinem Testament hinterließ er der Kirche ein Grundstück aus königlichem Besitz, damit dort ein Kloster errichtet werde.

Schon bald nach Baudouins Tod wurden Rufe nach seiner Seligsprechung laut. Belgiens Bischöfe haben diesen Ruf wohl gehört und nicht vergessen. Konkrete Initiativen gibt es aber offenbar nicht. Die Kirche denkt in Jahrhunderten. Völlig ausgeschlossen ist eine Seligsprechung damit noch nicht. Schließlich wird nicht jeder "santo subito".


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