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KZ-Anspielungen: Empörung über Rammstein
Panorama 2 Min. 28.03.2019 Aus unserem online-Archiv

KZ-Anspielungen: Empörung über Rammstein

Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein, steht beim Wacken Open-Air Festival (WOA) auf der Bühne.

KZ-Anspielungen: Empörung über Rammstein

Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein, steht beim Wacken Open-Air Festival (WOA) auf der Bühne.
Axel Heimken/dpa
Panorama 2 Min. 28.03.2019 Aus unserem online-Archiv

KZ-Anspielungen: Empörung über Rammstein

Provokation als Programm: In einem neuen Video präsentiert sich die Rockband Rammstein mit Anspielungen auf den Holocaust.

(dpa) - Häftlinge am Galgen, gelbe Sterne und ein bedrohlicher Sound: Der Trailer zu einem neuen Video der deutschen Band Rammstein mit Anspielungen auf deutsche Konzentrationslager hat am Donnerstag scharfe Kritik und Fragen zum Umgang mit Holocaust-Bildern ausgelöst.

Der 35 Sekunden lange Trailer zeigt vier Band-Mitglieder, deren Kleidung an die von KZ-Gefangenen erinnert. Am Ende des Trailers, den Rammstein auf ihrer Webseite veröffentlichten, ist das Wort „Deutschland“ in frakturähnlicher Schrift zu sehen. In lateinischen Buchstaben steht darunter das Datum 28.3.2019.

Die Band stellte am Abend das komplette Video ins Netz. Auf rund sieben Minuten vollziehen Rammstein unter dem Titel „Deutschland“ dabei eine Reise durch die deutsche Geschichte - von den alten Germanen bis zur Gegenwart. Dabei werden die Bilder aus dem Trailer erst während des Abspanns gezeigt.

Das Video zeigt allerdings auch, wie sich Häftlinge an ihren Peinigern in NS-ähnlichen Uniformen rächen. „Du hast viel geweint, im Geist getrennt, im Herz vereint“, singt Frontmann Till Lindemann über Deutschland. „Meine Liebe kann ich dir nicht geben“, heißt es dort weiter.

Erscheinungsdatum 17. Mai

Das neue Album soll am 17. Mai erscheinen, wie die Band auf ihrer Webseite mitteilte. Die erfolgreichste deutsche Rockgruppe im Ausland hat seit der Gründung 1994 nach Label-Angaben mehr als 20 Millionen Alben verkauft. ‎

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hatte nach Veröffentlichung des „Deutschland“-Teasers erklärt, es gebe zahlreiche Künstler, die sich in ihren Kunstwerken auf eine würdevolle Art mit der Schoa auseinandersetzten. „Wer den Holocaust jedoch zu Marketingzwecken missbraucht, handelt verwerflich und unmoralisch“, sagte Schuster.

Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums nannte den kurzen Rammstein-Clip mit den Anspielungen auf den Holocaust „beschämend“. „Wir schließen uns jenen an, die eine sofortige Löschung fordern“, schrieb er auf Twitter.

Rammstein wollen im Mai erstmals auf Stadion-Tournee durch Europa gehen. Dazu hatte die Band im vergangenen September ihr siebtes Studioalbum angekündigt - zehn Jahre nach „Liebe ist für alle da“.

Im neuen Trailer treten die Musiker mit jeweils einem Strang um den Hals auf. Zu sehen sind auf einigen gestreiften Jacken gelbe Sterne, ähnlich jenen Kennzeichen, die das NS-Regime nach den Nürnberger Rassegesetzen 1935 den Juden aufgezwungen hatte.

Sollten Rammstein mit dem neuen Musikvideo aus dem Holocaust Profit schlagen wollen, wäre das geschmacklos und würde Millionen Menschen verhöhnen, die während der Schoa unsäglich gelitten hätten und auf grausamste Weise ermordet worden seien, sagte Schuster. Von der Band war keine Stellungnahme zu erhalten. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über das Video berichtet.